• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Was’n nu los?

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Hintergrund

In unserem alltäglichen Leben versuchen wir ständig, uns ein Bild, eine Vorstellung von den Personen, Dingen und Begebenheiten in unserer Umgebung zu machen.
Oft reichen unsere Wahrnehmungen aber nicht aus, um ein vollständiges Bild zu bekommen. Wir stellen dann, durch unsere ganz persönlichen Erfahrungen beeinflußt, verschiedene Vermutungen an, um doch einen gewissen Überblick, eine gewisse Vorstellung über eine Situation/ von einer Sache gewinnen zu können: "Was’n nu los?"
Die Tatsache, daß es sich dabei aber eben nur um Vermutungen handelt (die womöglich überhaupt nicht der Realität entsprechen) und verschiedene Menschen in der gleichen Lage noch dazu die unterschiedlichsten Vorstellungen haben können, bringt die Gefahr mit sich, andere Menschen oder Situationen einfach mißzuverstehen.

Ziel

In dieser Gruppenstunde soll überlegt werden, welche verschiedenen Eindrücke und Gedanken Situationen bei uns hinterlassen können, um im Anschluß daran auszuprobieren, wie am besten mit diesen Vermutungen umgegangen werden kann.

Material

  • fünf Situationskärtchen
  • bunte Zettel
  • Gedankenblasen
  • Klebstoff
  • Schreibgeräte
  • schwarze Klebepunkte
  • Packpapier
  • gelbe Kärtchen für die Zuschauer/innen
  • Sonnenscheiben aus gelbem Papier

Aufbau

Zunächst wird bei einem Spiel vermutet, wer einen "im Auge" haben könnte.
Dann überlegt sich jede/r Vermutungen für andere Kinder, die in eigenartigen Situationen stecken,
und schaut sich an, welche dieser Vermutungen angenehmer oder unangenehmer Natur sind,
um dann in Rollenspielen auszuprobieren, wie man denn mit diesen Situationen umgehen kann,
sodaß am Ende "die Sonne wieder aufgeht".

 

Tips vorweg
Verwende während der Gruppenstunde lieber konsequent das Wort "Vermutungen", da "Verdacht" negativ besetzt ist. Deine Kinder sollten für diese Gruppenstunde schon ein wenig geübt in Rollenspielen sein.


Verfolgen



Zu Beginn der Stunde steht ein Spiel, bei dem man gut beobachten muß. Jedes Kind sucht sich nun irgendjemanden anderen, den es während der folgenden Minuten beobachtet, also den Blick nie von dieser Person abwendet. Das sollte aber so unauffällig geschehen, daß es der beobachteten Person nicht auffällt. Nach einiger Zeit des Herumschlenders und Beschattens geben sich dann alle ihren observierten (beschatteten) Personen zu erkennen und tauschen aus, ob sie als Beobachter/innen vermutet wurden oder nicht. (Daher versuchen auch alle, neben ihrer Tätigkeit als Verfolger/innen zu checken, ob und von wem sie beobachtet werden.)

Während des Verfolgens empfiehlt es sich, eine "geheimnisvolle" Musik zu spielen, viele Filmmusiken sind dazu geeignet, wie z.B. "Der rosarote Panther, ...".


Was'n da los?



Vor der Gruppenstunde hast Du bereits die Situationskärtchen (siehe unten) ausgeschnitten, jedes auf einen bunten A4-Zettel geklebt und am Boden aufgelegt. (Falls ein Kind in Deiner Gruppe denselben Namen wie eines auf den Karteln hat, so tausche den Namen bitte aus.)

Du erzählst nun, daß einigen Kindern in letzter Zeit eigenartige Dinge passiert sind. Sie wissen nicht so recht, was da los ist. Aber natürlich kommen ihnen Vermutungen, was der Grund sein könnte.
Gemeinsam lest Ihr nun die Kärtchen durch und überlegt Euch, was die Kinder in den beschriebenen Situationen vermuten könnten. Jede Vermutung schreibt Ihr in eine Gedankenblase und legt sie zum entsprechenden Zettel. Es können da sowohl ausgefallene Vermutungen als auch ganz harmlose Erklärungen vorkommen. Falls die Kinder zu einer Situation nur schlimme Befürchtungen haben, könnte Dir eine schlichte Erklärung oder sogar eine angenehme Vermutung einfallen.

Situationen



Karl und Georg gehen in die gleiche Klasse. Da sie nicht weit voneinander entfernt wohnen, treffen sie sich in der Früh, um gemeinsam in die Schule zu gehen. Doch heute kommt Georg nicht zum ausgemachten Treffpunkt. Schließlich macht sich Karl alleine auf den Weg. Als er zur Schule kommt, sieht er Georg mit Max, einem anderen Kind aus seiner Klasse, die auf einem anderen Weg in die Schule kommen.

Am Spielplatz spielt Sabine mit anderen Kindern verstecken. Da sieht sie ihre Freundinnen Claudia und Birgit vorbeikommen. Sie stecken die Köpfe zusammen und kichern dabei. Als Sabine die beiden fragt, ob sie mitspielen möchten, kichern sie nur und gehen weiter.

