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Wut und Zorn

Messmodelle

Hintergrund

In diesem Gottesdienst wollen wir uns mit der Frage unserer Wut, unseres Zorns beschäftigen und uns überlegen, inwieweit Wut und Zorn im Leben eines Christen gerechtfertigt sind oder nicht. Letztlich geht es um die Frage, wie wir als Christen Jesus konsequent nachfolgen können.

Material

  • Rote und grüne Zettel oder Klebepunkte

Aufbau

Die dazu gestalteten Elemente sind:

  • Kyrie
  • Leseszene zur Lesung
  • Lesung
  • Verkündigungen
  • Fürbitten

 

Bibelstellen

1. Lesung: Apg 7,55-60

In jenen Tagen blickte Stephanus, erfüllt vom Heiligen Geist, zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen die Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

Evangelium: Joh 17,20-26

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Hintergrund 1. Lesung:

Der Diakon Stephanus


Stephanus, ein Christ aus Jerusalem, von hellenistischer Herkunft, wurde von den Aposteln zum "Dienst an den Tischen" (Sorge um die Vorräte für die Mahlzeiten) und wahrscheinlich auch zur Verwaltung des Gemeindeeigentums gewählt. So war Stephanus einer der sieben Männer, die für karitative Aufgaben der Gemeinde da waren. Er war ein tüchtiger Glaubensstreiter und hatte eine radikale Einstellung zu den jüdischen Überlieferungen und Einrichtungen. Aus dem Kreis der sieben Diakone war er aber die herausragende Gestalt. Vor allem durch seine Schriftkenntnisse sind seine Gegner bei Streitgesprächen oft in Wut geraten. Er provozierte den Widerspruch der hellenistischen Juden, die sich nach ihrer Herkunft zu Gemeinden mit eigenen Synagogen zusammengeschlossen hatten. Von ihnen wird er beschuldigt, er hätte "gegen Mose und Gott gelästert", und so wird er vor den Hohen Rat geschleppt. Dort hält er seine berühmte Rede.

Die Rede des Stephanus


Diese Rede, die Lukas dem Angeklagten in den Mund legt, ist keine Verteidigungsrede, sondern eher eine Predigt über die Geschichte Gottes mit seinem Volk. An drei Beispielen (Abraham, Josef, Mose) wird dargelegt, wie Gott seine Volk rettet. Lukas benutzt die Rede dazu, um die Konfrontation christlicher und jüdischer Überzeugungen zur Sprache zu bringen. Diese Polemik richtet sich gegen den Tempel und schließt Kritik am Tempelkult und den Kultgesetzen mit ein. Die Polemik enthält zudem jene Vorwürfe gegen das Judentum, die zur Zeit der Niederschrift der Apostelgeschichte von den Christen erhoben wurden. Es wird ihnen vorgeworfen, den Willen Gottes nicht erfüllt zu haben, vor allem haben sie die Propheten und Jesus getötet. Die Worte des Stephanus wurden offensichtlich als Blasphemie verstanden.

Die Steinigung


An diesem Punkt der Darstellung beginnt die heutige Lesung. Stephanus wendet sich bewusst an Jesus, der ihm als Richter erscheint. Da aber Stephanus einer ist, der sich zu Jesus bekennt, wird über ihn das Gericht nicht ergehen. Die Menge aber treibt ihn zur Stadt hinaus und steinigt ihn. Nach dem Alten Testament wurde Steinigung als Todesstrafe für Lästerung geübt, sie wurde aber auch als typisches Schicksal der Propheten verstanden.
Stephanus stirbt hier als Prophet und Zeuge für Jesus. Er ist voll des Heiligen Geistes, bezeugt Jesus als den auferstandenen Herrn und bittet ihn noch in seinem Tod für seine Mörder um Verzeihung. Sein durchrittener Märtyrertod löste eine Christenverfolgung in Jerusalem aus, und viele Judenchristen mussten in die umliegenden Gebiete fliehen.

Parallele zu Jesus


Lukas hat konsequent versucht, zwischen dem Tod des Stephanus und der Kreuzigung Jesu einige Parallelen zu sehen: beide werden durch falsche Zeugen angeklagt, beide sprechen vom "Menschensohn", bei beiden erhebt die Menge ein "lautes Geschrei", beide "sinken in die Knie", beide beten ein Sterbegebet, beide rufen "mit lauter Stimme" und bitten um Vergebung für ihre Henker. Offenbar will Lukas uns dadurch zeigen, daß Stephanus bis zu seiner Todesstunde konsequent Jesus nachfolgt. Auch wir Christen heute sind berufen zu einer konsequenten Nachfolge Jesu im ganzen Leben.

