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Wahrheit kann auch unangenehm sein

Messmodelle

Hintergrund

Es wäre für Kinder wohl eine Überforderung, die ernste Mahnung der Lesung einfachhin in einen moralischen Appell zu übertragen. Sie ist ja an einen Amtsträger mit hoher Verantwortung und der Aufgabe, das Evangelium auch unter schwierigen Umständen zu verkünden, gerichtet. Aber auch Kinder brauchen für manches Mut und hilfreiche Anleitung, wie sie das Richtige tun können. So liegt folgender Gedanke nahe: Timotheus sollte es Mut machen, auf das Ende zu blicken und so zu erkennen, was jetzt wichtig und unumgänglich ist. Manchmal braucht es auch Mut, etwas zuzugeben, keine Ausrede zu gebrauchen, das Notwendige zu tun, auch wenn es unangenehm ist. Auch dabei kann es helfen, nicht nur das zu sehen, was im Moment vorteilhaft scheint, sondern auch an später zu denken und auf lange Sicht hin zu handeln. Drücken nicht auch wir Erwachsenen uns oft genug vor unangenehmen Wahrheiten, sagen nichts oder reden anders, als wir sollten, aus vielleicht gutgemeinter, aber falscher Rücksichtnahme. Aber wir wissen auch, dass es manchmal notwendig ist, in einer Freundschaft oder Partnerschaft das ungetrübte Einvernehmen zu riskieren, wenn wir sie für die Zukunft erhalten wollen. Ein wirklich guter Freund traut sich auch Kritik zu üben. Freilich gehört dazu auch Geduld und langer Atem, bis der andere vielleicht erkennt, dass ich ihm einen guten Dienst erweisen wollte mit meiner zunächst vielleicht ungelegenen Kritik. Dazu gehört wohl auch eine Portion Fingerspitzengefühl. Behutsamkeit ist auch eine Art von Liebe. Man soll die Wahrheit - so hat es Max Frisch gesagt - jemandem hinhalten wie einen Mantel zum Hineinschlüpfen und nicht wie - auf wienerisch ausgedrückt - einen nassen Fetzen ins Gesicht schlagen.

Aufbau

Die dazu gestalteten Elemente sind:

  • Zur Lesung
  • Geschichte

 

Bibelstellen

2. Lesung: 2 Tim 3, 14 - 4,2

Mein Sohn! Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst.
Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.
Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher Belehrung.

Evangelium: Lk 18, 1-8

In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind!
Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.
Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

Hintergrund 2. Lesung:

Pastoralbrief


Die sogenannten Pastoralbriefe (1 Tim; 2 Tim; Tit) sind wahrscheinlich von Schülern des hl. Paulus in seinem Namen geschrieben worden (das legt ein Sprachvergleich mit den Paulusbriefen nahe). Sie dienen vor allem dazu, den Gemeinden Verhaltensregeln für die Gestaltung ihres Lebens mitzugeben.

Für die Hirten


Der 2. Timotheus Brief erscheint uns wie ein Testament des Paulus in der Form einer Anweisung zum rechten Verhalten von Amtsträgern in der Kirche.

Ermunterung


Im heutigen Abschnitt wird Timotheus ermahnt, an der Lehre festzuhalten. Die Heilige Schrift - gemeint ist hier wohl nur das Alte Testament - hilft bei der Verkündigung und führt zum Glauben an Jesus, für dessen Evangelium Timotheus unermüdlich eintreten soll.

Sein(e) "Lehrer"


Vers 14: von wem du es gelernt hast; das spielt entweder auf die Vorfahren des Timotheus an (seine Mutter Eunike und seine Großmutter Lois, vgl. 2 Tim 1,5) oder es ist vorbildhaft verstanden (Paulus ist Apostel und Lehrer des Timotheus, vgl. 1 Tim 2,7; 2 Tim 1,1lf u. 2,2).

Gottes Wirken


Vers 16: Jede von Gott eingegebene Schrift; eine klassische Aussage über die Inspiration der Heiligen Schrift, d.h. Gott wirkt durch seinen Heiligen Geist im menschlichen Schreiber, sodass dessen Wort zugleich Gottes Wort enthält. Die Heilige Schrift ist die Quelle der christlichen Glaubensbildung.

Gute Werke


Vers 17: Der Ausdruck Mensch Gottes meint den Menschen, in dem Gottes Geist wirkt. Die Pastoralbriefe betonen besonders die guten Werke des Christen: zu jedem guten Werk bereit.

Ernste Mahnung


Kapitel 4, Vers 1: In überaus feierlicher Weise (Beschwörung, vgl. 1 Tim 5,21) wird Timotheus seine Verantwortung vor Augen gestellt. Paulus stellt sich mit Timotheus vor die höchste, über jedes menschliche Handeln entscheidende Instanz, das Endgericht Gottes. Der unbestechliche Richter Jesus Christus wird Lebende und tote beurteilen, d.h. die Menschen, die zur Zeit der Wiederkunft Christi noch am Leben sind ebenso wie jene, die bereits gestorben sind und zu neuem Leben erweckt werden.
"Richter der Lebenden und Toten" ist auch eine Glaubensformel (siehe Credo, vgl. Apg 10,42; 1 Petr 4,5).

