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Jesus und die Tempelreinigung

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: hoch

Ziel

Letzten August war ich ein Monat auf "LernEinsatz" in einem brasilianischen Jugendhaus, das viel mit der Jugendpastoral zusammenarbeit. Eine der Erfahrungen, die mich sehr beeindruckt hat, war, dass dort f (Glaube) und vida (Leben) nicht zwei getrennte Dinge, sondern sehr eng miteinander verbunden sind. Bibel lesen wird nicht als theoretische Abhandlung, was irgendwer irgendwann getan hat, verstanden, sondern hat mit unserem Leben hier und jetzt zu tun. Eine Bibelstelle wird, z.B. in der Gemeinde oder in der Jugendgruppe, mit dem Blickwinkel angeschaut, welche Konsequenzen die Geschichte für mein Leben hat.
In diesem Sinne ist auch dieses Modell zu verstehen - es braucht von dir und deiner Gruppe kein umfassendes theologisches oder historisches Wissen, sondern die Bereitschaft, sich auf den Text einzulassen und ihn in Verbindung zum eigenen Leben zu setzen.

Material

  • Bilder, Fotos und/oder Video von Leuten, die ausmisten
  • für jede/n eine Kopie der Bibelstelle "Die Tempelreinigung" (Mt 21,12-17, Mk 11,15-19 und Lk 19,45-48 - welche der Parallelstellen du auswählst, bleibt dir überlassen.)
  • Plakat mit Sprech- und Gedankenblasen
  • für jede/n ein Blatt mit leerem Tempel & leeren Tischen zum Ausfüllen
  • große Plakate, Stifte und/oder Wasserfarben für Forderungen
  • für jede/n Papier und Schreibzeug für einen Brief

Aufbau

Der mit Ausmist-Fotos gestaltete Gruppenraum bzw. das Ausmist-Video führen zur Bibelstelle "Die Tempelreinigung". Diese wird mit der "brasilianischen" Lesemethode gelesen und mit einigen Methoden in Bezug zum Leben der Gruppenmitglieder gesetzt. Am Schluss wird die Bibelstelle nochmals gelesen und ein Gebet gesprochen.

 

Raus damit!


Zu Beginn hast du den Raum mit Bildern von Müll oder Leuten, die gerade radikal ausmisten, dekoriert oder du spielst den Gruppenmitgliedern einen kurzen Ausschnitt aus einem Video vor, in dem sich gerade jemand von Dingen trennt (z.B. die Szene aus "Freispiel", in der eine Frau aus lauter Wut die Gitarrensammlung ihres Mannes zerstört, auszuborgen im JS-Büro).
Genau das ist es nämlich, was Jesus in der Bibelstelle tut, mit der ihr euch auseinandersetzt. Der Tempel stellte zu Zeiten Jesu nämlich einen riesigen Wirtschaftsbetrieb dar, und das war Jesus ein Dorn im Auge.
Du hast für jede/n eine Kopie der Bibelstelle mitgebracht. Diese lest ihr dann gemeinsam und klärt eventuell auftauchende Verständnisfragen oder Unklarheiten.

Die "brasilianische Bibellesemethode"


Anschließend setzt ihr euch, je nachdem, wie erfahren und bereit deine Kids sind, sich allein mit etwas zu beschäftigen, entweder allein oder in Kleingruppen mit den folgenden vier Fragen auseinander:

  • Was sagt der Text?
  • Was sagt mir der Text?
  • Was macht mich der Text sagen?
  • Was lässt mich der Text tun?



Diese "brasilianische Bibellesemethode" lässt sich übrigens auch auf jeden anderen Text anwenden! Wichtig ist auf jeden Fall, dass jede Deutung gilt. Wenn mir der Text etwas sagt, kann das nicht richtig oder falsch sein, sondern es ist einfach so! Diese sehr persönliche Zugangsweise ist wahrscheinlich auch für deine Kids ungewohnt - umso wichtiger ist es, dass du sie ermutigst, persönliche Zugänge zu finden, aber auf keinen Fall zwingst, irgendetwas sagen zu müssen. Wenn sie manche Dinge nur für sich überlegen und nicht mit der Gruppe teilen wollen, ist das auch voll in Ordnung!

Im Folgenden findest du neben einer kurzen Erläuterung, was bei den unterschiedlichen Fragen Thema sein könnte, auch jeweils einen Methodenvorschlag, was ihr dazu tun könnt - je nach Stimmung und Redelust deiner Gruppe kannst du variieren, ob du zu jeder Frage eine Methode machst oder ob ihr bei manchen "nur" miteinander redet.

Was sagt der Text?


Worum geht's da? Was sagen die handelnden Personen?
Dazu könnt ihr mit der folgenden Rollenspielmethode sammeln, was die unterschiedlichen Akteur/innen sagen oder denken (Jesus, die hinausgeworfenen Händler, die Leute, die gerade Opfertiere kaufen wollen, die Jünger/innen...).
Einige Sessel sind in einem Kreis aufgestellt, jeder dieser Sessel ist für eine/n Akteur/in reserviert (mit Namensschild und dazupassender Requisite). Die Gruppenmitglieder können auf den Sesseln Platz nehmen und so in die Rolle schlüpfen, um zu sagen, was sie denken und mit den anderen Akteur/innen zu diskutieren. Natürlich darf man auch mehrere Sessel ausprobieren und auch wieder "aussteigen", wenn man lieber zuhören möchte.

Was sagt mir der Text?


Was spricht mich besonders an?
Dazu kann jedes Gruppenmitglied auf einem kopierten Blatt, auf dem der Tempel und Tische zu sehen sind, sammeln, was das für einen selbst bedeutet. Was ist für mich der Tempel, was liegt auf den Tischen, was würd ich gern raushauen, wo wäre ich froh, wenn das jemand anderer für mich raushaut...

Was macht mich der Text sagen?


Was würd ich gern dazu sagen?
Dazu könnt ihr auf große Plakaten Forderungen schreiben - z.B. was ihr gerne raushauen würdet, was euch überflüssig erscheint, was ihr statt dessen gerne tun würdet,...
Wenn "Was sagt mir der Text" in Einzelarbeit geschieht, kann "Was macht mich der Text sagen" dann eine Austauschphase anhand der oben erstellten Tempel-Blätter sein - Die Forderungen könnten daraus entstehen.

Was lässt mich der Text tun?


Was würd ich als Konsequenz tun?
Dazu kann jedes Gruppenmitglied in die Rolle der Bibelstelle schlüpfen und an sich selbst einen Brief schreiben, was sie mir raten würde, zu tun.

Zum Ausklang


Wenn alle mit ihrem Brief an sich selbst fertig sind, könntet ihr als Ausklang die Stelle, die für euch jetzt wahrscheinlich sehr viele neue Bedeutungen gewonnen hat, noch mal lesen. Wenn es für dich und deine Gruppe passt, kannst du noch ein freies Gebet sprechen, so in der Art:

Gott, wir haben uns in dieser Gruppenstunde sehr intensiv mit einer Geschichte von dir auseinandergesetzt und versucht, sie auch zu unserer werden zu lassen.
Zu sehen, was wir eigentlich gerne rauswerfen würden aus unserem Leben, ist oft nicht so einfach.
Gib uns Kraft, das immer neu zu versuchen. Und lass unsere Gruppe zu einem Ort werden, wo wir einander ein Stück weit begleiten und helfen, das heraus zu finden!

Autor/in: Kathrin Wexberg

Publikation: Kumquat_4/01

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Schlagwörter: Bibel, Ich, Welt