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Über den Tellerrand schauen

Gruppenstunde | Alter: 12-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Dieser Kreuzweg ist in Anlehnung an das Misereor Fastentuch (mehr Infos darüber findest du unter
http://www.albertusmagnus-archiv.de/hungtuch/tuch_1992.htm) entstanden. Mit diesem Kreuzweg wollen wir eine Brücke bauen zwischen Jesus, der vor 2000 Jahren gelebt hat, unserem Leben heute und dem Leben der Menschen in der "Dritten Welt".

Material

  • Das benötigte Material steht jeweils bei der Stationsbeschreibung.

Aufbau

Dieser Kreuzweg beinhaltet Methoden und Anregungen für 14 Kreuzwegstationen. Für die konkrete Durchführung empfiehlt es sich, einige Stationen herauszunehmen und nicht den ganzen Kreuzweg zu machen.
Bei diesem Kreuzweg wollen wir unser eigenes Tuch gestalten. Bei jeder Station nehmen wir etwas mit, das wir auf ein Tuch (am besten ein altes Leintuch) geben wollen. Unter dem Punkt "Element für das Fastentuch" findet sich jeweils eine Anregung, was auf das Fastentuch gegeben werden kann. Wenn sich bei der Station herausstellt, dass ein anderer Aspekt für die Gruppe ganz zentral ist, ist es sinnvoll, diesen am Fastentuch festzuhalten.

 

1. Station: Verurteilt zum Tode - Verletzung der Menschenrechte


"Pilatus gibt den Befehl, Jesus zu kreuzigen."
Material: Zettel mit je einem Artikel der Menschenrechtskonvention, evtl. Definition der Menschenrechte

Bei dieser Station wollen wir uns die Menschenrechte näher anschauen um herauszufinden, was ein Menschenrecht ist. Dazu versucht ihr gemeinsam eine Definition zu finden bzw. schaut euch die Definition aus einem Lexikon gemeinsam genauer an, um den Text für euch zu "übersetzen".
Hier ein Auszug aus einem Lexikon:

"Menschenrechte sind angeboren, unverkäuflich und gewährleisten die Freiheit des Einzelnen gegenüber staatlichem Eingriff. Sie werden heute als Grundrechte gewährleistet. In keinem Fall jedoch darf das Grundrecht in seinem Wesensinhalt angetastet werden."

Anschließend schaut ihr euch einzelne Menschenrechte an. Es gibt viele Artikel der Menschenrechte, die wichtigsten Kernaussagen sind in den Artikeln 1,2,3,4,7,15,17,18,19,23,26 festgehalten. Zusammen lest ihr sie nun durch. Im Anschluss überlegt ihr, ob euch Situationen in Österreich einfallen, bei denen die Grundrechte und besonders diese Artikel verletzt werden. Wenn jemandem etwas einfällt, kann er/sie den passenden Artikel sagen und die Situation pantomimisch darstellen. Die anderen raten, worum es sich handeln könnte.

Element für das Fastentuch: ein Menschenrecht

2. Station: Verlassen von allen - Vereinsamung alter Menschen


"Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern"
Material: 1 leeres Plakat, 1 Plakat auf dem die unten angeführten Aussagen über alte Menschen in Brasilien stehen, Stifte

Bei dieser Station schauen wir uns die Situation alter Menschen in Österreich im Vergleich zu der Situation alter Menschen in Brasilien an. Gemeinsam sammelt ihr, was euch zum Thema "alte Menschen" einfällt z.B. Großeltern nehmen sich Zeit für mich, leben oft im Altersheim,... Alle Aussagen werden auf dem leeren Plakat aufgeschrieben.
Anschließend lest ihr gemeinsam das andere Plakat mit den Aussagen über alte Menschen in Brasilien:

  • Alte Menschen werden in Brasilien als Zeichen besonderen Respekts auch von ihren Kindern und Enkelkindern per Sie angeredet.
  • Alte Menschen habenin Brasilien oft keine Pension und sind daher besonders gefährdet zu verarmen.
  • Alte Menschen leben in Brasilien meist im Kreis ihrer Familie und kaum in Altersheimen.
  • Alte Menschen sind in Brasilien fast nie krankenversichert und haben daher oft Schwierigkeiten, erforderliche Medikamente oder Arztkosten zu bezahlen.


