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Der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Der Roman "Der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach" von Christine Nöstlinger handelt von einem etwa zehnjährigen Mädchen namens Lotte, das in bescheidenen Verhältnissen aufwächst. Lottes Zimmer ist zugleich das Wohnzimmer der Familie, weshalb sie zunächst keinen Rückzugsort oder Zeit für sich hat. Daher mietet sie ein unbenutztes Klo am Gang und schafft sich auf diese Weise einen gemütlichen Raum, in dem sie selbstbestimmt handeln kann, sich sicher fühlt und ihre Ruhe hat. Dort trifft sie allerdings oft keine guten oder netten Entscheidungen.

In dieser Gruppenstunde können sich die Kinder mit den Themen Autonomie, Selbstbestimmung und Entscheidungskraft auseinandersetzen und dabei herausfinden, was sie gerne selbst bestimmen mögen und können und in welchen Bereichen es gut und wichtig ist, dass ihre Eltern oder andere Personen ihnen bei Entscheidungen helfen oder Entscheidungen für sie treffen.

Material

  • Papier und Stifte
  • vorgeschriebene Kärtchen
  • Klebeband

Aufbau

Zu Beginn erleben die Kinder anhand zweier Spiele, wie es sich anfühlt, nicht selbst zu entscheiden sondern zu tun, was eine andere Person bestimmt. Anschließend überlegen sie sich am Beispiel verschiedener Fragen, welche Entscheidungen sie gerne selbst treffen oder lieber an andere abgeben würden — es entsteht eine "Entscheidungsskala". Zuletzt verfassen sie einen Brief an eine ältere oder erwachsene Person, in dem sie formulieren, was sie gerne selbst entscheiden möchten und in dem sie auch dafür danken, dass ihnen bestimmte Entscheidungen abgenommen werden. Ein letztes Spiel rundet die Gruppenstunde ab und gibt jedem Kind einmal kurz eine Entscheidungsvollmacht.

 

Spiel: Kaiserin, wie viele Schritte darf ich gehen?


Alle Kinder stellen sich in einer Linie auf. Der/die Gruppenleiter/in steht als Kaiserin ein paar Meter entfernt mit dem Rücken zu ihnen. Das erste Kind in der Reihe fragt: "Kaiserin, wie viele Schritte darf ich gehen?". Die Kaiserin antwortet eine beliebige Zahl und bestimmt eine Schrittart wie z. B. Elefantenschritte (besonders groß), Ameisenschritte (besonders klein), Ballettschritte (mit Drehung), Entenschritte (watschelnd), Langlaufschritte (im Langlaufstil) etc. Das Kind geht die entsprechende Anzahl an Schritten geradeaus und bleibt an dieser Stelle stehen. Nacheinander fragen auch die anderen Kinder der Reihe und gehen ebenfalls die genannte Schrittanzahl in der genannten Schrittart auf die Kaiserin zu. Wenn alle Kinder dran waren, startet wieder das erste Kind der Reihe, dann das zweite usw. Die Kaiserin dreht sich immer wieder einmal um, während sich die Kinder fortbewegen, woraufhin die Kinder sofort erstarren. Ertappt sie ein Kind jedoch während einer Bewegung, geht es zurück zur Startlinie und beginnt dort wieder von neuem. Das Spiel endet spätestens, wenn alle bei der Kaiserin angekommen sind. Alternativ kann auch das erste Kind, das die Kaiserin erreicht, zur neuen Kaiserin werden.

Spiel: Die Wiener Tierharmoniker


Die Kinder stellen sich zusammen. Jedes Kind sucht sich ein Tier und das entsprechende Tiergeräusch dazu aus. Der/die Gruppenleiter/in spielt den Dirigenten und deutet in unterschiedlicher Reihenfolge auf verschiedene Kinder. Das Kind, auf das gezeigt wird, macht sein Tiergeräusch so lange, bis der Dirigent etwas Anderes anzeigt. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein Konzert aus Tiergeräuschen, zu dem die verschiedenen Tiere lauter und leiser, gleichzeitig oder alleine, schneller oder langsamer ihren Teil beitragen.