Lehren ohne falsche Rücksicht


Im Blick auf das letzte Ziel und das dann fallende Urteil über sein Wirken soll Timotheus ermutigt werden, das Wort Gottes unerschrocken zu verkünden, ohne sich durch falsche Rücksichtnahme einschränken zu lassen. Paulus selbst sagt von sich: Ein Zwang liegt auf mir und weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde (1 Kor 9,16)

Aber mit Geduld


Die Einheitsübersetzung unterschlägt leider im letzten Satz der Lesung ein wichtiges Wort: in unermüdlicher Belehrung heißt im Urtext: in aller Geduld und Belehrung.
Timotheus soll den Auftrag des Verkündens ernstnehmen, aber sein Ziel mit langem Atem verfolgen und auf gütige Art zu erreichen versuchen, nicht durch Ungeduld und schroffes Verhalten. Gehört dazu nicht jene Liebe, von der Paulus sagt, dass sie langmütig ist, sich nicht reizen lässt, nicht eifersüchtig ist, nicht verbittert wird, Böses nicht nachträgt, alles glaubt, alles hofft, alles erduldet (1 Kor 13,4-7)?

Elemente für einen Gottesdienst mit Kindern

Zur Lesung


In der Lesung hören wir heute von einer Mahnung des Paulus an seinen Schüler Timotheus. Es ist seine Aufgabe, den Menschen den richtigen Weg zu zeigen.
Es empfiehlt sich die Gute-Nachricht-Übersetzung zu verwenden:
3
14 Du dagegen sollst dich weiterhin an die Wahrheit halten, die man dich gelehrt hat und auf die du dich verlässt. Du weißt, wer deine Lehrer waren,
15 und du kennst seit deiner Kindheit die Heiligen Schriften. Sie können dir den Weg zur Rettung zeigen, der im Vertrauen auf Jesus Christus besteht.
16 Alles, was in den heiligen Schriften steht, ist von Gottes Geist eingegeben und hilft, Fehler zu berichtigen und zu einem Leben anzuleiten, das Gott gefällt.
17 So dient es dazu, dass ein Mensch, der Gott gehört, zu allen guten Taten fähig wird.
4
1 Ich ermahne dich nachdrücklich vor Gott und vor Jesus Christus, der alle Menschen richten wird, die Lebenden und die Toten. Er wird gewiss erscheinen und seine Herrschaft aufrichten. Darum befehle ich dir:
2 Sage den Menschen Gottes Botschaft, gleichgültig, ob es ihnen passt oder nicht. Weise sie zurecht, gleichgültig, ob es ihnen passt oder nicht. Weise sie zurecht, beschwöre und ermahne sie. Werde nicht müde, ihnen den Weg zu zeigen.

Geschichte


An Hand einer Geschichte, die vorgelesen oder noch besser von Kindern vorgespielt werden könnte, soll die Mut machende Mahnung des Timotheus Briefes in der Erlebniswelt der Kinder anschaulich gemacht werden:

