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Eingeschneit

Gruppenstunde Lager | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Streit ist unter anderem auch eine gute Methode, das Fremde besser zu verstehen. Damit ein Streitgespräch diese Funktion erfüllen kann, muss allen daran Beteiligten klar sein, dass es nicht primär darum geht, aus der Disskussion als strahlender Sieger hervorzugehen. Fair zu streiten bedeutet immer, auch dem/der anderen zuzuhorchen, was nicht allein ihm/ihr die Chance gibt, in der Auseinandersetzung zu "überleben", sondern gleichzeitig den Effekt nach sich zieht, dass ich ihn/sie dadurch besser kennenlerne bzw. er/sie mir nicht mehr so fremd ist. Das setzt natürlich eine gewisse Fertigkeit voraus, nämlich die Bereitschaft aufzubringen, nicht auschließlich seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, sondern auch ein wenig innezuhalten und sein Verhalten wahrzunehmen und zu bedenken. Eine Fertigkeit, die möglicherweise in einem Rollenspiel (in diesem Fall eine zeitlich doch ziehmlich ausgedehnte Spielaktion) geübt werden kann.

Ziel

Fair streiten soll geübt werden.

Material

  • Verkleidungen und Requisiten, je nach angebotenen Rollen
  • evtl. heißer Tee in einer Thermoskanne und Becher
  • evtl. ein Telefon oder Handy
  • Traubenzucker für alle Teilnehmer/innen

Aufbau

Eine durch Zufall bunt zusammengewürfelte Gesellschaft findet sich plötzlich in einer außergewöhnlichen Situation wieder: eingeschneit auf einer abgelegenen Skihütte ohne Verbindung zum Rest der Welt. Gemeinsam gilt es, auf die Bergrettung zu warten und sich die Zeit zu vertreiben. In der Gestaltung des Spiels sind die Gruppenmitglieder völlig frei, jede/r versetzt sich in die Rolle, die er/sie sich ausgesucht hat, und trägt etwas zum gemeinsamen Rollenspiel bei.

 

Es beginnt mit einem Skiunfall


Zu Beginn der Gruppenstunde begrüßt du die Kids und erzählst ihnen, dass ihr euch auf einer kleinen, abgelegenen Schihütte befindet. Ein/e Skifahrer/in hat einen Unfall gehabt, und konnte nicht weiterfahren, die Menschen, die gerade auf der Piste in der Nähe waren, und auch einige andere, die gerade auf einem Wanderweg in der Nähe unterwegs waren, haben den/die zum Glück nur leicht Verletzte/n zur Hütte gebracht und erste Hilfe geleistet. Dabei wurde der Einbruch der Dunkelheit übersehen, die Bergrettung konnte zwar noch alarmiert werden, aber dann ist schlechtes Wetter aufgezogen und der Kontakt zur Außenwelt ist abgebrochen — es ist aber zu hoffen, dass die Bergrettung bald eintreffen wird.

Zur Rollenvorgabe


Gemeinsam wollt ihr nun in die Rollen der Personen schlüpfen, die in diese Situation geraten sind und ausprobieren, wie sie sich die Zeit vertreiben und was sie in einer solchen Situation miteinander tun können. Du stellst anhand der bereitgelegten Verkleidungen und Requisiten die einzelnen Rollen vor, bei jeder Verkleidung liegt auch ein Zettel mit einer kurzen Beschreibung der Rolle und Vorschlägen, wie die Person sich verhalten könnte. Den Kids erklärst du auch, dass es sich dabei nur um Vorschläge handelt. Wenn du meinst, dass deine Kids sehr konkrete Anregungen brauchen, kannst du die einzelnen Rollen sehr genau charakterisieren, wenn du ihrer Phantasie mehr Freiraum lassen möchtest, so schreibst du auf die Zettel nur die Rolle und die Vorschläge für konkrete Tätigkeiten der einzelnen Figuren, nicht aber die Charakterisierung. Im Folgenden einige mögliche Rollen und ihre Beschreibungen:

Die einzelnen Rollen


Modeschöpfer/in (überschwänglich, sehr empfindlich und gereizt): befragt alle über ihre Vorstellungen zum Thema Mode, entwirft eine zur Situation passende Kollektion (Modell "Schneesturm", Modell "Platzangst") und fertigt Skizzen davon an.
Reporter/in (sensationsgeil, neugierig): interviewt alle über die momentane Situation und versucht, etwas über die Biographien der anderen zu erfahren.
Musiker/in (cool, gelassen, selbstbewusst):. versucht ständig, alle anzubraten, cool zu wirken und zu flirten
Mitglied der RUBAPÖ - Radikale Ultrabiologisch Alternative Partei Österreichs (missionarisch, eifrig, belehrend, oberschlau): versucht, mit Argumenten alle davon zu überzeugen, seiner/ihrer Partei beizutreten, verteilt Info-Material.
Der/die verletzte Skifahrer/in (schwach, hilfsbedürftig, müde): will die ganze Zeit schlafen, muss aber von den anderen unterhalten und wach gehalten werden.
Heilmasseur/in (hilfsbereit, zuvorkommend, ausgeglichen): möchte allen helfen, ihre Verspannungen zu lösen und massiert alle, die gerne massiert werden möchten und gibt Tipps.
Schauspieler/in (exzentrisch, launische Diva, ungefähr 108 Jahre alt): erzählt abwechselnd aus seinem/ihrem bewegten Leben und bekommt hysterische Anfälle.
Priester/in (zuvorkommend, fromm, engagiert): kümmert sich um das Wohlergehen der anderen, redet ihnen zu, sich die Beichte von ihm/ihr abnehmen zu lassen.