Die Entscheidungsskala


Nun gilt es, gemeinsam eine Entscheidungsskala zu erarbeiten. Hierfür werden zwei Schilder in einiger Entfernung voneinander an der Wand aufgehängt. Eines trägt die Aufschrift "das will ich alleine entscheiden", auf dem anderen steht "das soll jemand anders für mich entscheiden". Dazwischen gibt es zahlreiche Abstufungen, die allerdings nicht eigens beschriftet werden. Der/die Gruppenleiter/in geht vorgefertigte Kärtchen mit den Kindern durch. Die Kinder einigen sich — moderiert von dem/r Gruppenleiter/in — gemeinsam darauf, wohin auf der Wand-Skala jedes einzelne Kärtchen geklebt wird.
Auf den vorgefertigten Kärtchen stehen solche oder ähnliche Fragen:

  • Was ziehe ich heute an?
  • In welcher Unterkunft verbringt meine Familie den nächsten Urlaub?
  • Welche Arbeitsschritte müssen wir machen, um den Dunstabzug zu reparieren?
  • Um wieviel Uhr stehe ich morgen auf?
  • Wann wird das Geld für den Schulausflug bezahlt?
  • Was spiele ich mit meiner besten Freundin?
  • Wie gut war mein letzter Deutsch-Aufsatz?
  • Was esse ich gerne?
  • Wie oft muss ich zum Zahnarzt gehen?
  • Von welchem Anbieter beziehen wir den Strom für zuhause?
  • Wann mache ich meine Hausaufgaben?
  • Wie trage ich meine Haare?
  • Mein Arm tut weh. Soll ich zur Ärztin gehen?
  • Welche neue Lampe kaufen wir fürs Wohnzimmer?
  • Wann besuche ich meine Oma?
  • Wie löse ich den letzen Streit mit jemandem?
  • Welche Musik höre ich?
  • Welche Lebensmittel kaufen wir für die nächste Woche ein?
  • Welchen Beruf werde ich einmal ergreifen?
  • Welches Bild hänge ich in meinem Zimmer auf?
  • ...


Es können anschließend auch gemeinsam mit den Kindern noch weitere Kärtchen geschrieben und in der Skala platziert werden.

Ziel dieser Aufgabe ist es, die Kinder einerseits erkennen zu lassen, wie wichtig und schön es sein kann, bestimmte Entscheidungen selbst treffen zu dürfen, v. a. wenn es um persönliche Bedürfnisse, Wohlbefinden oder persönlichen Geschmack geht. Andererseits sollte ihnen dabei auch auffallen, dass es Entscheidungen gibt, die sie selbst (noch) gar nicht gut treffen können oder wollen und bei denen sie Entscheidungshilfe von anderen brauchen oder die Entscheidung lieber ganz abgeben sollten.

Brief an eine/n Entscheidungsträger/in


Zum Abschluss der Gruppenstunde kann jede/r für sich einen Brief an eine beliebige ältere Person (Geschwister, Eltern, Lehrer/innen, Onkel, Oma etc.) schreiben. Darin kann man als Bitte ausformulieren, was man aus welchen Gründen gerne selbst entscheiden möchte, und auch aufzählen, welche Entscheidungen man nicht selbst treffen mag bzw. dafür danken, dass man diese auch abgeben darf. Die Kinder können die Briefe wenn sie wollen herzeigen und im Gruppenraum aufhängen, mitnehmen und selbst behalten oder dem/r Adressat/in mitbringen.

Spiel: Die Vorzeigeschlange


Alle stellen sich hintereinander auf und bilden so eine lange, bunte Schlange. Die Schlange bewegt sich durch den Raum, wobei die erste Person — der Schlangenkopf — immer die Bewegungsart für die ganze Schlange vorgeben darf, z. B. auf dem linken Bein hüpfen, in die Knie gehen, sich im Kreis drehen etc. Hat die Schlange ein paar Meter auf diese Art zurückgelegt, geht der Schlangenkopf ganz ans Ende der Schlange und die nächste Person wird zum Schlangenkopf und darf sich eine Bewegungsart ausdenken.

Autor/in: Katharina Zagajsek und Sandra Fiedler

Publikation: kumquat "Die Nöstlinger" 5/2018

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Schlagwort: Ich