• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Wir werden‘s schon richten

Regeln in der Gruppenstunde

„Du darfst das nicht!“, „Du kannst das noch nicht!“, „Dafür bist du noch zu klein!“, „So was macht man nicht!“, „Was fällt dir ein?“... Solche und tausend andere ähnliche Phrasen hören Kinder oft in ihrem Alltag. Ihr Umfeld ist von Grenzen, Tabus, Verboten und Geboten gepflastert. Oft verstehen Kinder diese Regeln des Alltags nicht, gerade auch deshalb, da man im Alltagsstress oft nicht die Zeit für Erklärungen findet. Aber wenn man etwas nicht nachvollziehen kann, warum sollte man es dann befolgen. Genau wie bei Erwachsenen hilft Verständnis, sich an Regeln, die man miteinander ausmacht, auch zu halten. 

Man selbst als GruppenleiterIn hat der Anforderung gerecht zu werden, einen Rahmen für die Kinder zu schaffen, in dem sie sich wohl fühlen. Nur wenn man sich Regeln ausmacht, wird ein Miteinader auch möglich. Es kann nicht jede/r all seine/ihre Bedürfnisse ausleben, ohne auf die anderen zu achten. Regeln sind da, um ein Miteinander einfacher zu machen, sie sind da, damit man Grenzen erkennen und sich an ihnen orientieren kann. 

Verständnis schaffen
Das ist vielleicht eines der Grundprinzipien, die man beachten sollte, wenn man in einer Gruppe Regeln aufstellt. Es ist vielleicht für manche Kinder nicht nachvollziehbar, warum sie nicht alleine in der Stadt herumlaufen dürfen, denn das ist einfach witziger als wenn man eine Aufsichtsperson dabei hat, die ständig „überwacht“, was man denn so treibt. Aber sobald man einem Kind die Gefahren klar macht, kann man sich erhoffen, dass man auf Verständnis stößt. Allerdings ist dabei natürlich zu beachten, dass auch wenn man auf Gefahren aufmerksam macht, dem Kind natürlich keine Angst machen darf, sodass es sich nicht mehr alleine auf die Straße trauen würde. 

Außerdem ist es wichtig zu beachten, dass Regeln die von dir an die Kinder herangetragen werden, funktionieren können, sie tun es aber öfters nicht. Die Kinder können oft nicht verstehen, warum diese Regeln wichtig sind. Daher ist es wichtig, dass man gemeinsam Regeln aufstellt, die für alle klar und verständlich sind. Denn nur Regeln die ich verstehe, werde ich mir auch merken und mich danach richten.

Nicht nur Kinder verändern und entwickeln sich, auch die Regeln müssen das tun
Kinder entwickeln sich enorm schnell weiter und verändern sich und somit müssen sich auch die Regeln in der Gruppe verändern. Nach einiger Zeit, werden die am Anfang der Jungscharzeit aufgestellten Regeln nicht mehr passen, und es wird Zeit werden, sich Neue zu machen. Ältere Kinder haben zwar mehr Pflichten, aber dafür auch mehr Rechte. Zum Beispiel länger am Lager aufbleiben, dafür müssen sie aber vielleicht mehr im Alltag helfen, da sie einfach schon größer sind und schon viel besser mithelfen können als Kleine. Trotzdem muss ich immer darauf achten, dass die Kinder niemals überfordert sind – weder mit ihren Pflichten, noch mit ihren Freiheiten, denn auch die können schwer bewältigbar sein, wenn es zu viele sind. Die Kinder bleiben immer noch Kinder, auch wenn sie selbst schon gern erwachsen werden. Trotzdem brauchen sie Grenzen, denn sie helfen, sich zu orientieren.

