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Was wäre, wenn ...... oder Dinge einmal anders denken

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Hintergrund

In der Gruppe wird auf besondere Art über "Was wäre, wenn..." philosophiert. Sie setzt sich damit auseinander, daß bisher Alltägliches, Gewohntes in unserem Zusammenleben auf einmal in Frage gestellt ist. Man kann sich nicht mehr ganz darauf verlassen, vieles wird verwirrend sein.
Viele Menschen sind in einer ähnlichen Situation. Sehr rasch gelten neue Regeln, die sie bisher nicht gewohnt waren.

Ein Beispiel: Sparen zum Selbstzweck ist in Papua Neuguinea nicht angesagt. Reichtum soll anderen zur Verfügung gestellt werden, denn reich und damit angesehen ist, wer viel gibt. Wer jedoch im westlichen Sinne handelt und investiert, dem kann Sabotage an Maschinen blühen.
Das gilt aber auch zum Beispiel für die Ureinwohner der Philippinen und für manche Indianervölker Südamerikas, die, um überleben zu können, gezwungen sind, sich mit unserem Wirtschafts- und Rechtssystem zu befassen, das ihnen noch fremd ist.

Ziel

In dieser Gruppenstunde sollen der Wert, die Bedeutung und Auswirkungen des Geldes in unserer Kultur reflektieret und der Umgang mit Geld und dessen Bedeutung in einer anderen Kultur verglichen werden.

Material

  • einseitig kopierte Geldscheine ( DKT, Monopoly oder Kaufhausladenspiel)
  • Stifte
  • beschriftete Kärtchen "Besonderheiten" (siehe unten)
  • und leere Kärtchen
  • Spiegelfläche
  • Klebeband
  • DKT-Spiel

Aufbau

Zu Beginn gibt es den Fingerschnippergruß, um sich schon mal auf etwas "Anderes" einzustimmen
auf einseitig kopierten Spielgeldscheinen sammeln wir, was wir mit Geld alles tun und kaufen können,
um sich dann in einer Kleingruppe vorzustellen, was wäre, wenn das Geld abgeschafft werden würde. Diese Ideen werden dann
in einem Rollenspiel, Pantomime,... gesammelt und den anderen dargeboten.
Gemeinsam lesen wir die Kärtchen mit Besonderheiten aus der Kultur anderer Völker vor und überlegen, was uns dabei fremd und unverständlich vorkommt,
und ob es nicht doch auch bei uns ähnliche Haltungen,.. gibt, welche wir dann auf weiteren Kärtchen sammeln.
Gemeinsam spielen wir zum Abschluß noch DKT/Monopoly mit anderen Regeln, um die uns "fremden" Regeln selbst zu erleben und zu reflektieren.

 

Finger-Schnipper-Gruß


Schon zu Beginn werden die Gruppenmitglieder auf eine für sie ungewohnte Art begrüßt (z.B. wird jede/r umarmt, oder, wie in Papua Neuguinea mit einem Fingerschnipper,...; Natürlich sollte es eine freundliche Form sein und eher dazu anregen, sich auf Neues einzulassen).Wie funktioniert der Fingerschnippergruß?
Die Hände werden mit abgewinkelten Fingern (offene Faust) entgegengestreckt. Die Knöchel von Zeige- und Mittelfinger umschließen den Knöchel des Zeigefingers der anderen Hand. Umgekehrt wird der Mittelfingerknöchel von Zeige- und Mittelfingerknöchel umschlossen. Dann werden die beiden Hände ruckartig auseinandergezogen, dabei entsteht das Schnipp-Geräusch.

Leben ohne Geld?


Auf einseitig kopierten Spielgeldscheinen (aus DKT/Monopoly oder Kaufhausladen-Spielgeld) wird gesammelt, was wir mit Geld alles tun und kaufen können. Diese Geldscheine werden gestapelt und - wenn niemandem mehr etwas einfällt - gemischt.
Es werden Kleingruppen gebildet und die Scheine verteilt. Aus der erhaltenen Sammlung kann sich jede Kleingruppe beliebig viele Tätigkeiten mit Geld aussuchen.
Die Aufgabe ist, sich vorzustellen was wäre, wenn das Geld abgeschafft wird. Könnte man dann noch immer zu diesen Dingen, Dienstleistungen oder Zinsen kommen? Wie würde das gehen? Die Aufgabe ist, dies den anderen zu präsentieren - gezeichnet, als Theater gespielt, als Hörspiel aufgenommen,...
Bei der Ausarbeitung in der Kleingruppe und bei der Präsentation wird überlegt, welche Probleme es geben würde, wo Leute Schwierigkeiten haben könnten etc.
Dieser Weg zurück in eine geldlose Gesellschaft wäre sicher nicht problemlos zu bewältigen. Umgekehrt ergeht es Menschen, die bisher kaum Kontakt mit unserem Geldsystem hatten und die in kurzer Zeit nun den Umgang damit lernen müssen.

Ist´s woanders wirklich anders?


