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Rituale?!

Menschen haben und machen in ihrem (Alltags-)Leben eine Vielzahl an Ritualen - das trifft natürlich auch auf die Jungschar zu! In diesem Artikel erfährst du, was Rituale alles sein können und wie Rituale im Leben und ganz speziell in der Jungschar aussehen können...

Rituale können sehr vielfältig aussehen: wiederkehrende Dinge, durch die wir sehr bewusst unseren Alltagsablauf unterbrechen (z.B. ein Gebet vor dem Essen oder ein kurzes Gespräch vor dem Schlafengehen...) oder einzelne Elemente, die bei besonderen Ereignissen immer vorkommen (z.B. eine Geburtstagstorte oder ein Adventkalender...); oder Handlungen, die einmal als besonderes Zeichen gesetzt werden (z.B. die Aufnahme der neue Jungscharkinder bzw. Minis...).

Was ein Ritual ist und was "nur" eine Gewohnhheit, hat wohl ein Stück weit damit zu tun, ob einem eine Sache wichtig ist und ob diese Sache nicht nur getan wird, weil sie praktisch ist. Eine Dusche am Morgen kann ein Ritual sein, den Tag zu beginnen, oder eine Gewohnheit, die in der Früh erledigt wird, das "Verteilen" der verlorengegangenen Socken am Lager kann ein witziges Ritual sein, das Lagerquartier zu "verlassen", oder etwas, das "halt einfach gemacht gehört".

Manche Rituale sind vielleicht ganz individuell und passen nur für manche Personen, z.B. sich vor schwierigen Prüfungen etwas Gutes zu tun, andere sind Teil von gemeinsamen Übereinkünften einer Gesellschaft, z.B. dass Kinder getauft oder auf eine andere Art willkommen geheißen werden.

Wozu sind Rituale in der Jungschar gut?

Rituale können dir und deinen Kindern ein Gefühl der Sicherheit geben, sie können Punkte sein, auf die du und die Kinder sich im Gruppenalltag verlassen können und die klarer machen, was jetzt passieren wird oder was geschehen ist. Und Rituale verweisen auf eine Ebene, die über das, was wir sehen können, hinausreicht - also eine religiöse oder spirituelle Dimension.

Diese genannten Dinge können besonders dann wichtig sein, wenn Sachen neu beginnen (z.B. Beginn der Gruppenstunde, Beginn des neuen JS-Jahres, Beginn des Lagers), wenn Veränderungen kommen (z.B. wir sind nicht mehr JS, sondern eine Jugendgruppe), oder wenn Dinge zu Ende gehen (z.B. Ende des Lagers, Ende der JS- oder Mini-Stunde, wenn sich die JS- oder Mini-Gruppe auflöst, wenn Kinder wegziehen...). Rituale können euch aber auch zwischendurch begleiten, wenn es für euch passend ist.

Am Beginn & Ende...

Wie kann ein Ritual am Beginn oder am Ende einer Gruppenstunde aussehen? Sicher hast du schon viele Möglichkeiten selbst erlebt oder selbst ausprobiert. Ein Ritual könnte es sein, wenn du dich als Gruppenleiter/in bewusst dafür entscheidest, dass ihr euch immer auf der Mauer am Pfarrplatz trefft, um dort bis zum Beginn der Gruppenstunde gemeinsam zu plaudern und einander zu erzählen, was in der letzten Woche so los war. Der Beginn der Gruppenstunde kann aber auch ein gemeinsames Begrüßungsritual, ein Lied oder ein Kreis mit allen Kindern sein, in dem z.B. jede/r jeder/m die Hand schüttelt - als Zeichen dafür, dass jede/r jede/n wahrgenommen hat und ihr gemeinsam die Gruppenstunde beginnt.
Ein solches Ritual kann den Kindern das Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Gruppe geben und die ersten Minuten der Unsicherheit überwinden helfen.

Ähnlich sieht es ganz am Beginn des "Lebens" einer Gruppe aus - Möglichkeiten für Rituale ganz zu Beginn: das Finden eines Gruppennamens, das Basteln eines Gruppenstofftieres, das jede Woche bei jemand anderem übernachten kann, oder ein Gruppenlied, das ihr euch gemeinsam aussucht...