Weniger ist mehr
Zu viele Regeln können Verwirrungen und Frustration schaffen. Für Kinder müssen Regeln klar und einfach formuliert sein, dann können sie diese auch einhalten. Natürlich soll es auch nicht ständig irgendwelche Ausnahmen geben, die Regeln müssen so funktionieren, dass sie für alle gelten können und auch immer gültig sind. Versuche, Regeln so zu formulieren, dass sie universal und nicht speziell sind – z.B. statt „Nicht im Pfarrhof Fußball spielen“ „Nirgends Ball spielen, wo etwas kaputt gehen kann“. Wenn es zu viele Regeln sind, werden sich die Kinder diese auch nicht merken, lieber wenige und einfach formulierte verwenden, als einen ganzen schwer greifbaren Regelkatalog. 

Wie schon vorhin erwähnt, müssen sich manche Regeln ändern, aber Grundregeln wie „Wir wollen einander nicht weh tun!“ sind universell und können für alle Kindergruppen, oder Gruppen allgemein gelten. Diese Regel ist altersunabhängig, kleine Kinder raufen gern miteinander, und Ältere machen gerne Witze über andere in der Gruppe. So ist das eine Regel, die euch die ganze Jungscharzeit über gut begleiten kann.

Nur wer mitbestimmen darf, macht auch mit
Nicht nur du wirst Wünsche haben, wie es in der Gruppenstunde laufen soll, sondern auch die Kinder haben Ideen, welche Regeln für sie wichtig sind. Gerade im Miteinander in der Gruppe haben sie wahrscheinlich mehr Übersicht als du selbst als Leiter/in, da du in dieser Position eher eine „objektive“ Rolle hat. Die Kinder jedoch erleben ganz genau, was ihnen passt und was nicht. Daher ist es auch sehr wichtig, auf die Regelwünsche der Kinder einzugehen. Zum Beispiel kann es sein, dass sich ein eher ruhigeres Kind wünscht, dass man ganz genau ausmacht, wann wer reden darf. Dass dieser Wunsch natürlich nicht einfach zu erfüllen ist, ist klar, aber hier geht es dann darum, einen Kompromiss zu finden, damit alle zu Wort kommen können. So ist Mitbestimmung ein wichtiger Punkt, um die Kinder dazu zu bringen, die Regeln auch einzuhalten, aber in diese Entscheidung müssen alle Gruppenmitglieder eingebunden sein. 

Trotzdem muss man aber als Gruppenleiter/in immer den Überblick haben, ob die Regeln noch für alle in Ordnung sind, oder ob etwas geändert gehört. Aber wie das geschehen soll, sollte man in der Gruppe diskutieren, jede/r soll die Chance haben, dass seine/ihre Meinung ernst genommen wird und in den Entscheidungsprozess mit einfließt. 

Und was wenn keiner mitmacht?
Zuallererst ist festzuhalten, dass egal welche Regeln man miteinander aufstellt, es immer einige Zeit brauchen wird, bis sich alle daran halten, und es wird auch sicher Regeln geben, die einfach nicht zu funktionieren scheinen. Das heißt aber nicht, dass man jetzt den Kopf hängen lassen muss. Man muss sich nur andere Wege und Lösungen suchen. Diese sind sicher nicht universal formulierbar, sie müssen immer auf die Kindergruppe und auf die Situation individuell angepasst werden. Wenn dir deine Kinder z.B. nie zuhören, musst du dir überlegen, ob es vielleicht am Programm liegt oder ob sie einfach überdreht von der Schule sind. Wenn das so ist, dann lass sie doch einfach mal die ersten zehn Minuten Ball spielen. Auch ihr habt sicher noch viele Ideen, die man noch ausprobieren kann. Und immer daran denken: Zu fast jedem Problem gibt es auch eine Lösung. 

Damit das Aufstellen von Regeln für dich und deine Gruppe einfach wird, gibt’s auch eine fertige Gruppenstunde namens „gruppen-leben-zusammen-regeln“ dazu in der Gruppenstundendatenbank. Viel Spaß und Erfolg dabei!

Kathi Bereis

[aus dem kumquat "tabu" 2009]

Share |