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Mitbestimmung am Lager und in der Gruppenstunde

Kinder werden oft mit Programmen und Abläufen konfrontiert, die sich Erwachsene in ihrem Alltag ausdenken. Was diese sich dabei des öfteren nicht überlegen, ist, ob ihre Ideen auch gut für die Kinder sind. Gerade in der Jungschar hast du die Möglichkeit, deine Kinder stärker einzubeziehen. Das fängt schon in den Vorbereitungs- und Planungsphasen an und findet in der Übertragung von Verantwortungen am Lager oder in der Gruppenstunde einen Höhepunkt.

DAS LAGER

Ein Lager, wo durch das gemeinsame Leben und Miteinander nicht nur über Rechte geplaudert werden kann, bietet eine große Chance aufzuzeigen, wie Kinderrechte ge- und erlebt werden können. Hier wird natürlich eine erhöhte Anforderung an dich als Gruppenleiter/in gestellt. Kinder lernen nicht nur während der Beschäftigung mit einem spezifischen Thema, sondern auch durch den Umgang miteinander, die Bewältigung des Tagesablaufs, die Gestaltung der Zeit zwischen den Programmpunkten sowie den gesamten Rahmen.

LAGERVORBEREITUNG

Schon in der Vorbereitungs- und Planungsphase ist es möglich, die Kinder mitentscheiden zu lassen. Die Wünsche der Kinder zu respektieren und sie in der Programmplanung zu berücksichtigen, führt nicht nur zu einer Harmonisierung des Lagerlebens, sondern ist ein deutliches Signal, Kinder als eigenständige Personen mit ihren Rechten ernst zu nehmen. Bereits bei der Festlegung von Speiseplänen, Weck- und Schlafenszeiten, Programmpunkten, Regeln usw. können Kinder mitpartizipieren.

TIPP: du kannst einen Raster mit dem Programm des Vorjahres gestalten und die Kinder mit Klebepunkten bewerten lassen, was ihnen letztes Jahr gefallen hat oder nicht. Wenn ein Spiel besonders gut angekommen ist, kann es ja dieses Jahr mit einer anderen Spielgeschichte wieder veranstaltet werden.
Ein Ausflug lässt sich z. B. viel interessanter gestalten, wenn man den Kindern mögliche Routen auf der Wanderkarte zeigt, ihnen Prospekte von Ausflugszielen präsentiert und sie am Entscheidungsprozess teilhaben lässt. Auch die Bestimmung des Speiseplans muss nicht ausschließlich vom Kochteam vorgegeben werden. Nimm verschiedene Rezepte und dazugehörige Bilder von Speisen in die Gruppenstunde mit. Die Kinder sollen zuerst die Bilder und Rezepte richtig zuordnen, anschließend könnt ihr eine Collage machen, was ihr am Jungscharlager gerne essen würdet.

AM LAGER

Sich Regeln des Zusammenlebens mit den Kindern gemeinsam zu überlegen ist meist viel sinnvoller, da ihnen hier klar wird, dass das Beharren auf einem Recht oft das Verletzen des Rechts einer/s anderen bedeutet. In der Mittagspause im Schlafsaal laut das Jungscharlied zu trällern hält mit großer Wahrscheinlichkeit jene Kinder wach, die Mittagsruhe halten wollen. Du kannst den Kindern auch viel besser erklären, welche Verantwortung du trägst und warum du es nicht für sinnvoll erachtest, dass sie z.B. alleine in den Wald gehen.
An dieser Stelle ist es auch sinnvoll, sich gemeinsam ein Vorgehen bei Regelverstößen auszumachen. Sanktionen, die von den Kindern vorgeschlagen werden, werden eher eingehalten, als von dem/der Gruppenleiter/in vorgegebene. Deine Aufgabe dabei ist es, den Entscheidungsprozess zu moderieren und darauf zu achten, dass die vorgeschlagenen Sanktionen dem, was geschehen ist, angepasst und nicht überzogen sind.

Kinder mitbestimmen zu lassen heißt nicht, dass du Verantwortung abgibst - DU bist und bleibst letztverantwortlich für die Kinder. Es liegt an dir und deinem Team wie der Rahmen ausschaut, innerhalb welchem die Kinder eine Mitbestimmungsmöglichkeit haben.