Lager

Gerade auf Lagern befinden sich Kinder in einer sehr ungewohnten Situation - es sind möglicherweise viele unbekannte Leute um sie herum, sie sind ohne Eltern unterwegs, evtl. auch an einem ihnen unbekannten Ort.
Eine Möglichkeit eines Rituals für den Beginn des Lagers ist eine herzliche Begrüßung durch den/die Lagerleiter/in, in der er/sie z.B. vom Programm des ersten Nachmittags erzählt und den Kindern zeigt, dass ihr euch als Gruppenleiter/innen freut, mit den Kindern jetzt eine Woche hier zu verbringen. Ein gemeinsames Begrüßungsritual am Lager kann so aussehen, dass alle Kinder möglichst alle Anwesenden begrüßen und einander ihre Namen sagen und evtl. auch, worauf sie sich in der Woche schon freuen und das wievielte Mal sie mit auf Lager sind.

Ein solcher gemeinsamer Beginn gibt den Kindern die Möglichkeit, einander ein bisschen kennen zu lernen, die Sicherheit zu bekommen, was sie an diesem Tag noch erwartet und hoffentlich auch leichter das Gefühl zu bekommen, hier gut aufgehoben zu sein.

Ein gemeinsamer Abschied in der Gruppe kann z.B. sein, dass am Schluss der Stunde immer noch Zeit für ein Spiel bleibt oder ihr ein Ding oder Symbol aus der gerade vergangenen Stunde in eine Gruppenschachtel legt oder das Bemühen von dir als Gruppenleiter/in, dich von jedem Kind bewusst zu verabschieden. Am Lager könnten alle Kinder als gemeinsames Abschiedsritual einen Gegenstand, der mit dem Lager zu tun hat, in die Mitte des Kreises tragen und ihr Gruppenleiter/innen erzählt dazu, was alles am Lager los war & dankt gemeinsam für das Lager. Etwas in der Art kann den Kindern und euch helfen, eine spannende oder vielleicht auch aufreibende Gruppenstunde bzw. eine gemeinsame intensive Woche am Lager abzuschließen und sich voneinander - bis zur nächsten Woche/ zum nächsten Jahr - zu trennen.

Übrigens: Ideen für den Zeitpunkt, an dem eine Gruppe ganz zu Ende geht, findest du im Sammelband "Bravo & Co", in einem Artikel & Modell mit dem Namen "Time to say good-bye"!

Wenn sich etwas verändert...

Gerade, was Veränderungen oder Übergänge von einer Phase in eine andere angeht, scheint es, dass wir in unserer Gesellschaft wenig Rituale angeboten bekommen oder z.T. Rituale, deren Sinn für viele nicht mehr passt: Wir kommen z.B. in eine neue Schule oder beginnen ein Studium - eine große Veränderung in unserem Leben - aber selten werden wir bei solchen Schritten begleitet oder werden solche Schritte gebührend bedacht. Dabei können Rituale gerade bei solchen Veränderungen in unserem Leben helfen, sichtbar zu machen, was neu (eine Herausforderung, Angst machend,...) ist, und durch das Ansprechen oder Aufzeigen vielleicht ein Stück erleichtern.

Und in der Jungschar? Vielleicht kennst du das aus deiner eigenen Erfahrung, wenn Kinder ab 11 oder 12 Jahren beginnen, alles uncool zu finden & über alles motzen, was du mit ihnen machen möchtest... Sie sind eben keine Kinder mehr, sondern "Kids" am Beginn der Pubertät, in der sich für sie tausenderlei verändert und in der es für sie wichtig ist, sich von dem abzugrenzen, was früher war. Diesem Gefühl kannst du entgegenkommen, indem ihr euch z.B. in einem Ritual von dem, was die Kinder früher toll gefunden haben & sehr gerne gemacht haben, verabschiedet, ev. einen neuen Raum bezieht und euch Dinge überlegt, die die Kids jetzt spannend finden & ab jetzt gerne machen würden.

