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Vom gegenseitigen Lernen

Gedanken zum LernEinsatz 2011 in Ghana

Ich hatte heuer im Juli das Glück, am vierwöchigen LernEinsatz der Dreikönigsaktion (DKA) in Ghana teilzunehmen. Worum es dabei geht? Vor allem darum, Menschen vor Ort zu treffen, sich mit ihrem Alltag auseinander zu setzen, von Ideen der Veränderung zu hören und von ihnen zu lernen. Die Begegnung mit Projektpartner/innen der DKA hat es uns ermöglicht, Fremdes ein Stück näher an uns heran zu lassen und die eigene Kultur mit neuen Augen zu sehen. Eine solche Reise in ihrer Gesamtheit zu beschreiben ist schwierig, vielleicht auch gar nicht möglich. Deshalb hier einfach ein paar Gedankensplitter:

Anfang Jänner 2011

Am Pfarrplatz drängen sich unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene – ein buntes, aufgeregtes Gewirr. Manche üben in aller Eile noch einmal ihren Text, andere wollen in ihren hübschen Gewändern fotografiert werden, wieder andere suchen ihren Stern. Ein letzter Blick ins Stoffsackerl – ja, alles ist da, Kreide, Weihrauch, Infobroschüren. Es kann losgehen. Auch ich bin mitten drin. Was wir alle gemeinsam haben? Wir gehen Sternsingen!

Anfang Juli 2011

Am Flughafen in Wien drängen sich unzählige Reisende. Ein reges Kommen und Gehen. Ein bisschen Abseits kommen immer mehr junge Frauen mit großen, schweren Ruck­säcken zusammen. Es wird geplaudert, überlegt, aus- und wieder eingepackt. Wir sind zu elft, eine bunt durchgemischte Gruppe im Alter von Anfang Zwanzig bis Anfang Vierzig, kommen aus verschiedenen Ecken Österreichs, haben unterschiedliche Interessen und Erwartungen. Ein letzter Blick zurück. Es kann losgehen. Auch ich bin mittendrin. Was wir alle gemeinsam haben? Wir machen einen LernEinsatz in Ghana!

Mitte Juli 2011

Wir sitzen um einen großen Tisch, auf dem zwei sehr schöne, gebatikte Tischtücher liegen. Rachel hat für uns „rice with tomato stew“ gekocht, Anthony bringt Getränke. Es wird gemeinsam geplaudert und gegessen. Wie so oft erleben wir auch hier herzliche, ghanaische Gastfreundschaft. Anthony und Rachel leben in Damongo, einer kleinen Ortschaft im Norden Ghanas. Für uns ist es auf der Reise der erste Besuch eines Projektes der DKA und wir sind froh, hier einige Tage bleiben zu können. Nach unserer Ankunft am Flughafen in Accra an der Küste Ghanas waren wir die erste Woche unterwegs, um uns in einem alten Kleinbus gemeinsam mit unserem Fahrer George und unserem Begleiter Silvester langsam ins Landesinnere vorzutasten. Schon auf der Fahrt gab es viel zu sehen, von malerisch schönen Stränden und der ehemaligen Sklavenburg Elmina Castle, über den Kakum Nationalpark mit seinen Hängebrücken, die durch die Baumwipfeln des Regenwalds führen, bis hin zum riesigen Markt in der Stadt Kumasi. Aber jetzt in Damongo haben wir das erste Mal das Gefühl, „angekommen“ zu sein. Danach wird es übrigens weiter nach Tamale gehen, wo wir im TICCS (Tamale Institute of Cross-cultural Studies) weitere zwei Wochen verbringen werden.

Anthony und Rachel erzählen uns von ihrem Leben, von ihrer Idee. Sie leiten schon seit Jahren ein von der DKA unterstütztes Projekt, dessen Ziel es ist, jungen Frauen aus der Umgebung eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Sie lernen hier nähen, batiken, Brot backen und Seife herstellen. Die Ausbildung sichert ihnen Unabhängigkeit und die Chance, selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. So sind sie nicht gezwungen, in die Küstenregionen auszuwandern, um dort in einer fremden Umgebung ohne jegliche Unterstützung ihr zweifelhaftes Glück zu versuchen, sondern können vor Ort ein wenig Geld verdienen und dort leben, wo ihre Heimat ist: Im Norden Ghanas. Wir probieren mit den Mädchen aus, eigene Stoffe zu bedrucken, und rühren unter der Anleitung von Rachel Flüssigseife an. Es macht Spaß, hier auch handwerklich dazuzulernen.

Was mich besonders fasziniert: Über einer einfachen Holztüre entdecke ich Zeichen, die mir bekannt vorkommen. Meine Vermutung bestätigt sich. Anthony erzählt, dass er bei seinem Besuch in Österreich mehr über die Tradition des Sternsingens erfahren hat. „I’ve learned something from you“, lacht er. Auch hier in Damongo gehen Anfang Jänner die Kinder der Gemeinde von Haus zu Haus und schreiben den Segen über die Tür – und sie sammeln kleine Spenden, mit denen beispielsweise Schulgebühren bezahlt werden können. Dieser Austausch, das gegenseitige Lernen voneinander, begleitet uns den gesamten LernEinsatz.

Mitte September 2011

Zwei sonnige Herbsttage. Wir treffen uns in Graz zum Reflexionswochenende. Es ist schön, bekannte Gesichter zu sehen und wir haben einander viel zu erzählen. Das, was wir während des LernEinsatzes gemeinsam erlebt haben, auch die Grenzen, an die wir gestoßen sind, haben uns als Gruppe näher zusammen gebracht. Wir tauschen Fotos und Gedanken aus. Was wird bleiben von diesem Sommer? So unterschiedlich wie wir sind auch unsere Ideen: Ein Fotovortrag in der Pfarre, aktives Mitdiskutieren im Freundeskreis, um ein Bewusstsein für andere Lebensrealitäten zu schaffen, Gruppenstunden in der Jungschar oder kleine Projekte in der Schule, ein bewusster Umgang mit Ressourcen. Und was bleibt noch? Die Gewissheit, der nächste Jänner kommt bestimmt. In Damongo wie in Wien.

Theresa Fleischmann

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