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Besitz

Betti und Kathi treffen sich im Park und philosophieren ein bisschen über den Begriff des Besitzens. Was heißt besitzen eigentlich, muss man etwas besitzen um überhaupt sein zu können, gibt es da auch andere Lebenskonzepte?

Betti: Hallo Kathi! Na, wie geht’s dir denn so?

Kathi: Hallo Betti, mir geht’s wirklich super, wie könnte es einem auch anders gehen, wenn man im Park in der Sonne liegen kann, und das dazu auch noch völlig kostenlos.

Betti: Ich genieß das auch sehr! Ich finds so nett, dass hier so viele Leute im Park liegen, spielen, sich sonnen... Das ist alles sehr entspannend. Ich bin so froh, dass man hier noch in der Wiese liegen und sitzen kann, und nicht von Securities weggestampert wird...

Kathi: Ganz genau. Gut, dass es immer noch genug öffentliche Freiräume gibt, aber leider werden die auch immer weniger und fallen in privaten Besitz. Überhaupt Besitz, das ist so eine Sache, die ich nicht immer ganz verstehen kann. Man kann so viele Dinge besitzen, auch welche die etwas skurril sind, wie Lebewesen, Patente, also auch Ideen, eben auch nicht Materielles.

Betti: Ich find eigentlich nicht, dass man Lebwesen oder Gedanken, Ideen wirklich „besitzen“ kann. Also man kann schon Geld ausgeben und dann im Tausch dafür etwas bekommen – zum Beispiel einen Hund. Aber gehört der dann wirklich mir oder gehört der dann nicht eigentlich zu mir? Gehören Lebewesen nicht sich selbst? Kinder kann ich ja auch nicht besitzen...

Kathi: Pfuh, Fragen über Fragen. Irgendwie hab ich grade einen Knopf im Kopf. Eigentlich müsste man sich wahrscheinlich erst die Frage stellen, was Besitz eigentlich heißen soll?

Betti: Also im Grunde geht es ums Geld und um die Verantwortung. Wir geben für etwas Geld aus und nehmen es dann in die eigene Verantwortung und tun dann damit was wir wollen bzw. was damit zu tun ist... Das heißt etwas in Besitz nehmen, bedeutet es sich zu Eigen zu machen. Sich darum zu kümmern. Sogar Land kann man besitzen und Meer. In unserem Besitzkonzept auf jeden Fall... Bei uns ist es selbstverständlich, dass man Land kaufen und besitzen kann. Als Einzelperson. Aber es gibt schon auch Lebenskonzepte, in denen Besitz und Eigentum anders gedacht sind.

Kathi: Und welche Lebenskonzepte können das sein?

Betti: Ich denke da an Lebenskonzepte von Angehörigen indigener Gruppen. Auf den Philippinen gibt es einige Gemeinschaften, die sich als indigen bezeichnen und für die ist es ganz klar, dass man Land nicht käuflich erwerben kann. Land kann man nützen. Man kann auf Land wohnen, es bewirtschaften, von Land leben. Man kann sich um Land kümmern. Aber man kann es nicht kaufen. Schon gar nicht als Einzelner. Und trotzdem sehen sie das Land als ihr Land an. Land ist das Eigentum aller Menschen. Also auch aller Menschen, die noch kommen werden. Und deshalb muss man Land bewahren, sich darum kümmern.

Kathi: Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut, denn hier geht es um Verantwortung, und wie ich mit den Dingen, die mir gegeben sind umgehe. Das kann sich sowohl auf Land, aber auch Lebewesen beziehen. Ich trage die Verantwortung, dass mit diesen Dingen und Individuen gut umgegangen wird. Leider hat das unsere Gesellschaft immer mehr vergessen und beutet sowohl Landschaften und auch Lebewesen bis aufs Äußerste aus.

Betti: Ich finds einfach so irre, dass es so oft um Geld geht. Und um Geldbesitz. Ich habe den Eindruck, dass es für viele Menschen sehr wichtig ist, sehr viel zu leisten, um viel Geld zu besitzen. Manchmal wird so viel geleistet und gearbeitet, dass keine Zeit mehr bleibt zu leben, sich zu erholen, im Park in der Sonne zu liegen. Besonders problematisch finde ich dieses Leistungs- und Besitzstreben im Bereich der Pharmaindustrie: Man sollte meinen, dass es bei Medikamenten nicht um Macht und Geld geht, sondern um Heilung. Aber auch hier kann man Rezepte für Medikamente besitzen und damit viel Geld machen. Nicht immer zum Vorteil von anderen...

Kathi: Man kann nicht nur Patente auf Rezepte besitzen, sondern sogar auf Pflanzen, kannst du dir das vorstellen?!? Ganz stark gibt es diese Problematik in Regenwäldern, ich habe von Menschen gehört, die schon sehr lange im Amazonas Regenwald leben. Und die dürfen jetzt eigentlich ihre Heilpflanzen nicht mehr verwenden, weil irgendein Pharmakonzern das Patent auf diese Pflanzen hat. Das ist doch völlig absurd.

Betti: Bei solchen Gesprächen kommt man immer so schnell auf die vielen problematischen Situationen in unserer Gesellschaft. Und auch darauf, dass wir Menschen uns das Leben oft ganz schön schwer machen. Immer leisten und produktiv sein müssen ist ganz schön anstrengend. Sich erholen, sich Zeit nehmen können, das Leben genießen und gestalten – das ist für mich wichtig. Und es gibt in unserer Konsumgesellschaft kaum Orte, wo das besitz- und geldlos möglich ist...

Kathi: Wow da haben wir jetzt aber einen wirklich weiten Blick in die Welt gemacht. Trotzdem gibt es Gott sei dank auch noch konsumfreie Plätze, an denen ich mich aufhalten kann ohne z.B. eine Eintrittskarte erwerben und besitzen zu müssen. Da vorne z.B. ist eine Kindergeburtstagsparty im Gange, ganz ohne Partyraum und Unterhaltungsschnickschnack, der Park reicht vollkommen als Partylocation aus.

Betti: Ja, ich finds auch sehr fein, diesen Park in vollen Zügen zu Nutzen! Hast du die Frau neben uns gesehen, die im Schlafsack ein Nickerchen macht? Oder die drei da drüben, die Volleyball spielen? Lass uns diesen freien Samstag Nachmittag noch ein bisschen genießen! Und uns über öffentlichen Freiraum freuen, in dem man ruhig auch ohne etwas zu besitzen, sitzen kann!

Kathi: Da hast du eigentlich Recht. Lass uns nur noch ein sonnigeres Plätzchen suchen, im Schatten wird’s jetzt schon recht kühl.

Betti Zelenak und Kathi Bereis

aus dem kumquat "gratis" 2/2011

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