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Die Jungscharleiter/innen als Menschenfischer/innen

Die Kinder für die eigenen Angebote und Gruppenstunden zu begeistern ist nicht immer leicht. Auf den nächsten Seiten findest du Anregungen, wie dieser Übergang konkret für die Kinder, die gerade bei der Erstkommunion waren, gestaltet werden kann und auf welche Dinge besonders geachtet werden sollte sowie eine Idee für eine Spieleaktion.

„Die Gruppenstunden sind wichtig! Zum einen, weil die Kinder in den Gruppenstunden Platz geboten wird und sie Gemeinschaft aktiv erleben können und zum anderen locken sie auch die Eltern immer wieder in die Pfarre!“ Pfarrer Clemens Abrahamovicz liegen Jungschar und Minis seiner Pfarre hörbar am Herzen. Und auch für die Gruppenleiter/innen ist es wichtig, dass in den angebotenen Gruppenstunden die Kinder in der Mitte stehen.

Doch es stellt sich leider viel zu oft die Frage: Wie bekommen wir die Kinder überhaupt dazu, unsere Gruppenstunden zu nützen und ausprobieren zu wollen?

Obwohl die Zahl derjenigen sinkt, die sich regelmäßig auf Kirche einlassen wollen, gibt es gewisse Fixpunkte, bei denen viele Katholik/innen sich – zumindest für kurze Zeit – wieder mit Kirche auseinandersetzen. Sind diese Fixpunkte (Sakramente) vorbei, geht der Run um die Teilnehmer/innen los – der Versuch, ihnen die Pfarre schmackhaft zu machen.

„Wir Gruppenleiter/innen gestalten schon am Anfang der Kommunionvorbereitung eine Stunde“, erzählt Sandra aus Oberbaumgarten „dort machen wir dann sowohl Spiele als auch Inhaltliches. Und am Ende der Kommunionvorbereitung kommen wir dann noch einmal in eine Stunde, die wir auch mitgestalten, um ihnen dann sagen zu können: Ihr kennt uns ja schon, wir waren am Anfang schon einmal bei euch. Und wenn  euch das gefällt, was wir mit euch gemacht haben – dann kommt doch in die Gruppenstunden!“
Sich bei den Kindern vorzustellen ist eine wichtige Sache, schließlich sind sie es, die sich für die Gruppenstunden interessieren müssen, um überhaupt kommen zu wollen. Dieser Prozess läuft in Pfarren oft ganz unterschiedlich ab – von einem Spielefest nach der sonntäglichen Messe bis hin zu der eben schon gehörten Beteiligung an einer Kommunionsstunde gibt es viele Möglichkeiten.
Frau G., Mutter eines Jungscharkindes meint auf die Frage, warum Kinder sich letztendlich dazu entscheiden, die Gruppenstunden zu besuchen: „Ich glaube es sind vor allem die anderen Kinder, die dazu bewegen, in die Jungschar zu gehen. Außerdem glaube ich, dass die Dinge, die dort in der Gemeinschaft erlebt werden, sehr wichtig für ihre Entwicklung sind. Und vor allem natürlich auch die lieben Leiter/innen!“ Sie lacht. „Ich weiß einfach durch ihre Begeisterung, dass sie in der Jungschar gut aufgehoben ist.“ Auch Pfarrer Abrahamovicz äußert sich zu diesem Thema: „Jungschar und Ministrant/innen bieten einfach eine Atmosphäre, in der die Kinder gut aufgehoben sind – nicht wie in einem beliebigen Verein, in dem man etwas leisten muss, um etwas zu gelten.“

Es ist nicht leicht, hier den richtigen Weg zu finden. Vor allem sind ja nicht „nur“ die Kinder zu überzeugen. Auch vor den Eltern heißt es „gut dastehen“. Viele Tipps dazu findet ihr im Kumquat „quer“ zum Thema Öffentlichkeitsarbeit.
Doch wie schaut es bei den Eltern wirklich aus? Gibt es gewisse Kriterien, warum sie ihren Kindern die Jungschar oder Minis nahelegen oder nicht? Am sichersten erhält man die Antwort auf diese Frage bei den „Jungschareltern“ direkt. So erklärt zum Beispiel Frau G.: „Mir ist es wichtig, dass die Kinder in der Jungschar Gemeinschaft erleben, untereinander, aber auch zwischen alt und jung. Durch die Erzählungen merke ich, wie gut das meiner Tochter tut. Dabei war es mir am Anfang gar nicht so wichtig, dass ich die Leiter/innen genau kannte. Wichtig war, dass sie sich in der ersten Stunde sehr wohl gefühlt hat und dass sie wieder hingehen wollte.“

Frau T., Mutter von vier Jungscharkindern erzählt: „Alle meine Kinder haben sich selber für die Gruppenstunden entschieden, weil es ihnen gut gefallen hat. Wäre nur ich begeistert gewesen, hätte das nicht viel gebracht.“ Auf meine Frage, ob es trotzdem Dinge gegeben hat, die ihr als Elternteil die Sicherheit gegeben hätten, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind meint sie: „ Die Leiter/innen persönlich kennen zu lernen und die Art, wie sie von ihren Angeboten sprechen. Ich finde, da merkt man gleich, ob etwas dahinter steckt.“
Auch Pfarrer Abrahamovicz liegt die Elternarbeit im Rahmen des Übergangs Kommunionvorbereitung zu weiterführenden Angeboten in der Pfarre am Herzen. „Mir ist ganz wichtig, dass die Eltern die kompetente Arbeit der Leiter/innen miterleben können“, meint er. „In meiner Pfarre ist es deshalb so, dass es während der Elternabende der Kommunionvorbereitung eine von der Jungschar und den Minis gestaltete Kinderbetreuung gibt. So bekommen die Eltern direkt mit, dass die Leiter/innen ihre Sache gut machen und die Kinder können ihren Eltern ganz frisch erzählen, was sie in der Zeit des Elternabends erlebt haben.“ Nach einer kurzen Pause meint er: „Ich denke außerdem, dass auch das Organisatorische für die Eltern eine große Rolle spielt.“

So ist es zum Beispiel für die Kinder und die Eltern günstig, wenn die Gruppenstunden, die zwischen Kommunionsfest und Sommer noch stattfinden, am gleichen Tag und eventuell auch zur gleichen Uhrzeit abgehalten werden wie die Kommunionsvorbereitungsstunden. Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kinder in die Gruppenstunden kommen können.

Die Energie und der Aufwand, der mit dem Anwerben von Kindern betrieben wird, müssen aber auch für euch stimmig sein. Es macht also keinen Sinn, ständig in die Volksschulen zu pilgern oder Kommunionvorbereitungsstunden beizuwohnen, wenn euch das nicht liegt. Man kann jedoch viel durch den ersten Eindruck bewirken – bei den Eltern und bei den Kindern.

Sara Dallinger

[aus dem kumquat "macht" 2009]

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