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Außenseiter/innen

Es gibt keine Patentrezepte im Umgang mit Außenseiter/innen. Die folgenden Gedanken können dir vielleicht dabei helfen, die Situation in deiner Gruppe zu verstehen und dadurch Lösungsmöglichkeiten eröffnen.

Hast du das Gefühl, dass ein Kind deiner Gruppe nicht wirklich in das Gruppengeschehen involviert ist oder von anderen ausgeschlossen wird? - Es kann sein, dass du jetzt an Kinder denkst, die dadurch auffallen, dass sie andere hauen, schimpfen, überall die Ersten sein wollen, ... - bei diesen Kindern wird dir wahrscheinlich eher bewusst sein, dass sie vielleicht eine Position am Rande der Gruppe einnehmen. Zu Außenseiter/innen können aber auch die gehören, die eher ruhig sind, sich nicht gleich lautstark rühren, wenn ihnen etwas Ungerechtes passiert, ... - sie schreien nicht laut nach deiner Aufmerksamkeit, brauchen aber oft umso mehr davon.

Versuch herauszufinden, was denn wirklich das Problem ist.
Hat das Kind seine besondere Stellung (im negativen Sinn) in der Gruppe,

  • weil es ständig angeberisch mit (scheinbar) besonderen Fähigkeiten auftrumpft,
  • weil es einer Minderheit angehört (es spricht nicht so gut deutsch, es ist dick, es ist schlecht in der Schule, es hat einen Sprachfehler, ...),
  • weil es oft Konflikte heraufbeschwört, indem es andere Kinder haut, beißt, zwickt, ... ,
  • weil es anscheinend nie das machen will, was die anderen Kinder gerade tun wollen, usw.

Sinnvoll ist es, gemeinsam mit deinem/r Co-Gruppenleiter/in oder einer andern Person (die vielleicht das Kind gut kennt) ein Stück weit die Ursachen des Problems herauszufinden. - Dabei könnt ihr leicht gesagte Floskeln, wie "er stört IMMER" hinterfragen. - Ist das wirklich so? In welchen Situationen fällt euch das störende Verhalten wirklich auf? Welche Rollen spielen dabei die anderen Kinder? Gibt es Momente, in denen das Kind positiv auffällt? - Wie könnt ihr die verstärken?

Wann ist das Verhalten des Kindes für dich unangenehm, wann stört es dich? - Empfindest du ein Verhalten bei einem Kind störend, beim anderen nicht? Gruppenleiter/innen sind auch nur Menschen und finden deshalb den einen Menschen, das eine Kind mehr oder weniger sympathisch als den/das Andere. Manchmal hilft es schon ein wenig, sich das einzugestehen - dann kannst du nämlich aufmerksam sein und darauf achten, alle Kinder deiner Gruppe nicht gleich, aber fair zu behandeln. Es ist nicht nur eine hohle Phrase, sondern es steckt tatsächlich in jedem Kind etwas Gutes, etwas Schönes, auch bei dem Kind, das anscheinend niemand mag. Überleg dir, was du an dem Kind magst und versuche deinen Blick vermehrt darauf zu richten.

Als Gruppenleiter/in ist es deine Aufgabe, dich auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Dabei musst du aufpassen, WIE du das machst - denn es besteht die Gefahr, dass die anderen Kinder gleich noch einen Angriffspunkt finden: "Du hilfst immer nur zu der...".

Manchmal wird's auch notwendig sein, deutlich Grenzen zu setzen - sei's bei jenen Kindern, die ein anderes Kind ständig hänseln und ausspotten (z.B. wegen seiner abstehenden Ohren) oder bei dem Kind, das dazu neigt, andere Kinder zu hauen oder anzuspucken. Ihr könnt solche Situationen, die häufig vorkommen, auch in der Gruppenleiter/innen-Runde mittels Rollenspiel "durchdenken" - mit anderen Menschen lassen sich nicht nur neue Perspektiven finden, sondern es ist von Vorteil, wenn du dir schon vorher überlegst und es sogar schon einmal ausprobiert hast, wie du in dieser oder jener schwierigen Situation reagieren möchtest.

Als Gruppenleiter/in kannst du durch die Gestaltung der Gruppenstunden einen fairen, gleichberechtigten Umgang miteinander fördern:
Wie schaut's mit der Gestaltung eurer Gruppenstunden aus?
Spielt ihr jede Gruppenstunde Völkerball? - Das Kind, das nicht gut werfen oder fangen kann, wird dann wahrscheinlich sehr oft spüren, dass sein Mitspielen nicht erwünscht ist. Abwechslung im Programm ist also gefragt, damit die Position des Kindes in der Gruppe, nämlich die des Omegas, nicht immer die gleiche ist und es die Möglichkeit hat, auch das zu machen, was es gut kann und gern tut. Auch die Art der Spiele, die ihr in eurer Gruppe spielt, beeinflusst wesentlich das Gruppenklima und die Art und Weise, wie die Kinder miteinander umgehen.

Jutta Niedermayer

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