Gemeinsam überlegt ihr nun, welche Unterschiede euch auffallen und in welchen Bereichen ihr glaubt, dass alt sein in Brasilien bzw. in Österreich angenehmer ist.

Element für das Fastentuch: einige der Aussagen

3. Station: Erdrückt vom Kreuz - einzelne Schicksale im Kampf gegen das Unrecht


"Jesus fällt unter dem Kreuz"
Material: leere Steckbriefe, Unterlagen zu den einzelnen Personen z.B. aus Büchern oder dem Internet, Stifte, Text von "Ich habe einen Traum" (siehe weiter unten), Zettel

Wir wollen uns die Lebensgeschichte von verschiedenen Personen, die gegen Unrecht gekämpft haben, näher anschauen. Das können z.B. Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Oscar Romero... sein. Die Kinder teilen sich in Kleingruppen und jede Gruppe erhält Material zu jeweils einer Person. Gemeinsam sollen sie nun einen Steckbrief für diese Person erstellen und anschließend den anderen vorstellen.

Gemeinsam haben sie wohl alle, dass sie alleine angefangen haben und es geschafft haben, andere Menschen für ihre Sache zu begeistern. Eine Möglichkeit dafür sind sicher Reden. Eine ganz berühmte ist "Ich habe einen Traum" von Martin Luther King. Du liest einen Ausschnitt daraus vor und ermutigst die Kinder ebenfalls, (alleine oder in Kleingruppen) eine Rede für einen ihnen wichtiges Anliegen zu verfassen.

Ausschnitt aus der Rede von Martin Luther King: I have a dream


Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird: "Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind."
Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.
Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi in eine Oase der Gerechtigkeit verwandelt.
Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.
Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüder und Schwestern. Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen.

Element für das Fastentuch: Bilder der Personen

4. Station: Hunger in der Welt


"Jesus begegnet seiner Mutter."
Material: Bilder von Familien aus verschiedenen Ländern und Informationen über die Nahrungsmittel, die ihnen zur Verfügung stehen (ein Artikel und Infos zu diesem Thema ist im Heft Geo 04/05 unter dem Titel "So isst der Mensch" erschienen)

Menschen auf der ganzen Welt müssen essen und trinken, um zu überleben. Was wir zu essen haben, hängt einerseits von lokalen Gewohnheiten ab, andererseits auch ganz massiv von den wirtschaftlichen Verhältnissen, unter denen Menschen leben.

Du hast verschiedene Listen mit Wochenrationen von Familien aus der ganzen Welt und Beschreibungen der Familien mitgebracht. Die Kinder sollen nun überlegen, welche Lebensmittel zu welcher Familie gehören könnten. Dabei könnt ihr euch auch darüber austauschen, wie es zu Essgewohnheiten kommt und was ihr denn so alles esst.

Element für das Fastentuch: eines der Bilder

5. Station: Ein Außenseiter hilft - Wie ist das mit dem Helfen?


"Simon von Cyrene hilft Jesus, das Kreuz zu tragen"
Material: helle und dunkle Sterne aus Papier, Stifte

Ein konkreter Beitrag, etwas gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu unternehmen und zu helfen, ist Sternsingen zu gehen. Alljährlich tun das an die 90.000 Kinder in ganz Österreich. Nur weil so viele Kinder mitmachen, kann jedes Jahr so viel Geld in die Länder des Südens geschickt werden.
Gemeinsam überlegt ihr euch nun, was am Sternsingen Spaß macht bzw. gut ist (das schreibt ihr auf die hellen Sterne) und was nicht so toll ist (das schreibt ihr auf die dunklen Sterne).

Element für das Fastentuch: einige der Sterne

6. Station: Die Gemeinschaft der Beladenen (Not lindern)


"Veronika reicht Jesus das Schweißtuch"
Material: ausgeschnittene Wolken und Sonnenstrahlen, Stifte

Manchmal geht es uns nicht gut und wir brauchen jemanden, der unsere Not lindert. Entweder wir muntern uns selber auf, ein/e Freund/in findet nette Worte, Mama/Papa nehmen uns in den Arm,...

Gemeinsam sammelt ihr nun Situationen, in denen es jemandem schlecht gehen kann und schreibt sie auf jeweils eine Wolke. Für jede Wolke überlegt ihr euch, wie es möglich sein könnte, in dieser Situation zu helfen. Dies notiert ihr auf Sonnenstrahlen, die ihr zu den Wolken dazuklebt.