Eine ganz wichtige Sache soll hier natürlich nicht unerwähnt bleiben: der Geburtstag! Geburtstag ist ganz speziell für Kinder ein ganz besonderer Tag im Jahr, und für sie ist es umso wichtiger, auch gefeiert zu werden: mit einem kleinen Geschenk, dadurch, dass sich das Geburtstagskind ein Spiel aussuchen kann, mit einem Lied, oder...

Rituale sind immer gleich und verändern sich...

Rituale leben einerseits davon, dass sie immer gleich oder ähnlich sind, sich regelmäßig wiederholen und du und deine Kinder sich darauf verlassen & einlassen können. Andererseits ist es noch wichtiger, dass die Rituale für euch auch passend sind - und sich daher kontinuierlich verändern und so wie auch ihr selbst weiterentwickeln. Überleg dir (oder überlegt euch) daher von Zeit zu Zeit aufs Neue, was dir/euch an diesem Ritual wichtig ist und ob du/ihr euch mit dem Ritual noch wohlfühlt.

Irgendwann finden z.B. deine Kinder Gute-Nacht-Geschichten am Lager vielleicht kindisch, die Grundidee, den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen, kann aber weiter sinnvoll und richtig für euch sein. Dann geht es darum, eine neue Form zu finden, die den Bedürfnissen von dir und den Kindern entspricht, z.B. einfach statt der Geschichte als Gruppenleiter/in am Abend noch gemeinsam mit den Kids im Zimmer zu plaudern.

Religiöse Rituale in der Jungschar

Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen von Geburt an religiös sind, also Fragen stellen, sich für das Wie, Wo und Warum des Lebens interessieren, dann sind in einer gewissen Weise alle Rituale religiös oder haben eine religiöses Komponente. Über die praktische Ebene hinaus verweisen sie auf eine andere Dimension, von der Gott auch ein Teil ist.

Gerade auch, wenn es um explizit religiöse Rituale geht (ein Gebet, ein Morgenlob am Lager, ein Wortgottesdienst,...), könnt ihr den Freiraum, den Jungschar ein Stück weit bietet, nützen. Wenn es eingefahrene Rituale gibt, die nicht mehr für euch passen, traut euch sie zu verändern und schafft selber Traditionen, die euch gut tun (vielleicht: ganz bewusst euren persönlichen Alltag in den Gottesdienst einbringen, Gegenstände aus eurem Zusammenleben in die Mitte tragen, beim Morgenlob Bibelstellen nachspielen oder einmal aus der Kinderbibel vorlesen...).

Platz! Für Freiraum und Nein-Sagen

Last but not least: Es ist ganz wichtig, dass Rituale Raum für ALLE offen lassen. Das heißt nicht nur, Raum zu geben, Rituale zu verändern, sondern auch nicht aus dem Häuschen zu geraten, wenn es in einer Gruppenstunde absolut daneben geht (weil die Kinder überdreht sind, alles witzig finden und verblödeln oder schlicht und einfach nicht wollen). Rituale sollen nie zu einem Zwang werden - weder für dich, noch für deine Kinder - Nein-Sagen muss auch hier erlaubt sein.

Zum Schluss laden wir dich noch auf ein kleines Experiment ein. Weißt du, welche Rituale es in deinem (Alltags-)Leben gibt? Vielleicht hast du ja Lust, dich einen Tag lang vom Aufstehen bis zum Schlafengehen quasi selbst zu "begleiten" und der spannenden Frage nachzugehen, welche - bewussten oder vielleicht auch nicht bewussten - Rituale es an deinem Tag gibt. Tun dir Dinge gut? Dann kann es vielleicht spannend sein, diese Dinge bewusster als Teile deines Tages zu erleben. Gibt es Dinge, die sich eingeschlichen haben, ohne dass du dich für sie entschieden hast? Dann kannst du überlegen, ob sie gut zu dir passen oder aber, wenn das nicht der Fall ist, versuchen, sie bewusst zu ändern.
Dabei gutes Gelingen!

Andrea Jakoubi und Kathi Wexberg

 

 

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