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Kinder und Sexualität

Sexualität ist schon bei Kindern ein wichtiges Lebens-Thema, und manchmal äußert sich ihre Neugier für dich bemerkbar: Vielleicht in "zweideutigen" Anspielungen, in auffällig intensivem Körperkontakt, in "ordinären" Schimpfwörtern, im genauen Lesen von Berichten übers "Erste Mal",...
Dadurch, wie du in solchen Situationen reagierst, werden deine JS-Kinder herausfinden, ob du auch in diesem Bereich, der ganz eng zu ihnen gehört, der/die richtige Gesprächspartner/in für sie bist.


Finde zu deinem Stil!

So wie in allen anderen Bereichen deines Gruppenleiter/innen-Daseins, ist es natürlich auch hier wichtig, dass du zu deinem Stil findest und dass du dich deinen Werten entsprechend verhältst. Dazu ist es aber wichtig, dass du dir über dich selbst im Klaren bist: Was mag ich? Was gefällt mir nicht? Worüber möchte ich sprechen? Was möchte ich für mich behalten? Was bedeutet mir Sexualität? Hast du dir dazu schon Gedanken gemacht, so wirst du wahrscheinlich gelassener und souveräner auf Fragen oder Anspielungen der Kinder reagieren.

Insgesamt nimmt das Über-Sexualität-Reden sicherlich einen geringen Teil in der Arbeit mit deinen JS-Kindern ein. Und trotzdem hat vieles, was in der Gruppenstunde geschieht, mit Sexualpädagogik zu tun: Denn eines der wichtigsten Anliegen der Sexualpädagogik ist, das Körperempfinden der Kinder zu fördern. Um zu einer erfüllten Sexualität zu finden, ist es eine Voraussetzung, "sich selbst zu spüren" - zu merken, was man fühlt, was einem gut tut, wovor man sich ekelt, was angenehm ist. In Gruppenstunden wird dies beispielsweise anhand von Übungen mit Körperkontakt immer wieder spielerisch erprobt, aber auch in thematischen Gruppenstunden behandelt.

Darüber reden - aber wie?

Um "darüber" sprechen zu können, empfiehlt es sich, schon im Vorhinein zu überlegen, welche Worte du z.B. für die Geschlechtsorgane verwenden möchtest. Ein wichtiges Kriterium dafür ist, dass du dich beim Verwenden dieser Ausdrücke wohl fühlst, dass du sie schön und passend findest. Abraten möchte ich von zwei Arten von Wörtern: von den verniedlichenden und den abwertenden. Die Geschlechtsorgane der Kinder werden oft mit allerlei verniedlichenden Namen bedacht (z.B. Mumu, Spatzi) - im Jungschar-Alter sind diese Ausdrücke aber längst nicht mehr angebracht. Andererseits könntest du deine Kinder abschrecken, wenn du ihnen gegenüber z.B. von "Titten und Schwänzen" redest - Wörter, die von vielen als schmuddelig oder derb empfunden werden.

Die klassische Methode, um in der Gruppenstunde ein Gespräch über Sexualität anzuzetteln, ist die "Anonyme Fragebox". Die Kinder schreiben ihre Fragen auf Zettel und werfen diese in die Fragebox. Nach der Sammelphase liest du die Fragen der Reihe nach vor, und ihr versucht gemeinsam, Antworten oder Lösungen zu finden. Die "Anonyme Fragebox" könnte aber auch zu einer fixen Einrichtung werden, sodass sie am Ende jeder Gruppenstunde geleert wird und die Fragen beantwortet werden.

Eine Idee, sich dem Thema Sexualität spielerisch zu nähern, ist eine Sex-Version von Activity: Du hast Karten vorbereitet, auf denen je ein Begriff steht, der mit Sexualität zu tun hat. Ein Kind zieht eine Karte und wählt, ob es den Begriff beschreiben, zeichnen oder pantomimisch darstellen möchte. Der Rest der Gruppe versucht, den Begriff zu erraten.

Sexuelle Entwicklung von Kindern im Jungschar-Alter

Jüngere Kinder (ca. 6-10 Jahre*) befinden sich laut Sigmund Freud in der "Latenzphase". Das bedeutet nicht - wie das des öfteren dargestellt wird - dass ihre Sexualität "schläft". Diese Kinder haben schon in jüngerem Alter viele Empfindungs-Erfahrungen mit ihrem Körper gemacht, und sie wissen nach wie vor z.B. wo sich Berührungen besonders angenehm anfühlen. Nun aber streben diese Kinder danach, klug zu sein, viel zu wissen. Es verlagert sich also der Schwerpunkt: Die Kinder empfinden es nun auch als lustvoll, Fragen aller Art zu stellen und so ihr Wissen zu vermehren. Natürlich sind da auch Fragen sexueller Natur dabei: Vor allem wie Geschlechtsverkehr funktioniert und wie Kinder entstehen ist spannend. Wenden sich deine JS-Kinder mit diesen Fragen an dich, so spricht nichts dagegen, wahrheitsgemäß zu antworten!

Mit der Vorpubertät ([Frauenzeichen] ab ca.8, [Männerzeichen] ab ca.10 Jahren) verändert sich das Empfinden der Kinder bezüglich ihres Körpers, was damit zusammenhängt, dass die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale einsetzt. Oft weichen Kinder nun Körperkontakt aus, und Nacktheit ist für sie nicht mehr so selbstverständlich wie zuvor. Buben und Mädchen sind in diesem Alter einander oft Spinnefeind - hier ist es wichtig, die Buben und Mädchen nicht zu zwingen, mit Kindern des anderen Geschlechts Körperkontakt (z.B. Hand geben) zu haben. Manchmal kann es hier auch ratsam sein, die Gruppe für einzelne Gruppenstunden(elemente) zu trennen. Soziale Kontakte werden fast ausschließlich zu Angehörigen des gleichen Geschlechts gepflegt. So bleiben die Mädchen auch bei Körperkontakt unter Mädchen, Buben unter Buben.

In der Pubertät (Frauenzeichen ca.9-17, Männerzeichen ca.12-18 J.) prägt sich die weibliche bzw. männliche sexuelle Identität der Jugendlichen vertieft aus. Sie lösen sich allmählich von ihren Eltern ab, die Gruppe der Gleichaltrigen gewinnt an Bedeutung. Auch die (hetero)sexuelle Neugier flammt auf: Die Jugendlichen sind an Fragen interessiert, die sich um Lust und sexuelle Praktiken sowie die Gestaltung von Beziehungen, Verhütung, Liebeskummer und Moral drehen. Auch die ersten körperlichen Kontakte fallen meist in diese Phase.
* Die Altersangaben sind zur ungefähren Orientierung gedacht, sie stellen keine absoluten Werte oder Richtlinien dar!


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