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Rosa, hilf!

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Im Roman "Rosa Riedl Schutzgespenst" taucht die ehemalige Hausmeisterin des Nachbarhauses als Nastis Schutzgespenst auf. Sie unterstützt das Mädchen dabei, über viele ihrer Ängste hinwegzukommen und ermutigt sie, sich für andere einzusetzen. In dieser Gruppenstunde soll das Schutzgespenst Rosa die Kinder dabei unterstützen, sich mit dem Angst-Haben und mit Strategien gegen die Angst zu beschäftigen.

Material

  • Stifte
  • A3-Papier oder Karton
  • Kollagen-Material (Dinge, die man aufs Papier kleben kann — je mehr verschiedenes desto besser!)
  • Scheren
  • Kleber
  • flache Steine, Pinsel und Acrylfarben oder ein Halstuch

Aufbau

Zum Einstieg spielt ihr ein Schutzengel-Trainings-Spiel, bevor du ein paar Absätze aus "Rosa Riedl Schutzgespenst" vorliest. Danach dürfen sich die Kinder überlegen, was sie sich von einem Schutzgespenst wünschen würden, wie ein Schutzgespenst heute ausschauen und was es können sollte.

 

Rosa, hilf!


Zum Einstieg erzählst du den Kindern, dass ihr in dieser Stunde Besuch von Rosa habt. Rosa ist ein ganz besonderes Gespenst — ein Schutzgespenst nämlich. Rosa ist aber schon ein ziemlich altes Gespenst, ihr letzter Einsatz bei Nasti ist schon 40 Jahre her.

Deshalb spielt ihr zum Start ein Schutzgespenst-Trainings-Spiel:
Ein Kind spielt die Angst und versucht, die anderen Kinder zu fangen. Wenn jemand vom Fänger-Kind berührt wird, muss es stehen bleiben, weil es sich so fürchtet. Die Kinder können sich vor der Angst schützen, indem sie sich zu zweit zusammentun und "Rosa, hilf!" rufen, damit Rosa das Schutzgespenst ihnen beisteht — so kann sie die Angst nicht fangen. Wie gesagt ist Rosa etwas aus der Übung, deshalb müssen die Kinder ihr ein bisschen unter die Arme greifen: sie können die vor Angst erstarrten Kinder durch leichtes Klopfen auf beide Schultern wieder erlösen.

Was Rosa so tut ...


Jetzt ist Rosa schon ein bisschen aufgewacht aus ihrer langen Pause. Damit sich die Kinder aber so richtig vorstellen können, wer Rosa eigentlich ist, liest du ihnen vor, wie das war, als Rosa das letzte Mal bei einem Kind aufgetaucht ist. Das war nämlich vor ziemlich genau 40 Jahren bei Nasti.

Nasti hieß eigentlich Anastasia, war 11 Jahre alt und hatte eine Freundin namens Tina. Tina wohnte in ihrem Nachbarhaus und die beiden haben sich oft im Hof zwischen den beiden Häusern getroffen, aber Nasti hat ein Problem: Auch der Hund von einem der Nachbarn kommt gern in den Hof.

"Wenn der Hund vom Herrn Franz auf die Laube zuwedelte, sagte Nasti: ,Ich muss jetzt heimgehen!´ und schlüpfte aus der Laube und durch das Zaunloch und lief in ihr Haus. Nasti hatte vor dem Hund Angst. Das konnte sie aber nicht zugeben, weil der Hund so winzig klein war. Tina hätte ja nicht einmal begriffen, dass jemand vor großen Hunden Angst hat. Tina liebt alle Hunde! Tina streichelt wildfremde Bernhardiner auf der Straße und öffnet seelenruhig Schrebergartentüren, hinter denen Rottweiler oder Boxer knurren. Tina hat vor überhaupt nichts Angst!

Nasti hatte leider immer Angst. Nicht nur vor kleinen und großen Hunden. Auch Angst vor Kellern, Angst vorm Allein-Sein, Angst vor Dachböden und Angst vor unbekannten Geräuschen. Nasti bekam Angst, wenn sie am Abend im dunklen Zimmer lag und auf der Straße ein Auto fuhr, weil dann ein Lichtstreifen über die Zimmerdecke wanderte. Auch der Fußboden im Kinderzimmer machte ihr angst. Der knackte und krachte manchmal. Ganz von selber." (S. 14.)

Eine andere Sache, vor der Nasti ganz furchtbare Angst hatte, war alleine zu Hause sein. Als sie sich einmal alleine zuhause beim Fernsehen fürchtete, passierte ihr etwas ganz Besonderes:

"Nastis Herz begann laut zu klopfen. Sie hörte das Herz klopfen in den Ohren und fühlte es im Hals und spürte es in den Augen. Sie konnte nicht mehr richtig atmen. Die Haare auf ihren Armen und Beinen, die kleinen dünnen, richteten sich auf und standen im rechten Winkel von der Haut ab. Die Kopfhaare richteten sich auch auf und versuchten kribbelnd zu Berge zu stehen. [...]

