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Von Geburtstagskerzen und Krematorien

Feuer ist in gleichem Maße zerstörend wie lebenswichtig und aus unserer Kultur und Religion kaum wegzudenken.

Jeder von uns kennt sie und ab einem gewissen Alter mögen viele Menschen nicht mehr die volle Anzahl auf der Torte haben. Die Geburtstagskerzen. Sie sollen, alle auf einmal ausgeblasen, Wünsche des Geburtstagskindes erfüllen. Doch nicht nur diese alljährliche Tradition rund ums Feuer begegnet uns in unserem Leben: In allen Weltreligionen findet das Feuer auch spirituelle Verwendung und obwohl wir heutzutage die Urmacht dieses Elements nur selten zu spüren bekommen – und dann leider meistens im Negativen – so ist es doch eines der Faszinierendsten, Aufregendsten und Beeindruckendsten. Im folgenden Artikel wird die christlich-biblische Bedeutung des Feuers ein wenig ergründet und ein kleiner Einblick in einige Feuer-Traditionen gegeben.

Ambivalentes Feuers

Feuer ist in der Erfahrung von uns Menschen seit jeher zweigeteilt. Es gibt das Feuer, das Licht, Energie und Wärme spendet und im Gegensatz dazu fällt uns sofort auch die zerstörende Naturgewalt Feuer ein, die einen ganzen Wald vernichten kann. Während das Knistern eines Lagerfeuers Geselligkeit bedeutet und durchaus auch romantische Momente mit sich bringen kann, ist das Knacken und Ächzen eines brennenden Hauses bedrohlich und macht uns hilflos. Auch im religiösen Kontext ist das Feuer seit jeher beides – Fluch und Segen. Hexenverbrennung versus Osterkerze sozusagen.

Biblisches Feuer

In der Bibel gibt es verschiedenste Geschichten über Feuer. Aus dem Alten Testament kennst du vielleicht die Erzählung vom brennenden Dornbusch. Mose wird von Gott durch diesen brennenden Busch direkt angesprochen, um das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Ein Berufungsmoment. Mose wird als Mann, als Mensch dazu berufen, andere Menschen zu begeistern – anzufeuern. Das Feuer ist hier keine Bedrohung, soll aber in Mose etwas erschüttern und ihn aufrütteln, damit er etwas tun kann, wofür er ohne diesen Weckruf wohl kaum den Mut gehabt hätte. Durch die Stärke, die Gott durch diesen brennenden Dornbusch mitten in der öden Wüste beweist, fühlt Mose sich ermächtigt, die Aufgabe zu bewältigen. Eine zweite Stelle im Alten Testament zeugt von der zerstörenden Kraft des Feuers. In der Erzählung von Sodom und Gomorrha schickt Gott das Feuer als vernichtende Hitze, die jene zerstört, die sich seinem Willen unentwegt widersetzt haben. Die Menschen in den Städten meinen, gottgleich zu sein und achten seine Gesetze nicht mehr, deshalb sendet Gott die Feuersbrunst und zerstört Sodom und Gomorrha. Hier ist also die todbringende Seite des Feuers dargestellt.
Im krassen Gegensatz zu diesen sehr handfesten Feuererzählung, findet sich im Neuen Testamen das bekannte Pfingstereignis – eine symbolhafte Feuergeschichte. Dort kommt der Heilige Geist in der Gestalt von Feuerzungen auf die Jünger herab, um ihren Glauben zu festigen. Mit dem Sakrament der Firmung steht diese Erzählung in direktem Zusammenhang, denn auch die Firmlinge sollen den Geist Gottes spüren und dadurch in ihrem Glauben gefestigt werden, um mündige Mitglieder in der christlichen Gemeinschaft zu sein.

