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LernEinsatz konkret – Ein Selbstinterview

Jonathan Scalet war 2014 mit der Dreikönigsaktion auf LernEinsatz in Peru. Fürs Kumquat hat der Jungscharmitarbeiter Jonathan Scalet mit dem LernEinsatz-Teilnehmer Jonathan Scalet darüber gesprochen, was dieses Programm ausmacht und warum ihr unbedingt auf LernEinsatz fahren solltet.

 

J.S.: Lieber Jonathan, du warst 2014 auf LernEinsatz in Peru. Wie hat dir die Reise gefallen, was hast du dir mitgenommen?

J.S.: Ich fand meinen LernEinsatz großartig. Ich mag diese Art des Reisens, bei der du nicht einfach nur am Strand rumliegst oder Sehenswürdigkeiten abklapperst, sondern wirklich versuchst in das Alltagsleben einzutauchen und ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen. In der Schule lernen wir für gewöhnlich ja nur sehr wenig über Länder wie Ghana, die Philippinen, Peru oder Brasilien und in den Medien kommen sie meist nur bei großen Naturkatastrophen, Korruptionsskandalen, Staatsstreichen oder Ähnlichem vor. Beim LernEinsatz setzt du dich bereits in der Vorbereitung genauer mit dem Gastland auseinander, auf der Reise selbst erfährst du freilich noch viel mehr. Du triffst einfach ganz viele Menschen – Aktivist/innen, Projektpartner/innen der DKA, aber auch ganz „gewöhnliche“ Leute – und bekommst einen Einblick in ihr Leben, ihre Sorgen, ihre täglichen Kämpfe – das sind Dinge, die du so in keinem Buch findest.  Über die sozialen Medien bekomm ich von den Menschen die ich damals kennengelernt habe bis heute fast täglich Nachrichten über die politische Situation in Peru, über Protestmärsche etc., die mir eine ganz andere Perspektive ermöglichen, als wenn ich mich bloß über die großen Medien informieren würde.

J.S.: Wem würdest du den LernEinsatz denn besonders empfehlen?

J.S.:  Eigentlich allen (grinst).
Der LernEinsatz ist sicher eine tolle Gelegenheit für Menschen, die gern einmal länger bzw. weiter wegfahren möchten, die sich allein aber vielleicht nicht „drübertrauen“. Bei solchen Reisen gibt es immer jede Menge zu organisieren, viele Dinge zu beachten und auch viele Unwägbarkeiten. Beim  LernEinsatz gibt es ein super Team, das die Teilnehmer/innen bei diesen Dingen unterstützt und begleitet und sehr darauf achtet, dass es allen gut geht und sie wohlbehalten wieder zurückkehren. Trotzdem  hast du  vor und während der Reise aber reichlich Möglichkeiten, Dinge selbst zu organisieren und zu entscheiden.

Der LernEinsatz ist aber auch für Menschen interessant, die schon öfter bzw. länger im Ausland waren. Vor allem weil die Zusammenarbeit mit den DKA-Partner/innen vor Ort dir ganz neue Zugänge und Möglichkeiten bietet, aus den touristischen Pfaden auszubrechen und in Kontakt mit Menschen zu kommen. Die spannendsten Erfahrungen habe ich z.B. bei einem Besuch eines Hochsicherheitsgefängnisses am Rande von Lima und bei meiner Gastfamilie in einem der Armenviertel Limas gemacht – als gewöhnlicher Rucksacktourist wäre ich dort wohl nie hingekommen.

J.S.:  Wo siehst du sonst noch Stärken des LernEinsatz-Programms?

J.S.: Ganz wesentlich ist für mich die kontinuierliche Reflexion vor, während und nach der Reise. Wie verhalte ich mich in einem ungewohnten kulturellen und gesellschaftlichen Kontext? Was bedeutet es als Europäer/in aus einem der reichsten Länder der Welt in Gegenden zu reisen, wo ein Großteil der Bevölkerung täglich um ein würdiges Leben kämpfen muss?

Der Kolonialismus hat nicht nur Gesellschaften beraubt, zerstört und in eine ungerechte Wirtschaftsstruktur gezwungen, die bis heute fortwirkt – er hat sich auch tief in die Köpfe der Menschen eingeschrieben. Leider ist die Vorstellung, dass die „westliche Welt“ Ursprung und Gipfel der menschlichen Zivilisation sei und dem sogenannten „Globalen Süden“ helfen müsse auf den richtigen Entwicklungspfad zu gelangen, noch immer weit verbreitet. Andererseits haben es viele Menschen in den Gastländern der LernEinsätze nach den Erfahrungen von Kolonialismus, Missionierung und Entwicklungszusammenarbeit ziemlich satt, von Europäer/innen, die Welt erklärt zu bekommen.
Beim LernEinsatz werden diese Dinge reflektiert und es wird nach Wegen gesucht, um sich trotz dieser Ungleichgewichte auf Augenhöhe begegnen zu können.

Der LernEinsatz ist daher auch ganz bewusst kein klassisches Volontariatsprogramm. Die Teilnehmer/innen fahren nicht nach Ghana, Peru, Brasilien oder auf die Philippinen um zu helfen, sondern um Menschen zu begegnen und von deren Erfahrungen etwas über die Welt und über sich selbst zu lernen.

J.S.:  Was hat dich auf deinem LernEinsatz am meisten beeindruckt?

J.S.:  Na die Menschen natürlich (lacht)! Das Motto des LernEinsatzes lautet ja nicht umsonst „Die Reiseziele von Menschen sind Menschen“.

Wir haben damals zwar auch Machu Picchu und einige andere Sehenswürdigkeiten besucht, aber für mich waren tatsächlich das alltägliche Leben auf der Straße, die Arbeit der DKA-Partner/innen und vor allem die Erzählungen der vielen Menschen denen wir begegnet sind viel interessanter.

Wenn wir an Länder wie Peru denken, haben wir oft Bilder von Armut und Elend im Kopf. Auf meiner Reise habe ich aber eigentlich fast nie jemanden „leiden“ gesehen. Gerade die Menschen in den ärmeren Gegenden haben oft ein sehr ausgeprägtes politisches Bewusstsein – sie geben sich ihrer Situation nicht einfach leidend hin, sondern kämpfen täglich für eine Verbesserung ihrer Lage.

In der Andenstadt  Sicuani haben wir einmal eine Frau getroffen, die fast nichts besessen und noch nie eine Schule besucht hat. Seit ihr Mann sich bei einem Arbeitsunfall verletzt hat, sorgt sie allein für die gesamte Familie. Sie hat dann begonnen Lesen und Schreiben zu lernen und heute möchte sie Politikerin werden, um sich für die Menschen in ihrem Viertel einzusetzen – diese unglaubliche Stärke und Hoffnung hat mich schwer beeindruckt.

Jonathan Scalet

kumquat "Spiel MIT mir!" 3/2016

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