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Was Gruppen können

 

Von der Bedeutung konstanter Gruppen für Kinder

In welchen Gruppen bewegst Du Dich? Hast Du auch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass eine Gruppe, die für längere Zeit beisammen ist, Sicherheit und damit ein Stück Freiheit geben kann? Versuche bitte, Dir in Erinnerung zu rufen, was es denn ist, das es Dir möglich macht, Dich in dieser Gruppe wohl zu fühlen. Die Antworten, die Du findest, geben Dir wahrscheinlich schon einige Hinweise darauf, warum es für die Kinder Deiner Jungschargruppe wichtig ist, die Möglichkeit zu haben, zu einer konstanten Gruppe zu gehören.

Merkmale einer konstanten Gruppe

Was nun mit dem Ausdruck „konstante Gruppe“ in diesem Zusammenhang gemeint ist, das wird nun in einigen Stichworten erläutert:

Ein Merkmal einer konstanten Gruppe kann zeitlich beschrieben werden. Die Mitglieder treffen einander als Gruppe über einen längeren Zeitraum hinweg, jedenfalls mehr als ein oder zwei Jahre. Diese Treffen finden in regelmäßigen Abständen statt. Das heißt, dass jedes Mitglied der Gruppe beim Abschied sicher sein kann, die anderen in absehbarer Zeit wieder zu sehen.
Ein weiteres wesentliches Merkmal ist eine gewisse Konstanz der Mitglieder. Natürlich gibt es in jeder Gruppe immer wieder welche, die neu dazu kommen und andere, die sich wieder entfernen. Wenn die Gruppe aber eine konstante ist, dann ist der Wechsel ein fließender und bringt keine plötzlichen massiven Veränderungen der Gruppenstruktur mit sich.

In einer konstanten Gruppe kennt daher jede/r jeden. Man weiß nicht nur die Namen voneinander, sondern man kennt voneinander einiges. Vor- lieben und Eigenheiten, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale werden bewusst in die Gestaltung des gemeinsamen Tuns einbezogen.

Aus den bisher beschriebenen Facetten ist schon zu erkennen, dass so eine Gruppe dem einzelnen Mitglied viel Sicherheit geben kann. Wenn ich die anderen, mit denen ich hier zusammenkomme, einigermaßen kenne und weiß, dass auch sie mich kennen, dann brauche ich mir nicht so oft Gedanken darüber zu machen, ob ich auf sie gut wirke, ob ich so bin, dass ich von den anderen anerkannt werde. Durch die zeitliche Länge, die dieser Gruppe zur Verfügung steht, können wir uns miteinander eben auch Zeit lassen. Wir müssen nicht in kürzester Zeit alles voneinander wissen, alles Erdenkliche miteinander getan haben. Aus der Sicherheit des Wiederzusammenkommens heraus wird ein Stück weit Gelassenheit ermöglicht, die für das Zusammensein von Menschen sehr wichtig werden kann.

Natürlich bedeutet eine derartige Gruppenform ebenso, dass die Mitglieder immer wieder in Konflikt miteinander geraten. Menschen, die viel mit- einander zu tun haben und die einander wichtig sind, werden nicht umhin kommen, auch miteinander zu streiten. Denn wenn Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Interessen auftauchen, dann trennt man sich nicht einfach voneinander, sondern man wird nach Möglichkeiten suchen, über diese momentanen Unterschiede hinweg gemeinsame Lösungen zu finden. Nur Menschen, die nichts miteinander zu tun haben, werden nie in Konflikt miteinander geraten. Das heißt, dass eine konstante Gruppe nach und nach eine konstruktive Streitkultur entwickeln muss.
Und schließlich wird es in einer konstanten Gruppe, wenn sich alle darin wohl fühlen sollen, möglich sein, dass sich (Rang-)Positionen und Funktionen ändern können. Deren Ausgestaltung sollte von jedem Mitglied in irgendeiner, auch noch so minimalen Form beeinflusst werden können. Durch das lange Beisammensein von Gruppen können sich diese Positionen natürlich auch verfestigten und starr werden. Für das einzelne Mitglied zahlt sich ein bewusstes Einwirken da- rauf jedoch in erster Linie dann aus, wenn es damit rechnet, mit der Gruppe noch lange und öfter beisammen zu sein und selbst von der veranlassten Veränderung profitieren zu können.