Gestern war in Peters Klasse Mathematikschularbeit. Als er in der großen Pause auf dem Gang herumspaziert, kommt ihm sein Mathematiklehrer eilig entgegen. Peter fragt, wie die Schularbeit ausgefallen sei. Sein Lehrer antwortet, das werde er schon noch früh genug erfahren.

Heute hat Andrea Geburtstag. Normalerweise wünscht ihr ihre Mutter gleich beim Wecken "Alles Gute". Doch heute war es genauso wie an jedem Morgen. Auch beim Frühstück sagt keiner ein Wort.

In ihrer Klasse sitzt Julia hinter Robert. Julia bemerkt, daß Robert immer wieder unauffällige Blicke nach hinten wirft.


Ein Gewitter



Nachdem Ihr verschiedenste Vermutungen geäußert und aufgeschrieben habt, leitest Du zum nächsten Schritt etwa so über: "Bei manchen Situationen haben die Kinder ganz unterschiedliche Vermutungen gehabt. Man kann also gleiche Ereignisse verschieden verstehen. Nur sind nicht alle Vermutungen gleich angenehm. Manche sind sicher sehr erfreulich, andere spannend, manche aber auch unangenehm."
Jedes Kind kann nun zu den Vermutungen, die seiner Meinung nach für das betroffene Kind unangenehm sein könnten, einen schwarzen Klebepunkt kleben. Ist eine Vermutung ganz schlimm, kann man auch zwei Punkte aufpicken.
Auf diese Weise wird aus unangenehmen Vermutungen eine bedrohliche Gewitterwolke. Da das aber überhaupt nicht gut ist, wird nun überlegt, welche Tips man den Betroffenen geben könnte/ wie die Betroffenen nun mit diesen Vermutungen umgehen könnten.


Hinter den Kulissen



In kurzen Rollenspielen könnt Ihr nun ausprobieren, was die betroffenen Kinder in den Situationen tun könnten! Die Situationen auf den Kärtchen bilden dabei die Grundlage für die Szenen, bei denen es nun darum geht, sich verschiedene Reaktionsweisen auf die unterschiedlichen Vermutung zu überlegen und diese dann auch zu testen!

Ihr wählt gemeinsam eine der Situationen aus und - entsprechend der Anzahl der Rollen - schlüpfen zwei bis drei Kinder in die Rollen von Julia, Sabine, Birgit, Robert, usw. Das "Kind mit der Vermutung" sucht sich nun aus den gesammelten Vermutungen eine aus, nach der es seine Rolle spielt. Die anderen Spieler/innen überlegen sich währenddessen gemeinsam, welche der Vermutungen "wirklich" stimmt.
(Zum Beispiel legt sich Peter darauf fest, daß er wohl einen Fünfer gefangen hat, während sein Lehrer sich darauf festlegt, Peter nur schnell abwimmeln zu wollen, um noch genügend Zeit für eine Rauchpause im Konferenzzimmer zu haben.)

Die spielenden Kinder wissen jetzt natürlich voneinander nicht, um welche Vermutung es sich beim jeweils anderen handelt! Damit die Sache jedoch nicht allzu schwierig wird, erhalten sie Unterstützung von den Zuschauer/innen.
Diese erfahren vor dem Rollenspiel, welchen Verdacht das "Kind mit der Vermutung" ausgewählt hat, indem das Kind ihnen die entsprechende Gedankenblase zeigt (Natürlich müssen hier die anderen Spielenden kurz wegschauen!). Die Zuschauer/innen haben dann die Möglichkeit, dem/r Spieler/in während des Rollenspieles Vorschläge und Hilfen zu geben, wie er/sie reagieren könnte: Was könnte das Kind sagen? Wie könnte es herausfinden, ob die Vermutung stimmt?
Damit das Kind am "Spielfeld" nicht mit Ideen überflutet wird, bekommen die Zuschauer/innen gelbe Kärtchen, die sie bei Bedarf in die Höhe halten können. Braucht das spielende Kind einen Ratschlag, so kann es diese Angebote jederzeit nützen und auch gleich im Spiel ausprobieren.

Ist die Situation zu Ende gespielt, werden die Lösungen, die Euch gut gefallen haben, auf die Sonnenscheiben geschrieben. Dann können entweder nochmals andere Kinder in die gleiche Szene einsteigen, oder aber Ihr nehmt eine neue Situation heran, bei der Ihr dann wieder in kurzen Rollenspielen Eure Vermutungen testet!
Wenn kein Kind mit dem Rollenspiel anfangen mag, so spielst Du das erste "Kind mit Vermutung". Während des Austausches über das Rollenspiel achte darauf, daß die spielenden Kinder nicht mit ihrem eigenen Namen, sondern mit dem Namen ihrer Rolle angesprochen werden.


Die Sonne geht auf



Nach jedem Rollenspiel oder ganz am Schluß werden zu den entsprechenden Situationszettel die gelben Sonnenscheiben geklebt. Wenn jemandem noch andere Lösungstips einfallen, ist nun auch noch Zeit, Sonnenscheiben zu ergänzen. Dann schaut die ganze Sache auch schon wieder etwas freundlicher aus.
Zum Schluß könnt Ihr noch alle Situationen samt Sonnen auf ein großes Plakat kleben und im Gruppenraum aufhängen.

Autor/in: Marcus Bruck

Publikation: KiK 102

Share |

 

Schlagwörter: Konflikte, Umwelt, Ich und die anderen