Max und Peter sind jetzt die engsten Freunde in der 4. Klasse. Das war nicht immer so. Peter war im vorigen Schuljahr in die Klasse gekommen und nicht sehr beliebt. Auch Max mochte ihn nicht leiden. Wenn er rülpste, erheiterte er zwar die ganze Klasse, aber sonst machten alle einen Bogen um ihn. Sein Benehmen und seine Kleider waren nicht gerade vom Feinsten. Die Lehrerin schickte ihn manchmal vor Beginn des Unterrichtes auf die Toilette, er solle sich Hände und Gesicht waschen.
"Schwarzer Peter" riefen dann alle.
Aber heuer ist alles anders geworden und das kam so:
Da war zunächst die Sache mit dem Taschenmesser. Max und Peter waren beim Jungscharlager gewesen und sie teilten ihr Zelt mit Franz. Eines Tages beschwerte sich Franz beim Lagerparlament: "Der Peter hat mir mein Taschenmesser geklaut!"
"Das ist nicht wahr", wehrte sich Peter, "meines ist weg, und du willst mir dafür deines andrehen, weil es kaputt ist."
"Das ist nicht meines, bei meinem habe ich ein F eingeritzt, weil wir uns doch das gleiche gekauft haben, wie wir am ersten Tag im Dorf waren. Zeig doch einmal deines her!"
"Das finde ich nicht mehr. Aber gestern habe ich es noch gehabt!" "Du bist ein Dieb", riefen alle. "Oje", dachte sich Max, der bisher geschwiegen hatte, "jetzt muss ich wohl zugeben, dass ich das Messer vom Peter kaputt gemacht habe, als ich es mir gestern kurz ausgeborgt habe."
"Es ist schon deines", sagte Max endlich, "ich habe es mir nämlich ausgeborgt, um etwas zu bohren. Dabei ist es kaputt geworden und ich habe es einfach zurückgelegt, ohne es dir zu sagen." "Und du hast dir dann meines genommen, und mir dein kaputtes gegeben, wie ich meines gesucht habe", beschuldigte Franz weiterhin den Peter.
"Ich habe es nicht gestohlen", beteuerte Peter, aber niemand glaubte ihm.
"Schwarzer Peter, Lügenpeter" riefen sogar einige. "Wir schauen nach dem Parlament in eurem Zelt nach, ob wir das zweite Messer finden!" sagte nun der Lagerleiter, um die Streitenden zu beruhigen. Und Maxi half Franz beim Suchen. Und wirklich: Franz fand sein Messer wieder. Es war in seiner Hose, die er gestern abends beim Lagerfeuer angehabt hatte.
Am nächsten Tag stellte Max beim Lagerparlament alles wieder richtig und die ganze Gruppe schwieg betreten. Sie schämten sich, dass sie Peter so rasch verdächtigt hatten. Peter aber war Max dankbar, dass er ihm geholfen hatte. Er vergaß darüber fast, dass sein Messer kaputt war.
Schließlich hatte ihm Max auch versprochen, sich das kaputte Taschenmesser zu behalten und das nächste Mal im Dorf ein neues für ihn zu kaufen. So begann die Freundschaft zwischen Max und Peter.
Im Herbst war dann die Sache mit dem Fernsehen gewesen. Bei Max zu Hause gab es kein Fernsehen, weil seine Eltern fanden, der Fernseher sei - wie sie es ausdrückten - ein großer "Zeiträuber". Aber Max hatte das in seiner Klasse nie zugegeben. Er fürchtete, dann nicht so richtig dazuzugehören und mithalten zu können. Wenn in der Klasse darüber geredet wurde, was die anderen alle gestern gesehen hatten, hörte er gut zu. Manchmal erfand er noch tollere Geschichten und erzählte, was er nicht alles gesehen hatte.
Aber jetzt wollte die Frau Lehrerin, dass morgen alle einen Aufsatz schreiben und nacherzählen, was sie heute Nachmittag anschauen. Was sollte er tun? Er dachte an seinen Freund Peter. Sollte er ihm nur sagen: "Du, bei uns zu Hause ist der Fernseher kaputt, kann ich zu dir kommen?" Er war noch nie bei Peter zu Hause gewesen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass Peter nicht gerne jemand bei sich zu Hause haben wollte und er hatte sich nie fragen getraut, ob er zu ihm kommen dürfe. Nun aber wollte er ihn fragen. Da musste er schon die ganze Wahrheit sagen. Und er sagte ihm auch, warum er bisher immer geschwindelt hatte. "Weißt du, ich habe bisher immer Angst gehabt, bei den anderen unten durch zu sein, wenn ich nicht mitreden kann!"
So kam es, dass er nicht nur an diesem Nachmittag, sondern nun öfter bei Peter fernsehen konnte. Und er lernte Peters Zuhause kennen. Max konnte nun auch besser verstehen, warum Peter oft ungepflegt war. Seine Eltern waren geschieden und er lebte bei seinem Vater. Tagsüber war er ganz allein und auf sich selbst angewiesen. Sein Vater war beruflich viel weg und konnte nicht so gut auf ihn schauen. Er verdiente nicht viel und sie konnten sich nicht viel leisten.
Max lud jetzt auch Peter öfter zu sich ein. Das sah freilich Maxis Mutter nicht so gern, weil er eben so schlampig aussah und sich auch nicht gerade gesittet benahm. Er zog die Schuhe nicht aus, wie das bei Max zu Hause eben üblich war, er rülpste ungeniert und verbreitete manchmal keinen angenehmen Geruch. Max dachte sich: "Wenn ich wirklich sein Freund bin, dann muss ich mich doch auch trauen, ihm das zu sagen, was viele stört, auf was ihn aber niemand aufmerksam macht." So nahm er einmal allen Mut zusammen und sagte: "Peter, weißt du, viele gehen dir aus dem Weg, weil du nicht gut riechst und so ungepflegt daher kommst. Soll ich dir helfen und dich öfter aufmerksam machen, wenn es mich stört?"
Zuerst war Peter böse auf Max: "Wenn es dich stört, wie ich bin, und du mich nicht riechen kannst, musst du nicht länger mein Freund sein!".
Aber nach einigen Tagen kam Peter zu Max und sagte: "Du hast eigentlich recht, dass du mir sagst, was die anderen stört. Du bist wirklich mein Freund. Du sagst es mir, aber du spottest mich nicht aus, wie die anderen. Machen wir uns ein Geheimzeichen aus. Wenn du mit der Zunge schnalzt oder mit dem Finger schnippst, weiß ich, dass dich etwas stört. Und ich werde selber aufpassen, was es ist."
"Ja gerne", sagt Max voll Freude, "und wenn dir bei mir etwas auffällt, mach mich bitte genauso aufmerksam."
So waren Max und Peter unzertrennliche Freunde geworden.

Publikation: Effata

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Lesejahr: C

Sonntag im Jahreskreis : 29. Sonntag im Jahreskreis

Schlagwort: Gottesdienst

 

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