Element für das Fastentuch: einige der Wolken und Sonnenstrahlen

7. Station: Boden los - Ungerechte Landverteilung am Bsp. Brasilien


"Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz"
Material: Zettel, Stifte

In Brasilien haben viele Kleinbäuer/innen kein Land, das sie bebauen können. Der Regierung und wenigen Reichen gehört sehr viel Land und den armen Bäuer/innen gehört keines. Es ist für sie sehr schwer, Land zu kaufen, damit sie etwas darauf anbauen können.

Die Kinder können bei dieser Station ausprobieren und erfahren, wie das so mit dem Land und dem Besitz ist. Am Anfang überlegen sie sich, wo sie gern ein Stück Land haben möchten. Dabei können sie sich überlegen, wie man dorthin kommt, ob es warm oder kalt ist, ob genug Regen fällt,...

Jedes Kind erhält ein Blatt Papier (= das eigene kleine Stück Land) und kann nun darauf zeichnen bzw. schreiben, was es darauf gerne tun würde. Die Bilder könnt ihr auf dem Tuch befestigen!

Element für das Fastentuch: die entstandenen "Land- Bilder"

8. Station: Der Aufschrei der Frauen


"Jesus spricht zu den weinenden Frauen"
Material: Plakate mit Silhouetten von Frauen, ausgeschnittene Sprechblasen, Stifte

Es gibt immer noch viele Länder auf der Welt, in denen Frauen unterdrückt und als minderwertig betrachtet werden. Ein Sprichwort sagt: 50 % der Weltbevölkerung sind Frauen. Frauen leisten weltweit 90% der Arbeit. Sie verfügen aber nur über 10% des vorhandenen Geldes.

Auf einem Plakat hast du Frauen-Silhouetten aufgemalt und jeweils einige Angaben zur Person (Alter, woher, wie viele Kinder, Arbeit,...) hingeschrieben.
Gemeinsam überlegt ihr nun, was sich diese verschiedenen Frauen wünschen könnten, mit welchen Problemen sie kämpfen,... All das notiert ihr auf Sprechblasen, die ihr zu den jeweiligen Silhouetten dazuklebt.

Element für das Fastentuch: eine Silhouette

9. Station: Kinderarbeit


"Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz"
Material: 2 Plakate (siehe Skizze); auf einem steht schon ein Tagesablauf einer Kinderarbeiterin aus Indien

Der Alltag von Kindern in Österreich und der Alltag von Kindern in Ländern der "Dritten Welt" ist sicher sehr unterschiedlich. Die Kinder überlegen nun, was sie so den ganzen Tag tun. Du schreibst das auf einem Plakat mit. Dann legst du das Plakat mit dem Tagesablauf von Kavita daneben. Gemeinsam sucht ihr nun nach Unterschieden.

Element für das Fastentuch: einige Unterschiede, die ihr herausgefunden habt

10. Station: Clean Clothes


"Jesus wird seiner Kleider beraubt"
Material: Weltkarte oder Globus, Jeans, Kärtchen

Viele Dinge des täglichen Bedarfs, z.B. Jeans oder Schuhe, werden in Länder der "Dritten Welt" produziert. Gemeinsam wollen wir uns nun anschauen, welche Reise eine Jeans, die bei uns verkauft wird, bereits hinter sich hat: Die Jeans hat während dieser langen Reise ein Tagebuch geschrieben, das von ihrer Reise erzählt. Leider ist es aber durcheinander geraten. Die Kinder sollen nun gemeinsam die Zettel ordnen und sich dann auf einem Globus oder einer Weltkarte anschauen, wo die Jeans überall gewesen ist, bis sie zu uns gekommen ist. Reihum ziehen die Kinder ein Kärtchen, lesen es vor und überlegen gemeinsam, an welche Stelle der Reiseroute das Kärtchen hinpasst und wo sich das Land befindet.