Traditionelles Feuer

Die Wichtigkeit dieses Elements hat sich über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart gehalten. Auch wenn wir heutzutage oft keinen so direkten Bezug zum Feuer mehr haben, wie es in früheren Zeiten üblich war, so gibt es dennoch auch heute religiöse Traditionen um und mit Feuer:
Das Osterfeuer hat, wie so viele Brauchtümer, heidnische Wurzeln. Damals wollten die Menschen die Frühlingssonne mit einem Feuer willkommen heißen und versuchen, sie damit „auf die Erde zu ziehen“. Rund um die Sonne gab es Kulte der Fruchtbarkeit und des Wachstums. Die Bedeutung dieser Feuer wurde später auf Gott übertragen. Das Osterlicht steht für den Glauben, Ausgangspunkt unseres Lebens. Heute ist das Entzünden des Osterfeuers ein zentrales Ereignis im Christentum. Das Feuer wird am Ostersamstag, am Beginn der Liturgie in der Osternacht vor der Kirche entzündet und geweiht. Vor allem im Alpenraum gilt das Osterfeuer seit langem als beliebtes Brauchtum und besonderes Spektakel, wenn auf den Bergspitzen die Feuer entfacht werden. Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet, die dann feierlich in das noch dunkle Gotteshaus getragen wird, als Symbol für das Lichtwerden durch die Auferstehung Christi.

In katholischen Kirchen brennt das ganze Jahr hindurch das so genannte Ewige Licht. Meinst handelt es sich dabei um eine kleine rote Öllampe. Das Ewige Licht soll die Verehrung und Nähe zu Gott symbolisieren. Nur an einem einzigen Tag im Jahr brennt das Ewige Licht in den Kirchen nicht: Am Karfreitag, wenn Christ/innen der Kreuzigung Jesu gedenken. In der Osternacht, von Karsamstag auf Ostersonntag, wird das Licht wieder entzündet.

Jedes Jahr vor Weihnachten entzündet ein Kind in der Geburtsgrotte von Bethlehem das Friedenslicht. Am Heiligen Abend wird es in ganz Österreich und in mehr als 25 europäischen Ländern vom Roten Kreuz, den Feuerwehren, den Pfadfindern und vielen anderen Organisationen verteilt. Das Licht erinnert daran, dass sich die Menschen für den Frieden einsetzen sollen. Alle sind aufgefordert, in ihrem Bereich und in ihrem Leben Frieden zu schaffen. So wie die kleine Flamme millionenfach von Kerze zu Kerze, von Hand zu Hand weitergegeben wird, so soll auch der Friede von Mensch zu Mensch wachsen.

Letztes Feuer

In vielen Kulturen werden Tote nicht in Erdgräber gelegt und mit Erde bedeckt sondern seit jeher verbrannt. Das erste europäische Krematorium (Einäscherungs-Anlage) wurde 1876 in Mailand in Betrieb genommen. Die feierliche Eröffnung des ersten österreichischen Krematoriums fand in Wien am 17. Dezember 1922 statt. Derzeit gibt es in Österreich 11 Krematorien. Um die Identität des/der Verstorbenen bzw. seiner/ihrer Asche zu gewährleisten, wird dem Sarg anlässlich der Einäscherung eine mit einer Nummer versehene Schamotteplatte beigelegt, die später zur Asche des/der Verstorbenen beigegeben wird. Das Verstreuen der Asche ist in Österreich verboten. Die katholische Kirche schreibt in ihrem Gesetzbuch, dem Codex iuris canonici, dass zwar die fromme Gewohnheit beibehalten werden soll, den Leichnam Verstorbener zu beerdigen; sie verbietet jedoch die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen. So wird also das Feuer auch in der christlichen Kultur immer öfter als Bestattungsart gewählt und so gibt es nicht nur in den großen Städten sondern auch auf vielen kleinen Dorffriedhöfen mittlerweile Urnen-Nieschen.

So begleitet uns dieses Element auf rituellem Weg durchs ganze Leben und für einige bis zur letzten Ruhe.

Nika Fürhapter

kumquat "BrandNeu" 2/2014

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