Elemente für einen Gottesdienst mit

Kyrie


Jesus, unser Bruder, du sagst uns im heutigen Evangelium, daß die Liebe in uns sein soll. Wir sind oft zornig, wenn uns irgendjemand in die Quere kommt und uns hindert, unseren Kopf durchzusetzen.
Jesus, unser Bruder, wir möchten dir nachfolgen. Wir sind aber oft zornig, wenn es uns nicht gelingt, so zu leben, wie wir es eigentlich möchten.
Jesus, unser Bruder, du sagst uns, daß wir sogar unsere Feinde lieben sollen. Wir sind oft zornig wenn wir auf immer mehr Ungerechtigkeit in unsrer Welt draufkommen.

Leseszene zur Lesung


Diese kurze Szene soll verdeutlichen, wie es zur Steinigung des Stephanus gekommen sein könnte. (Mit einigen redaktionellen Änderungen entnommen aus: Kinder feiern mit, Bernward - Verlag, 1982)

Josua: He, Achan, wohin willst du so eilig?
Achan: Zur Synagoge. Hast du nicht gehört, dass heute wieder ein Streitgespräch mit Stephanus stattfinden soll?
Josua: Stephanus? Ist das nicht einer von denen, die an diesen Jesus glauben?
Achan: Ganz recht! Neuerdings hat man ihm in seiner Gemeinde sogar ein ganz besonderes Amt übertragen; er muss dafür sorgen, dass Nahrungsmittel und Geld gerecht an die Armen verteilt werden.
Josua: So, so! Und um was geht der Streit mit diesen Leuten?
A: Komm mit, dann wirst du es selbst hören!
J: Ob sich das lohnt?
A: Oh ja! Du wirst staunen, wie klug der Mann redet. Bisher hat es niemand vermocht, gegen ihn anzukommen. Seine Worte sind voller Geist und Kraft.
J: Na, du scheinst ja direkt begeistert von diesem Stephanus zu sein.
A: Sag das nicht so laut, sonst komme ich in Schwierigkeiten.
J: Warum?
A: Ich habe gehört, sie wollen ihm den Prozess machen. Einige von unsren Männern haben sie schon heimlich dazu angestiftet, falsch gegen ihn auszusagen.
J: Nun machst du mich aber wirklich neugierig. Was wollen sie denn gegen ihn vorbringen?
A: Dass er gegen das Gesetz des Moses redet und gegen den Tempel und dass er den Allerhöchsten - sein Name sei gepriesen - lästert. So, da sind wir schon. Du kannst ihn gleich hören.

Stephanus: Brüder, ihr habt das Gesetz von Mose empfangen, aber ihr befolgt es nur wörtlich und buchstäblich, ohne den Sinn begriffen und verstanden zu haben, was damit eigentlich gemeint ist.
Einer: Jeder Buchstabe des Gesetzes ist wichtig. Nur wer alle Vorschriften genau kennt und erfüllt, handelt recht.
Stephanus: Vorschriften und Gebote sind nicht um ihrer selbst willen da. Sie haben nur Sinn, wenn sie helfen, daß Menschen gut miteinander leben können, wenn sie helfen, Gott und den Nächsten zu lieben. Ihr aber verschließt euer Herz vor dem Willen Gottes, und darum haltet ihr nicht das Gesetz, obwohl ihr die Vorschriften befolgt.
Einige: Das ist ja unerhört!
Andere: Das können wir uns nicht bieten lassen.
Einer: Wie kann er es wagen, und das zu sagen?
Sprecher: Da wurden sie zornig und brachten ihn vor Gericht:

Lesung Apg 7,54-60


(Übersetzung: Die gute Nachricht, Deutsche Bibelgesellschaft 1982):

Bei diesen Worten gerieten die Mitglieder des jüdischen Rates über Stephanus in solche Wut, dass sie mit den Zähnen knirschten. Stephanus aber blickte zum Himmel empor, vom Geist Gottes erfüllt. Dort sah er Gott in seiner Herrlichkeit und Jesus an seiner Seite und rief: "Ich sehe den Himmel offen, und an der rechten Seite Gottes steht der Menschensohn!" Als sie das hörten, schrien sie laut und hielten sich die Ohren zu. Alle miteinander stürzten sich auf in und schleppten ihn vor die Stadt, um ihn zu steinigen. Die Zeugen, die als erste einen Stein auf ihn zu werfen hatten, legten ihre Oberkleider vor einem jungen Mann namens Sauls ab, damit er sie bewachte. Während sie ihn steinigten, betete Stephanus: "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" Dann kniete er nieder und rief laut: "Herr, strafe sie nicht für diese Schuld!" Mit diesen Worten starb er.