TIPP: Konkret könnte jede/r Gruppenleiter/in mit seinen/ihren Kindern in einer Kleingruppe mögliche Lagerregeln besprechen. Frag' deine Kinder, was ihnen im Umgang miteinander wichtig ist, wann sie aufstehen und frühstücken möchten, um fit für das Tagesprogramm zu sein, usw. Alle Meinungen schreibt ihr auf ein Plakat und bestimmt eine/n Gruppenvertreter/in. Die Vertreter/innen jeder Gruppe erstellen auf Grund dieser Plakate die "Lagerregeln" gemeinsam mit der Lagerleitung, die - zusätzlich zur Moderator/innenrolle - auch bestimmte Dinge anspricht, auf die Kinder von alleine nicht kommen (z.B. "Gemeinschaftsdienste").

MEINUNGSÄUßERUNG

Sofern dies nicht eh schon bei euch passiert, könntet ihr euch genauer überlegen, wie die Kommunikation am Lager geschieht und wo und wie die Kinder "mitreden" können.

TIPP: Gibt es eine Feedback-Wand, wo man jederzeit drauf schreiben kann, was einem gefallen hat oder nicht - z.B. ein Jö-Pfui-Plakat (auf dem allerdings keine Namen stehen dürfen)? Eine Möglichkeit für Meinungsäußerung und Mitbestimmung am Lager bietet das Lagerparlament (Dorfrat, Palaber, Werwowaswiewarium,...), wo die Kinder Raum und Zeit haben, kund zu tun, wie ihnen das abgelaufene Programm gefallen hat und wie begeistert sie von den Vorschlägen für die nächsten Tage sind. Hier sollten die Kinder auch die Möglichkeit haben, Wünsche und Beschwerden einzubringen. Empfehlenswert ist dabei, das Lagerparlament an einem fixen Ort und zu einer fixen Zeit abzuhalten. Schüchterne Kinder werden vielleicht ihre Sorgen nicht gerade in diesem Plenum verkünden, achte daher, dass es für diese Kinder auch andere Möglichkeiten gibt (internes Briefsystem, Sprechstunden,...).

DIE GRUPPENSTUNDE

GRUPPENSTUNDENVORBEREITUNG

Auch die Vorbereitung einer Gruppenstunde muss nicht ausschließlich von euch gemacht werden. Die Mitwirkung der Kinder soll nicht nach der alljährlichen "Was wollt ihr dieses Jahr machen"-Frage beendet sein. (Eine Vorbereitungsstunde unter dem Motto "Ein Jahr Pizza" gibt es im JS-Büro!) Je stärker sich Kinder einbringen können und mitgestalten dürfen, desto stärker werden sie das Gruppenstundenprogramm auch zu "ihrem" machen! Dies fängt schon an, wenn du deinen Kindern die Wahl lässt, ob sie lieber Eis laufen oder ins Kino gehen möchten und wird intensiver, wenn du sie in die Gruppenstundenvorbereitung mit einbeziehst. Z. B.: Wenn du zu Weihnachten oder Ostern mit deinen Kindern basteln möchtest, nimm viele Bastelbücher mit und lass die Kinder selbst entscheiden, was sie gerne machen möchten. Kinder berichten häufig von ihren Tagesabläufen, was sie in der Schule bewegt hat, was sie wieder einmal geärgert hat... - daraus könnten Themen für Gruppenstunden entstehen. Eine Möglichkeit für eine Gruppenstundenplanung ist auch, sich immer zu Monatsanfang eine Viertel- oder halbe Stunde Zeit zu nehmen, um gemeinsam zu überlegen, was ihr in den nächsten Wochen machen wollt. Ältere Kinder könnten auch mal eine Gruppenstunde mit Hilfe der/s Gruppenleiter/in vorbereiten und durchführen, zu der noch andere Gruppenleiter/innen eingeladen werden.

IN DER GRUPPENSTUNDE

Wenn Kinder in der Gruppenstunde bestimmte Tätigkeiten selbst übernehmen dürfen,du also bereit bist, ihnen einige Verantwortungen zu übertragen, stärkt das erstens ihr Selbstbewusstsein und lässt sie mit Begeisterung bei der Sache sein. Das können vielleicht ganz banal erscheinende Kleinigkeiten sein, wie die Zubereitung von Saft, das Besorgen von Material, das Aufhängen eines Plakates... viele jener Dinge also, bei denen man sich denkt, "das mach ich schnell alleine, denn bei den Kindern dauert das immer so lange!"
Außerdem: Wer bestimmt, was gespielt wird, und wird immer das gleiche gespielt? Spiele, die deinen Kindern nicht gefallen, solltest du nicht spielen oder mit ihnen verändern!

Wenn du mal kurz überlegst, wo es noch Möglichkeiten gibt, bei denen speziell deine Jungscharkinder mehr mitbestimmen können, werden dir sicher noch einige andere Ideen einfallen!

Bernhard Binder


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