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Alles Ansichtssache

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Ein Comic kann man "lesen", bevor man Buchstaben kennt: indem man sich einfach nur die Bilder anschaut. Der Genuß ist jedoch noch eine Spur größer, kann, man auch, wenn man lesen gelernt hat, den Text entziffern. Mit Filmen ist es ähnlich. Auch bei Filmen kann man einiges dazulernen, um sie besser verstehen bzw. "lesen" zu können. Dies ist einer der Inhalte des Behelfes "Bewegte Bilder", dem die folgenden Methoden entnommen sind. Weiters geht es im Behelf um die Analyse des eigenen Fernsehverhaltens, Tips zum Selbermachen von Filmen etc.

Ziel

Die untenstehenden Methoden verraten einiges über die Tricks der Filmemacher/innen und die Eigenheiten des Mediums Film.

Material

  • siehe bei den einzelnen Bausteinen

Aufbau

 

Wörter machen Bilder machen Leute



für 11 - 15jährige

Material

  • Kärtchen
  • Sofortbildkamera
  • Papier, Malsachen



Viele Wörter aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnen das Verhältnis von Menschen zueinander, beziehungsweise zu einer bestimmten Situation. Auffälligerweise hat eine ganz erstaunliche Menge dieser Wörter auch etwas mit Sehen tun.

Du hast Kärtchen mit folgenden Wörtern oder Redewendungen vorbereitet: den Durchblick haben, zu etwas aufsehen, auf etwas herabblicken, einsichtig sein, Einbildung, einer Sache in die Augen sehen, Ansehen genießen, schöne Aussichten, Einblick gewinnen, Ansichtssache, mit etwas liebäugeln, jemandem schöne Augen machen, "wenn Blicke töten könnten", die Augen offenhalten, das Auge des Gesetztes, blauäugig durchs Leben gehen, etwas ist offensichtlich, Auge um Auge, jemanden aus den Augen verlieren, seinen Augen nicht mehr trauen, etwas ist mir ein Dorn in Auge, der Blick in die Zukunft, der sogenannte "böse Blick", ein Schauspiel, eine Vision oder eine Erscheinung haben, jemandem die Schau stehlen, jemandem die Augen verdrehen, auf lange Sicht (längerfristig),...

Jeweils ca. drei bis vier Kinder suchen sich einige Kärtchen aus und versuchen, die Worte in Bilder zu "übersetzen". Dafür stehen eine Sofortbildkamera, Papier und Malsachen zur Verfügung.

Beispiel einer möglichen Umsetzung des Begriffs "zu etwas aufsehen". Ein Kind schaut zu einem anderen/einem Gegenstand auf. Erster Schritt: aus einer neutralen "dritten" Perspektive wird das, was geschieht, mit einer Sofortbildkamera festgehalten. Zweiter Schritt: das "aufsehende" Kind photographiert aus seiner Position, also einer subjektiven Perspektive.

Manche der "Sehbegriffe" könnt Ihr sicherlich sehr ernsthaft und "wörtlich" in Bilder übersetzen, einen bösen Blick werfen, zum Beispiel, andere wiederum laden geradezu zur ironischen Bearbeitung, zum spielerischen Experimentieren ein. Das ist auch gut so. Ziel dieser Methode ist ja nicht, auf "richtige" Perspektiven d’raufzukommen, sondern einmal Sprichwörter, die mit dem "Sehen" zu tun haben, unter die Lupe zu nehmen.


für 13-15jährige

Nachdem jede Kleingruppe den anderen ihre Bilder gezeigt hat, kannst Du ein gemeinsames Weiterdenken anregen: In einem Fall erzeugt der (subjektive) Kamerawinkel jene Wirkung, die der Bedeutung eines bestimmten Wortes am nächsten kommt, bei einem anderen Wort "wirkt" vielleicht die neutrale Position am stärksten. Warum ist das so? Kann man bei einem Film erkennen, ob die Kamera aus der Sicht der handelnden Personen aufnimmt oder nicht? Woran erkennt man das? (Den "subjektiven Kamerablick" können wir eigentlich nur dann wirklich als solchen erkennen, wenn in einem Zwischenabschnitt davor die handelnde Person aus der "neutralen" Perspektive aufgenommen worden ist.) In welchem Film/in welcher Folge einer Serie, den/die wir in letzter Zeit gesehen haben, war am besten und deutlichsten allein durchs Sehen zu erkennen, wie eine Person zu einer anderen steht.