Welche Bedeutung eine konstante Gruppe für Kinder haben kann, hängt maßgeblich damit zusammen, in welchem Umfeld die Kinder aufwachsen und mit welchen Erfahrungen sie zur Jungschar kommen. Wiewohl jedes Kind individuelle und ganz persönliche Vorerfahrungen hat, die mit jenen anderer Kinder oft nicht vergleichbar sind, so gibt es doch einiges, das für eine Mehrheit der österreichischen Kinder verallgemeinert werden kann. So werden im nächsten Teil dieses Artikels einige Hinweise gegeben, unter welchen Bedingungen Kinder, die in unsere Jungschargruppe kommen, aufwachsen.

Bedeutung von konstanten Gruppe

Kinder erleben, dass sich vieles um sie herum schnell ändert. Sie müssen sich immer wieder auf Neues einstellen. Das ist einerseits Herausforderung, kann aber auch zur großen Belastung werden. Wenn Kinder die Möglichkeit haben, in einer Gruppe konstante Beziehungen zu erleben, dann kann das sehr beruhigend auf sie wirken. Wenn sie zu den Treffen dieser Gruppe kommen, dann können sie damit rechnen, dass ihnen vieles vertraut ist. Sie brauchen sich nicht immer wieder schnell auf Neues einzustellen und können es genießen, dass sich ihr Umfeld nicht dauernd und ohne ihren Einfluss unkontrolliert verändert. Mehr noch, das verlässliche und kontinuierliche Gestalten der Beziehungen mit den anderen Gruppenmitgliedern lässt Kinder eine Dimension von Treue in Beziehungen erleben, die für ihr Leben sehr wichtig sein kann.

Durch die vielen gemeinsamen intensiven Erfahrungen, die Kinder in einer konstanten Gruppe machen, in der die Beziehungen bewusst gestaltet werden, finden sie Möglichkeiten, anderen zu vertrauen und ihrerseits Vertrauen zu schenken. So kann sich eine „intime Wirklichkeit“ außerhalb der Familie entwickeln, in der Menschen nicht nur Spaß und Unterhaltung sondern auch Sorgen und Kummer miteinander teilen können. Je älter die Kinder werden desto weniger besprechen sie wichtige Fragen ihres Lebens mit ihren Eltern, das ist ganz natürlich. Wenn sie dann nicht diese Möglichkeit der geschützten Intimität haben, sind sie oft mit ihren Problemen ganz allein oder sie öffnen sich wahllos anderen Menschen oder der Öffentlichkeit, nur um irgendwo ihre Gedanken und ihre Not loswerden zu können. Ein Suchen nach wirklich hilfreichen Lösungen ist freilich ausschließlich in einer Gruppe einander vertrauter Menschen möglich.

In einer konstanten Gruppe können Kinder die Erfahrung machen, dass das Teilen von Lebensraum mit Gleichaltrigen etwas Förderliches für jeden Einzelnen sein kann. Bei allen Spannungen, die dabei auftreten können, bedeutet dieses Teilen, das in kurzfristigen Beziehungen kaum möglich ist, letztlich meist eine persönliche Befriedigung, weil alle Beteiligten einander „etwas geben“ können, wie es Kinder selbst oft ausdrücken.

So wird schließlich deutlich, dass Kinder in einer konstanten Gruppe viel weniger intensiv dem Stress ausgesetzt sind, sich andauernd voreinander beweisen zu müssen. Durch das gegenseitige Kennen und Wissen um die Stärken und Schwächen der anderen ist ein gelassenes Miteinander leichter möglich. „Hier kann ich sein, wie ich bin“ sagen immer wieder Mitglieder von konstanten Gruppen, weil sie sich darauf verlassen können, dass sie auch einmal einen Fehler machen können, ohne um die Gunst der anderen zittern zu müssen.

Schlussendlich wäre noch zu sagen, dass in Gruppen, die auf eine kontinuierliche Gestaltung der Beziehungen und des gemeinsamen Lebensraumes Wert legen, für Kinder langfristige Entwicklungen erlebt und mitgestaltet werden können. Dies ist ja die Voraussetzung dafür, dass sie Lust darauf bekommen, aktiv an der Gestaltung ihres Lebens und unserer Welt mitzuwirken.

Sandra Fiedler mit Ideen von Regina Polak

[aus dem kumquat "AlT" 4/2010]

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