Die richtige Reihenfolge:

  1. Ich bestehe aus Baumwolle, die auf riesigen Feldern in Kasachstan wächst. Große Felder können einfacher bearbeitet werden, dadurch wird die Baumwolle billiger.
  2. Allerdings werden zum Schutz der Baumwolle auch in großen Mengen Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt.
  3. Die Baumwolle reist in die Türkei, dort wird daraus Garn gesponnen.
  4. Damit aus dem Garn ein Stoff wird, tritt er eine Reise in ein anderes Land an, mich führte sie nach Taiwan.
  5. Jetzt braucht der Stoff Farbe, diese wird in Polen hergestellt.
  6. In Tunesien wird der Stoff mit der Farbe aus Polen eingefärbt.
  7. In Bulgarien wird der gefärbte Stoff weich und knitterarm gemacht.
  8. Danach führt mich die Reise nach China: Hier erhielt ich mein endgütiges Aussehen. Knöpfe und Nieten aus Italien werden beigefügt.
  9. In Frankreich wurde ich noch mit Bimssteinen aus der Türkei gewaschen. Zum Schluss wurde das Firmenlabel auf die Hose genäht.
  10. Als nächstes bin ich in ein Geschäft gekommen, wo ich mit anderen Jeans auf einem Regal liege. Nach knapp 20.000 km Reiseweg!
  11. Vom Geschäft hierher war es kein weiter Weg mehr, geradezu ein Spaziergang.

Nun könnt ihr gemeinsam überlegen, welche Gründe es für diesen weiten Weg gibt (extrem niedrige Löhne, Nähe zu Rohstoffen, keine Umweltschutzauflagen, Transportkosten sind niedrig,...).

Viele der Arbeiter/innen in der "Dritten Welt" werden extrem schlecht bezahlt, dürfen sich nicht gegen Ungerechtigkeiten wehren. Da für Konsument/innen schwer nachvollziehbar ist, unter welchen Bedingungen Kleidungsstücke produziert wurden, hat es sich die Clean-Clothes-Kampagne zur Aufgabe gemacht, einen internationalen Verhaltenskodex durchzusetzen. (Nähere Informationen gibt es auf der Homepage: http://www.cleanclothes.at)

Element für das Fastentuch: das Bilder einer Jeans

11. Station: Ans Kreuz geschlagen - unschuldig verurteilt


"Jesus wird ans Kreuz genagelt"
Material: Kärtchen und Symbole

Jesus wurde zum Tod verurteilt, weil er den Machthabern gefährlich erschien. Auch heute gibt es viele Menschen, die leiden müssen, weil sie den Mächtigen im Weg sind, unbequem sind oder einfach nur für unwichtig gehalten werden. Wir können versuchen, diese Menschen zu verstehen und sie in ihrer Not nicht alleine zu lassen. Das machen wir auch jedes Jahr bei der Sternsingeraktion!

Zu den Begriffen Bildung, Anerkennung, Zuhause, Rechte, Zukunft, Medizin, Freiheit, Nahrung und Geld gibt es jeweils ein Kärtchen mit einem Symbol darauf. Du liest jeweils eine konkrete Situation vor, in der Menschen durch die Dreikönigsaktion geholfen wird. Gemeinsam versucht ihr, das einem der Symbole zuzuordnen.

Element für das Fastentuch: eines der Symbole

12. Station: Tod und Auferstehung


"Jesus stirbt am Kreuz, wird in das Grab gelegt und steht am 3. Tag wieder auf"
Material: Blumenkiste mit Erde, kleine Zettel, Stifte, Papierblumen bzw. echte Blumen

Vieles in dieser Welt ist anders, als wir uns das wünschen. Es gibt viele Dinge, die wir schlecht finden und wo wir keine schnelle Lösung wissen. Auch wenn viele Situationen ausweglos erscheinen, dürfen wir doch hoffen.

Die Kinder überlegen sich nun Dinge, die sie nicht so haben wollen, wie sie sind. Du hast eine Blumenkiste mit Erde vorbereitet, in die die Kinder die Zettel vergraben können und sie so symbolisch "zu Grabe tragen". Unsere Hoffnungen und Wünsche für eine bessere Zukunft schreiben wir auf (Papier-)Blumen, die wir in die Erde pflanzen, oder auf Zettel, die wir an die Blumen binden. Die beiden Schritte beziehen sich aufeinander, z.B. zu Grabe tragen: Ich streite dauernd mit meiner Freundin; Blume: Wir streiten so, dass wir nachher noch immer Freundinnen sind.

Element für das Fastentuch: eine Blume

Publikation: Fasten- & Osterzeit

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Jahreskreis: Fastenzeit

Schlagwörter: Kreuzweg, Religiöses, Bibel, Welt