Wegschauen, befahl sich Nasti. Und mit dem allerletzten bisschen Kraft, das in ihr war, drehte sie den Kopf zur Seite und sah, dass die Tür zum Schlafzimmer, die vor einigen Minuten ganz gewiss verschlossen gewesen war, offenstand. Und bei der Tür waren Fußspuren. Im flauschigen Teppichboden konnte man sie deutlich sehen. Als ob ein elefantenschwerer Mensch mit Schuhgröße einundvierzig eben dort gestanden wäre. Zuerst waren es nur zwei Fußabdrücke, dann vier, dann sechs und dann war ein richtiger Fußspurenweg von der Schlafzimmertür zum Fernseher hin und dann klickte der Aus-Ein-Knopf und das fürchterliche Gesicht [am Bildschirm] war weg. Eine sehr dunkle, sehr freundliche, sehr sanfte Stimme sagte zu Nasti: ,Ja, Madl, was schaust dir denn so einen Schmarrn an, wenn du doch eh weißt, dass d' Angst kriegst?´"
(S. 36 f.)

Rosa Riedl hat Nasti aus ihrer Angst herausgeholfen. Das hat sie in der Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, noch ganz oft gemacht — bis sich Nasti nicht mehr so sehr gefürchtet hat, und sogar ganz freiwillig auf den Dachboden gegangen ist, weil dort die Rosa Riedl wohnt.

So ein Schutzgespenst ist schon etwas sehr sehr Tolles! Die Geschichte ist zwar schon ziemlich alt, aber so ein Schutzgespenst wäre heute auch noch super, oder?

Ein Schutzgespenst heute


Rosa Riedl ist schon sehr alt und hat die letzten 40 Jahre auf einem Dachboden verbracht. (Nasti ist ja mittlerweile erwachsen und hat sie nicht mehr gebraucht.) Deswegen würde es sie sehr interessieren, was denn die wichtigsten Aufgaben für ein Schutzgespenst heutzutage sind.

Nun lädst du die Kinder ein, zu zweit oder zu dritt auf einem Papier oder Karton ihr Schutzgespenst zu zeichnen, malen, kleben und sich gemeinsam zu überlegen (vielleicht auch dazuzuschreiben), wovor ein Schutzgespenst heute schützen muss, wie es das machen könnte, und was es dazu alles können muss.

Gespenster-Ausstellung


Danach können die Kinder sich gegenseitig — und natürlich auch Rosa — ihre Gespenster zeigen. So kann Rosa sich ein bisschen orientieren, was sie alles bedenken muss, wenn sie jetzt wieder im Einsatz ist.

Abschluss


Scheinbar haben Schutzgespenster auch 2019 wirklich viel zu tun! Aber glücklicherweise können wir sie auch bei ihrer Arbeit unterstützen! Oft hilft es ja schon, einfach zu wissen, dass man nicht alleine ist mit der eigenen Angst. Zum Abschluss könnt ihr nun entweder

  • Schutzgespenst-Steine füreinander gestalten — die könnt ihr dann immer dabei haben, um euch zu erinnern, dass ihr nicht alleine seid, auch wenn ihr euch manchmal fürchtet.
  • oder ihr spielt noch folgendes Spiel, in dem ihr übt, euch gemeinsam zu fürchten anstatt alleine zu sein:

    Damit ihr euch nicht wirklich fürchten müsst — es ist ja nur Training! — schlüpft jemand in die Rolle der Rosa Riedl, indem er/sie sich ein Tuch um die Schultern legt. Diese fragt die anderen Kinder: "Wer fürchtet sich vor Rosa Riedl?" Die anderen Kinder antworten: "Alle!" Da Rosa weiß, dass man sich nicht mehr so fürchtet, wenn man mit anderen zusammen ist, empfiehlt sie: "Dann fürchtet euch zu dritt." Die Kinder gehen nun in Dreiergruppen zusammen und sind so vor dem Gefangen-Werden geschützt. Rosa versucht nun ein Kind zu fangen, das in keiner Dreiergruppe steht. Die Gruppen können und sollen sich wieder auflösen und neu bilden, um andere vor Rosa zu schützen. Rosa kann jede beliebige Zahl rufen. Die Zahl soll allerdings nicht größer als die Hälfte der Mitspieler/innen sein.

    Wird ein einzelnes Kind von Rosa erwischt, ist es die neue Rosa. Wenn Rosa kein einzelnes Kind berühren kann, kann sie erneut fragen, wer sich vor ihr fürchtet und eine neue Zahl nennen. Hat sie keine Lust mehr, lässt sie ihr Tuch fallen und ein anderes Kind schlüpft in die Rolle der Rosa.

Autor/in: Nani Gottschamel

Publikation: kumquat "Die Nöstlinger" 5/2018

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Schlagwort: Gefühle