Auf Zetteln sind "Besonderheiten" aus der Kultur anderer Völker beschrieben. Diese werden (vor-)gelesen und es wird überlegt, was uns dabei fremd und unverständlich vorkommt. Dann wird überlegt, ob es nicht doch auch bei uns ähnliche Haltungen, Traditionen, Beispiele,... gibt. Diese werden gesammelt und aufgeschrieben. Die Zettel werden - am besten auf einer Spiegelfläche - gegenüberliegend aufgeklebt. (Der Spiegel soll verdeutlichen, daß über - vorerst fremde - Gewohnheiten, Gebräuche anderer, man sich selbst näher betrachten und kennenlernen kann.) Bleibt eine dieser "Besonderheiten" ohne vergleichbares Spiegelbild, dann macht das nichts - manches aus anderen Kulturen bleibt einem fremd (und das gilt gegenseitig!).
Als Hilfe können aber die angeführten Beispiele auf Kärtchen eingestreut, beliebig ergänzt und ersetzt werden:


"Besonderheiten" aus der Kultur der Völker Papua Neuguineas



"Reich ist, wer viel gibt, es ist nicht verpönt, reich zu sein und viel zu besitzen. Allerdings darf dieser Reichtum nicht nur für eigennützige Zwecke verwendet werden. Im Gegenteil, angesehene Leute sind die, die am meisten hergeben und die größten Feste geben. Wer seinen Reichtum für sich behalten will, der wird Probleme mit den anderen bekommen."

"Wer Land besitzt, muß sich um die anderen sorgen, sonst wird es ihm weggenommen. So muß ein Landbesitzer das Land denen für ihren Gartenanbau zur Verfügung stellen, die selbst keines haben, sonst wird es ihm abgesprochen. Wenn der Sohn vom Vater Land bekommt, dann ist es selbstverständlich, daß er sich um seine Eltern kümmert. Kann er das nicht, dann bekommt das Land die Person, die sich um die Eltern kümmert."

"Landesgrenzen werden nicht vermessen, trotzdem weiß jede/r, was er/sie darf. Das Land zwischen zwei Familien wird beispielsweise durch einen Wasserfall, eine Höhle und einen besonderen Baum getrennt. Jeder akzeptiert, daß die Mitglieder der anderen Familie bis zu diesen Punkten gehen, um Gemüse anzubauen, zu fischen,... Streit würde entstehen, wenn man diese Gebiete vermessen und abzäunen würde."

"Bei Festen und gegenseitigen Besuchen werden immer Kostbarkeiten ausgetauscht, das sind Muschelgeld, Blumenketten, Schweine,... Dadurch wird die Verbindung enger und ein entsprechender Gegenbesuch ist selbstverständlich. Zwischen Familien, die solche Austauschbeziehungen pflegen und wo gegenseitige Interessen und Abhängigkeiten bestehen, werden Konflikte viel schneller gelöst und es kommt auch seltener zu Auseinandersetzungen. Darum haben die Menschen ein Interesse an solchen Tauschbeziehungen."


Anregungen, um über Beispiele bei uns nachdenken zu können:



"Ich finde, wenn jemand im Lotto viel Geld gewinnt, dann soll er einen Teil davon Leuten geben, die dringend etwas brauchen."

"Da haben Leute einen riesigen Garten sind nie dort und pflegen ihn nicht einmal."

"Wenn wir im Park spielen, dann ist klar wo was gespielt wird. Das Fangenspielen geht zum Beispiel nur auf der Wiese bis zum Kastanienbaum - aber Zäune brauchen wir dafür keine."

"Wenn wir unsere Tante besuchen gehen, bringen wir immer einen Strauß Blumen mit, wenn sie dann zu uns kommt, bringt sie eine Schachtel Bonboniere."

"Manche reiche Leute fördern uneigennützig Künstler und Wissenschafter, sie steigern als sogenannte Mäzene ihr gesellschaftliches Ansehen."


DKT/Monopoly mit anderen Regeln


Für das Spiel werden (gemeinsam) einmal ganz andere Regeln entwickelt. Beispiele:

  • Es wird in Kleingruppen zusammengespielt, die Mitglieder der Kleingruppe müssen sich immer über Spielzüge einig sein.
  • Es darf mit anderen Kleingruppen kooperiert werden.
  • Der angehäufte Reichtum muß mit den anderen Kleingruppen, mit denen kooperiert wird, geteilt werden.
  • Zwischen Gruppen können Vereinbarungen getroffen werden bezüglich der Häuser und Hotels.


...

Danach wird besprochen, wie es den Gruppenmitgliedern mit den neuen Regeln ergangen ist, was war besser, interessanter, lustiger, schlechter, verwirrend?

Llabreklöv (umgekehrtes Völkerball)


Eine andere Möglichkeit Traditionelles neu zu erleben, bieten sogenannte "traditionellen" Spiele, bei denen du die Spielregeln einfach umdrehst oder ganz neue Regeln mit deinen Kindern erstellst. Zum Beispiel das "Llabreklöv" (umgekehrtes Völkerball), welches du in der Spielemappe (8.3) findest.

Autor/in: Alfons Drexler

Publikation: Kumquat_1/99

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Schlagwörter: Werte, Welt, Gesellschaft