Du solltest jedenfalls mehr Rollen vorbereiten als du Kids erwartest, damit es für jede/n eine Rolle gibt, die er/sie auch gerne spielen möchte, und niemand eine Rolle übernehmen muss, nur weil sonst keine andere mehr übrig ist. Wenn einem Kind keine der angebotenen Rollen zusagt, so kann es sich freilich auch selbst überlegen, was für eine Rolle es spielen möchte.

Schlüpft in eure Rollen


In Folge wählen die Kids die Rollen, die sie spielen möchten und verkleiden sich entsprechend. Außerdem überlegt sich jede/r einen Namen für seine/ihre Rolle. Keinesfalls sollten die Kids im Rollenspiel mit ihren tatsächlichen Namen angesprochen werden: Nur wenn klar ist, dass es nur Rollen sind, die gespielt werden, ist es möglich, unbefangen ein Verhalten auszuprobieren, das ich ansonsten nicht mit meiner Person in Verbindung gebracht wissen will. Dabei gilt auch: Was ein Kind in seiner Rolle tut, das hat die Rolle, nicht aber das Kind getan. (Natürlich achtest du dennoch genauso wie sonst darauf, dass die Kinder auch in ihren Rollen einander z.B. nicht weh tun.)

Das Spiel beginnt


Ihr steigt in dem Moment in euer Rollenspiel ein, in dem der telefonische Kontakt zur Außenwelt abbricht, du bist am Telefon und erklärst gerade noch, dass sich auf eurer Hütte eine verletzte Person befindet und ihr nicht rechtzeitig ins Tal abfahren konntet. Du bittest darum, dass eine Rettungsmannschaft euch abholt - und plötzlich stockst du mitten im Satz - die Leitung ist tot. Du erklärst, dass ihr wohl gemeinsam einige Zeit auf die Rettungsmannschaft warten müsst und schlägst vor, dass sich doch alle einander einmal vorstellen sollen. So nimmt das Spiel seinen Lauf...
Eventuell gibt es Thermoskannen mit heißem Tee für alle, damit ihr euch besser in die Situation hineinversetzen könnt.

Deine Aufgabe als Gruppenleiter/in


Egal welche Rolle du selbst im Spiel übernimmst, solltest du in besonderer Weise versuchen, alle ins Spiel mit einzubeziehen — besonders freilich die, die sich beim Rollenspielen nicht so leicht tun. Es ist daher empfehlenswert, dir eine Rolle auszusuchen, mit der das auch entsprechend möglich ist — als verletzte/r Skifahrer/in hast du wahrscheinlich zu wenig Möglichkeiten, lenkend ins Spielgeschehen einzugreifen und zu deiner Rolle passende Impulse zu setzen, wenn gerade nichts los ist. Durch dein Agieren sollst du zwar dem Spiel Impulse geben und die Phantasie der Kids anzuregen versuchen, dabei musst du aber darauf achten, dass du ihnen dadurch nicht den Raum zum eigenen Tun nimmst. Du solltest dich demnach nicht zu sehr selbst "in Szene setzen", und nur dann Aktivitäten anregen, wenn es nötig ist, d.h. wenn nicht sowieso von den Kindern selbst genug kommt.

Mögliche Impulse:


  • Du schlägst vor dass ihr euch in einer Runde zusammensetzt und alle interessante Geschichten aus ihrem Leben erzählen.
  • Du kannst den einzelnen Figuren konkrete Aktivitäten vorschlagen, die ihren Rollen entsprechen - z. B. den/die Masseur/in fragen, ob er/sie nicht massieren könnte oder den/die Modeschöpfer/in um Mode-Tipps bitten...
  • Du regst dazu an, verschiedene Spiele als Zeitvertreib auszuprobieren, z.B. könntest du ein UNO-Spiel dabei haben.


Gerettet!


Gegen Ende der Spielaktion hört man endlich die sich nähernde Rettungsmannschaft. Ein Mitglied der Such- und Rettungsmannschaft - verkörpert durch eine/n Gruppenleiter/in der Pfarre oder eine andere Person, die Zeit hat, am Ende eurer Gruppenstunde bei euch vorbeizuschauen — hat sich zur Skihütte vorgekämpft und verteilt zur Stärkung Traubenzucker an die Geretteten. (Wenn für euch eine solche Person nicht zur Verfügung steht, wechselst du kurzerhand die Rolle.) Der rettenden Person kann auch noch berichtet werden, was passiert ist, und wie die Zeit verbracht wurde. Schließlich legt ihr alle unbedingt eure Verkleidungen und damit auch eure Rollen ab, damit klar ist, dass ab jetzt wieder jede/r er/sie selbst ist.

Autor/in: Judith Püringer und Günter Bosek

Publikation: fremdsein, Spielaktionen

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Lager-Kategorie: Theater & Co.

Schlagwörter: Ich und die anderen, Konflikte, Rollenspiel