Verkündigung


Die heutige Predigt möchte ich mit einer Frage beginnen:
Wann ist der Zorn eines Menschen etwas Gutes, wann etwas Schlechtes?
Ich habe hier einige Situationen auf ein Plakat geschrieben, und wir werden nun gemeinsam überlegen, ob in diesen Zorn gut oder schlecht ist.
Beispiele: jemand wird dauernd unterdrückt, jemand muss immer alles hinter den anderen herräumen, jemanden wird nie geglaubt, über jemanden machen sich andere lustig....

Die Kinder haben nun die Möglichkeit, weitere Zorn - Situationen zu nennen bzw. mittels roter und grüner Zettel, Klebepunkte festzuhalten, ob sie in den jeweiligen Zorn gut oder schlecht finden. (Rot: Zorn ist schlecht, Grün: Zorn ist gut, wichtig). Danach geht die / der Gottesdienstleiter/in die Situationen durch und versucht mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und hat die Möglichkeit, ihre/seine Meinung kundzutun.
Es kommt darauf an. Das eine Mal kann Zorn berechtigt sein, das andere Mal nicht. Wenn jemand andauernd Ungerechtigkeit erlebt, unterdrückt wird, ausgebeutet wird, dann ist seine Wut verständlich und wahrscheinlich gerechtfertigt. Diese Wut kann für den Menschen die Antriebskraft sein, etwas in seinem Leben zu verändern. Der Zorn kann ihm helfen, sich zu wehren.
Wenn wir uns in unserer Welt umschauen und die großen Ungerechtigkeiten wie z.B. Krieg, Ausbeutung der sogenannten "Dritten Welt", Umweltzerstörung usw. sehen, dann ist es verständlich, wenn wir zornig werden. Man könnte diese Art des Zorns einen "gerechten" Zorn nennen.
Ganz anders ist es aber in der heutigen Lesung. Wir haben vom Zorn der Menge gegen die Worte des Diakons Stephanus gehört. Die Leute spüren, dass eigentlich recht hat. Aber das können sie nicht zugeben. Er war unbequem. Sie wollten nicht mehr zuhören, was er ihnen zu sagen hatte, und brachten ihn deswegen um. Hier ist der Zorn der Menge sicher nicht gerechtfertigt und stark übertrieben. Die Juden konnten mit ihrem Zorn nicht umgehen und deswegen steinigten sie Stephanus. So müssen wir uns überlegen und nach unserem Gewissen entscheiden, wie weit unser Zorn gehen kann und darf, wie weit er gerecht oder ungerecht ist.
Stephanus ist genau wie Jesus dem Zorn der Menge zum Opfer gefallen. Lukas, der Schreiber der Apostelgeschichte, möchte uns zeigen, dass Stephanus konsequent für seine Überzeugung, seinen Glauben an Jesus, eingestanden ist und dafür sterben musste. Das soll nicht unbedingt heißen, dass wir alle jetzt so sterben müssen, wenn wir Jesus nachfolgen, sondern dass es nicht immer leicht ist, wenn wir zu unserem Glauben stehen und dass nicht alle Menschen davon begeistert sein werden, wir aber dennoch uns nicht unterkriegen lassen sollen, nur weil wir vielleicht Ärger mit anderen bekommen könnten.

Fürbitten


Gib uns Christinnen und Christen die Kraft, Jesus als unseren Begleiter zu haben und das auch nicht zu verheimlichen.

Lass uns klar erkennen, wenn unser Herz voll gefährlichem Zorn ist.

Schenke uns fruchtbaren und hilfreichen Zorn, wenn es darum geht, gegen Ungerechtigkeit in der Welt einzutreten.

Stärke in uns die Einsicht, dass wir als Christinnen und Christen kein oberflächliches und bequemes Leben führen können.

Hilf uns, wenn wir nicht wissen, wie wir mit unserem Zorn umgehen sollen.

Publikation: Effata

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Jahreskreis: Ostern

Lesejahr: C

Sonntag im Jahreskreis : 7. Sonntag der Osterzeit

Schlagwörter: Gottesdienst, Ostern

 

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