Strahlende Helden und finstere Typen



für 10 - 15jährige

Material

  • Bilder aus Fernseh- und Filmprogrammen
  • Verkleidungsmaterial, Requisiten
  • Spots, bunte Farbfolien
  • Material zum Verdunkeln des Raumes (schwarze Tücher, schwarzes Naturpapier)



Nicht nur der Blickwinkel spielt eine große Rolle, wenn Bilder Geschichten erzählen. Auch die Art und Weise des Lichteinfalls prägt die Sichtweise einer dargestellten Szene, Figur oder Gruppe. Ist alles gleichmäßig ausgeleuchtet, gibt es Gegenlicht, ist es finster, dämmrig, oder ist ein Lichtstrahl auf ein Detail gerichtet? Solche "Kleinigkeiten" bestimmen maßgeblich mit, inwieweit eine Szene spannend, schaurig, heiter oder bedrückt wirkt. Um das auszuprobieren, könnt Ihr Standbilder entwerfen:

Ziel dieser Methode ist es, mit den Wirkungen unterschiedlicher "Lichtregie" zu experimentieren. Du hast aus einer Fernsehprogrammzeitschrift oder aus Kinoprogrammen ein paar Szenenbilder ausgewählt, auf denen mehrere Personen zu sehen sind. Entscheidet Euch für eines davon. (Ist Deine Gruppe sehr groß, so solltet Ihr in mehreren Kleingruppen jeweils ein Szenenphoto auswählen.) Mit Hilfe von Verkleidungsmaterial und Rollenspielrequisiten stellt Ihr nun die ausgewählte(n) Szene(n) nach.

Im nächsten Schritt verändert Ihr nun den Charakter der dargestellten Szene, indem Ihr - wie oben beschrieben- die Lichtverhältnisse verändert. Ist Euer Standbild im Freien angesiedelt? Verwendet Ihr Spots/starke Taschenlampen in einem ansonsten abgedunkelten Raum? Kommt das Licht von vorn, von hinten oder von der Seite? Gibt es Farbfolien vor den Spots? In den meisten Fällen kann ein und dasselbe Standbild bei ganz verschiedenen Beleuchtungen wie aus komplett verschiedenen Filmen wirken.


Variation: Die mysteriöse Schlüsselszene

Ein Beispiel: Am Abend vor dem entscheidenden Drehtag hat der Regieassistent eine wichtige Aufgabe bekommen. Er soll überlegen, auf welche Art die Schlüsselszene eines neuen Film gedreht werden soll. Das Drehbuch ist unglücklicherweise ausgerechnet in der betreffenden Szene nicht allzu genau ausgeführt, da steht lediglich, daß die .... (Anzahl) Hauptfiguren in ein intensives Gespräch vertieft sind (..., daß die beiden Familienoberhäupter, um die es im Film gehen soll, zu einer letzten Aussprache zusammentreffen; ..., daß der Detektiv die Beteiligten mit seiner Lösung konfrontieren wird, ...usw.). Wir müssen also gemeinsam überlegen, auf welche verschiedene Arten diese Szenen aufgenommen werden können.

Dazu werden Kleingruppen zu je etwa drei bis fünf Kindern gebildet. Jede Gruppe hat die gleiche Ausgangsposition, nämlich die erwähnte Schlüsselszene. Jede der Gruppen macht sich nun zuerst einen Ort aus, an dem sie die Szene spielen lassen möchte (im Gruppenraum, auf dem Gehsteig, mitten auf der Wiese, an einem runden Tisch,...). Dann sollte auch noch geklärte werden, unter welchen Lichtverhältnissen das Ganze inszeniert werden soll (Spot auf eine einzelne Figur, gleichmäßiges Dämmerlicht, gleißendes Sonnenlicht, Licht von hinten,...), beziehungsweise aus welchem/n Blickwinkel/n die Szene betrachtet werden soll. Nach einer bestimmten, vorher ausgemachten Zeitspanne, gehen wir dann von Ort zu Ort, um uns selbst ein Bild von den verschiedenen Auffassungen einer Szene machen zu können.


Die Begegnung mit der zweiten & dritten Dimension



für 8-15jährige

Material
Tisch, div. Gegenstände

Der Film gilt als jene Kunstform, die - im Vergleich zu Musik, Literatur und Malerei - die Wirklichkeit am unverfälschtesten darstellen kann. In einer Filmszene können wir ein bestimmtes Geschehen (zum Beispiel: zwei Menschen winken einander zu) in einer Art und Weise wahrnehmen, die uns aus unserem Alltag bekannt und vertraut ist. Die "Maschine", die das möglich macht, ist die Kamera.

Seit den ersten Versuchen, photographische Bilder zu erzeugen, bemühen sich Konstrukteure, dem idealen Vorbild einer perfekten Kamera schlechthin, dem menschlichen Auge nahezukommen. Das ist noch niemanden gelungen. Doch erstaunlicherweise ist gerade diese Tatsache, daß es die vollkommene Kamera nicht geben kann, Grund und Anlaß für spannende Effekte in einem Film: Einer der allerwichtigsten Unterschiede zwischen der Filmkamera und dem menschlichen Auge liegt darin, das wir eben zwei Augen haben, wohingegen die Kamera nur eines nachmachen kann. Unsere Augen lassen von ein und demselben Gegenstand, auf den sie gerichtet sind, zwei geringfügig unterschiedliche Bilder an ihrer Netzhaut entstehen, die im Gehirn zu einem einheitlichen Gesamtbild zusammengefügt werden. Von großem Vorteil ist dieser Bilderfleckerlteppich vor allem beim räumlichen Sehen und beim Betrachten von bewegten Gegenständen. Die folgende Methode untersucht diese Unterschiede.


