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Wie ist das beim Schweigen?

Ein Erfahrungsbericht

Schon das zehnte Mal bin ich im Sommer mit meinen Arbeitskolleginnen auf Schweigeexerzitien. Wir fahren ins Haus der Frauen in der Oststeiermark – ein wunderbarer Ort, um zur Ruhe zu kommen. Wir machen Kurzexerzitien (in der klassischen Form dauern Exerzitien eine ganze Woche), in den ersten Jahren haben wir nur einen Tag geschwiegen, nachdem das schon ganz gut gegangen ist, haben wir dann auf zwei volle Tage „erhöht“. Wir sind in einer kleinen Gruppe dort, die inhaltliche Vorbereitung dieser Tage übernimmt unsere geistliche Begleiterin.

Wie das mit dem Schweigen ist? Gar nicht so einfach, könnte man zusammenfassen. Man soll nämlich nicht nur nichts reden, nicht telefonieren, sondern nicht einmal ein Buch lesen oder SMS schreiben. Das erschien uns anfangs schon recht schwierig. Anfangs gab es sogar heimliche Pläne, für den Notfall Hörbücher am Ipod einzuschmuggeln ... Aber letztlich haben wir uns dann doch ganz auf die Herausforderung eingelassen, uns nicht von außen ablenken zu lassen, sondern ganz auf das zu schauen und zu hören, was gerade da ist.

Denn darum geht es im Prinzip, dass man/frau in die Gegenwart kommt. Ganz präsent wird. Da ist jeder Kontakt mit der Welt zuhause, eben auch über das Handy, störend. Holt einen weg von dort, wo man ist – oder meint zu sein. Denn ich habe erfahren, dass das schon ein ziemlicher Weg ist, schlicht und einfach ganz dort zu sein, wo man ist. Wie paradox.

Unsere Schweigetage sind aber schon mit gemeinsamen Impulsen, Gebeten und Liturgien gestaltet. Dazwischen geht dann jede von uns ihrer Wege und schaut, was gerade passt - ein Spaziergang, einfach irgendwo sitzen oder auch schlafen. Das mit dem Schlaf ist überhaupt spannend: Ignatius, der die Exerzitien im 16. Jahrhundert erfunden hat, hat nämlich sympathischerweise gesagt, das Wichtigste für das Gelingen solcher Tage sei genug Schlaf – das lässt frau sich natürlich nicht zwei Mal sagen. Ein wichtiges Element ist auch ein tägliches Gespräch mit der Exerzitienbegleiterin, die einen beim Prozess dieser Tage begleitet und Hinweise gibt, worauf es gut wäre, zu achten - dieses Gespräch und kurze Austauschphasen während der Liturgien sind sozusagen die Ausnahmen vom Schweigen.

Schwierig mit dem Schweigen ist es manchmal dann, wenn man in Kontakt mit anderen kommt - beim Essen, wenn Mitarbeiterinnen des Bildungshauses kommen und vielleicht gerne ein paar Worte plaudern wollen, oder wenn man beim Spazierengehen nach dem Weg gefragt wird.

Schweigetage sind – bei allen Herausforderungen – vor allem aber immer wieder sehr intensive und gute Tage, mit viel Ruhe und Gelassenheit. Das Reinkommen ins Schweigen ist eigentlich weit weniger schwierig als erwartet. Die Herausforderung liegt dann eher im Zurückkommen: Die Welt in Wien ist sehr laut. Wer schweigt, wird viel sensibler für Sinneseindrücke, aber auch für Irritationen und Kränkungen. Da tut dann manches weh, was wir im Alltag für normal halten. Aber auch das ist eine gute Erfahrung, weil es mir zeigt, wie anders ich mich im Leben bewegen kann.

Kathrin Wexberg

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kumquat "Pssst!" 4/2012

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