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Südamerikanische Befreiungstheologie

Der christliche Glaube und die Lebensrealität

In den 1960er Jahren entwickelte sich in Lateinamerika eine neue Auffassung des christlichen Glaubens. Eine Reihe von Theologen beschäftigte sich mit der Frage, was der Glaube und die christliche Identität mit der praktischen Erfahrung der Armut und der Ungerechtigkeit zu tun hätten , die ein Großteil der Bevölkerung machte. Gleichzeitig bildeten sich an den „Rändern der Gesellschaft“ sogenannte Basisgemeinden, in denen sich die Bevölkerung zusammenschloss, um die christliche Botschaft in ihrer konkreten Lebenssituation wahr werden zu lassen.

Unterdrückung ist nicht gottgewollt

Ein Ausgangspunkt der Befreiungstheologie ist die Überzeugung, dass Strukturen der Armut und Unterdrückung nicht von Gott her kommen, sondern aus einer ganz konkreten, menschlichen Geschichte. Die gesellschaftlichen, sozialpolitischen, wirtschaftlichen Probleme haben ihre Ursachen in wirtschaftlichen und politischen Handlungen von Menschen – und sie können überwunden werden.
Gleichzeitig wird die Idee eines „Reich Gottes“ nicht als vages Versprechen gesehen, das nach dem Tod eingelöst werden soll. Das „Reich Gottes“ ist ein fundamentales Prinzip, eine Idee, der sich Menschen im Zusammenleben annähern können, indem sie die biblische Botschaft der Befreiung auf ihr Leben anwenden.

Befreiungstheologie praktisch

In der Praxis heißt das, dass Laien aus jeder Bevölkerungsschicht sich selbst als aktive Gläubige verstehen. In Basisgemeinden wird gemeinsam die Bibel gelesen und ihre Inhalte werden auf das eigene Leben umgelegt. Die Texte werden auf ihre Relevanz für das eigene Leben untersucht, und gemeinsam finden die Menschen aus dem Glauben heraus die Kraft, sich gegen soziale Ungerechtigkeit zu wehren.

Diese besondere Glaubensauffassung ist in den letzten Jahrzehnten nicht nur in Lateinamerika wirksam geworden. Auch in anderen Teilen der Welt leben Menschen ihren Glauben bewusst in Basisgemeinden – beispielsweise auf der philippinischen Insel Marinduque. Auch Papst Franziskus setzt sich für die wichtigsten Anliegen der Befreiungstheologie ein.

Befreiungstheologie in der Jungschar?

In der Jungschar bemühen wir uns um einen gewaltfreien, gerechten Umgang miteinander. Gemeinsam lösen wir Probleme die auftauchen und setzen uns mit der Sternsingeraktion für Menschen ein, die in unserer globalisierten Welt durch Strukturen der Armut benachteiligt sind. Wir versuchen, eine Vision der Welt zu leben, in der jede/r einen Platz hat, so wie er/sie von Gott gewollt ist. All das sind unsere Wege, das Reich Gottes schon auf Erden ein kleines bisschen sichtbar werden zu lassen.

Wenn wir mit Kindern religiöse Themen bearbeiten, versuchen wir, persönlichen Zugängen zu Texten und Ideen Raum zu bieten und fragen – „Was hat das mit deinem, mit meinem, mit unserem Leben zu tun?“
Mit all dem sind wir als Jungschar schon ein Teil dieser Kirche, die mitten im Leben der Menschen Platz hat!

Quellen und Texte zum Weiterlesen:

Nani Gottschamel

kumquat "Olympia" 2/2016

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