Auf einem möglichst langen Tisch werden mehrere Gegenstände in unterschiedlichen Abständen zu einer Tischkante angeordnet (ca. das erste Drittel des Tisches sollte leer bleiben). Wenn man sein Kinn auf der Tischkante aufstützt und "ganz normal" auf das Arrangement hinschaut, ist es leicht möglich zu entscheiden, welches Stück weiter hinten steht, oder abzuschätzen, wie weit die Gegenstände voneinander entfernt stehen.

In der nächsten Runde halten sich die Gruppenmitglieder ein Auge zu und schauen so den Tisch entlang. Die Gegenstände erscheinen kaum mehr räumlich voneinander abgehoben. Wenn als Gegenstände etwa verschiedenfärbige Kartonbögen verwendet werden, entsteht der Eindruck eines groben, flächigen Streifenmusters. Wie weit die Gegenstände räumlich voneinander entfernt sind, erkennt man erst, wenn man in einen schiefen Winkel zu ihnen tritt, sich also bewegt [siehe Skizze S. 36)].ich hätt’ gerne eine Andrea-Zeichnung, die Skizze g’fallt mir nämlich nicht so gut.



Wie schaut Bewegung aus?



für 8 - 15jährige

Material
Kartonrollen, Gummiband

Eine Kamera besteht im wesentlichen aus einem Rohr, in dem mehrere optische Linsen in einem bestimmten Verhältnis angeordnet sind. Die Art und Weise des "Kamera-Sehens" kann besonders augenscheinlich am Betrachten von Bewegung nachempfunden werden. Zu diesem Zweck werden bescheidene Kamera-Atrappen benötigt - die berühmten "Klorollen-Kameras" (Kartonröhren mit unterschiedlichen Längen und Durchmessern), die mit einem Gummiband am Kopf befestigt werden können. Das Auge, vor dem sich keine Kamera befindet, wird geschlossen oder zugehalten.

Nachdem sich alle eine solche "Klorollen-Kamera" gebastelt haben, kann damit z.B. folgendes ausprobiert werden (sinnvollerweise zuerst ohne, dann mit Kamera):

Was muß ich tun, damit ich jetzt alles Wichtige im Raum gesehen habe? Wie "fühlt" sich das nun an? Wie ist das im Kino, wenn sich die Kamera rasch von einem Punkt zum anderen bewegt? An welchen Filmen ist uns so was schon aufgefallen?

Suchspiele aller Art, etwa: Photos aller Gruppenmitglieder sind in einem Raum "versteckt", d.h., an der Wand, am Boden, an der Decke befestigt. Ziel ist es, mit der Klorollen-Kamera vor dem Auge alle Bilder aufzuspüren.

Fangspiele (hier empfiehlt sich dringend ein kürzeres "Objektiv"). Der Vergleich etwa mit einer Autoverfolgungsjagd aus einem Actionfilm ist an dieser Stelle möglich und passend. (Der Film "Bullit"" von Peter Yates mit Steve McQueen beinhaltet z.B. an seinem Höhepunkt eine dramatische Jagd durch die "Hügellandschaft" von San Francisco. Eine Videokassette mit der Verfolgungsszene kannst Du im Jungscharbüro ausborgen.)

Du spielst eine eindeutig als solche erkennbare Filmmusik vor, die Mitspielenden stehen im Kreis. Eine/r von Euch macht dazu passend eine Bewegung vor, die die anderen dann nachmachen. Durch Handzeichen wird anschließend jemand anderer zum Vormachen bestimmt.

... und so weiter. Ihr könnt alle Spiele spielen, die Euch sonst auch Spaß machen. Die neuartige Art des Sehens birgt sicher eine Vielzahl reizvoller Spielerfahrungen in sich.

Achtung:
Vor allem bei raschen, bewegten Spielen muß darauf geachtet werden, daß das gewohnte Tempo aufgrund des eingeengten Blickfelds und mit Rücksicht auf sich selbst sowie die anderen Mitspielenden zurückgenommen wird. Da beim Schauen durch die Rollenkamera nicht eine kleine Bewegung mit den Augen genügt, um sich einen ausreichenden Überblick zu verschaffen, sondern meist der ganze Körper (zumindest der Kopf) die Bewegung mitmachen muß, wird man leichter schwindlig, wodurch logischerweise die Verletzungsgefahr steigt. Also Vorsicht, schnelle Fangspiel sind in einer Gruppe mit aufgeheiztem, aggressiven Klima riskant.

Diese und noch eine Reihe anderer Methoden samt vielfältigem Materialpaket (Bildkarten, Stimmungskärtchen, Kopiervorlagen,...) findest Du im Behelf "Bewegte Bilder" um öS 80,-- im Jungscharbüro.

Autor/in: aus dem Behelf "Bewegte Bilder"

Publikation: KiK 102

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