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Kenia, weit mehr als Zebras und Elefanten

Ja, Kenia ist auch ein beliebtes Reiseziel für Menschen aus dem globalen Norden. Mit seinen schönen Küstengebieten, Korallenriffen und den weiten Savannen mit Großwildtieren, wurde Kenia zu dem afrikanischen Urlaubsort für Safarireisen und Strandurlaube schlechthin. Doch Kenia ist weit mehr als schöne Landschaften und wilde Tiere. Kenia ist das ökonomische, finanzielle und infrastrukturelle Zentrum Ostafrikas. Das Wirtschaftswachstum lag im letzten Jahrzehnt durchschnittlich bei über 5%. Die Wirtschaft Kenias ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die größte Südost- und Zentralafrikas.

Nairobi

Die Hauptstadt Nairobi ist mit ca. 4 Millionen Einwohner/innen die größte Stadt des Landes. (Die zweite Millionenstadt ist Mombasa, eine Küstenstadt.) Nairobi liegt im Süden Kenias am Fluss Nairobi und auf über 1.600m über dem Meeresspiegel. Damit zählt sie zu den höchstgelegenen Hauptstädten Afrikas. Aufgrund dieser Höhenlage beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur 19 Grad Celsius und die Durchschnittstemperatur im wärmsten Monat März bloß 20,5 Grad.

Das beachtliche Wirtschaftswachstum führt in Kenia zu einer wachsenden unternehmerischen Mittelklasse. Und so gibt es auch das wohlhabende Nairobi mit Shopping Malls für die Reichen des Landes und Touristen/innen. Vom wirtschaftlichen Aufstieg des Landes profitiert aber auch hier nur eine kleine Elite. Der Großteil der Menschen hat eine andere Lebensrealität.  Rund 60 % der 4 Millionen Einwohner/innen leben nämlich in informellen Siedlungen auf nur 5% der Stadtfläche.

Im Mukuru Slum

Das Slum von Mukuru ist eine der größten, der insgesamt über 150 informellen Siedlungen Nairobis. Die ältesten Teile der Siedlung existieren bereits seit dem Jahr 1958 und sind durch die zunehmende Landflucht stetig angewachsen. Im Südosten der Stadt, in unmittelbarer Nähe zur Industriezone gelegen, wohnen hier heute ca. 700.000 Menschen unter widrigsten Bedingungen. Ihre Hütten sind meist aus Wellblech und es teilen sich durchschnittlich 234 Familien einen Wasseranschluss und im Schnitt kommt eine Toilettenanlage auf 547 Haushalte. Die Hütten der Menschen, für die sie vielfach auch noch sehr hohe Miete bezahlen, bieten kaum Schutz gegen Hitze und Regen. Da Elektrizität in den meisten Fällen nur über illegale Anschlüsse erhältlich ist, besteht ein besonders hohes Risiko für Stromschläge und Kabelbrände. Gerade Brände können in den engen, überfüllten Gassen der Siedlungen ein extrem zerstörerisches Ausmaß annehmen und viele Leben kosten. Das Abwasser läuft, aufgrund fehlender Toiletten und Kanalisation, vielfach in offenen Rinnen in den nächsten Bach. Da die Stadt in informellen Gebieten den Müll nicht beseitigen lässt, pflastern Abfallberge die Straßen. Zusammen mit der mangelhaften Gesundheitsversorgung führen diese hygienischen Bedingungen zur Ausbereitung einer Menge an Krankheiten.

Neben der mangelnden technischen Infrastruktur, fehlt in Mukuru vor allem aber auch der Zugang zu guter schulischer Ausbildung und zum formellen Arbeitsmarkt. Die meisten Schulen in Mukuru sind von schlechter Qualität und es existieren kaum formelle - also staatliche oder offizielle - Ausbildungsmöglichkeiten. Damit bestehen auch wenig Chancen für Kinder und Jugendliche die Welt des Armenviertels hinter sich zu lassen und aus dem Teufelskreis aus Armut auszubrechen.

Das Projekt: MSDP

Viele Menschen entwickeln eine bewundernswerte Kraft, um den Alltag im Slum zu meistern. Das heurige Modellprojekt MSDP (Mukuru Slums Development Projects) stärkt genau das: Kinder, Jugendliche und Eltern so zu befähigen, dass sie ein menschenwürdiges Leben führen können. MSDP hat es sich zum Ziel gemacht Kinder, Jugendliche und ihre Eltern dabei zu unterstützen ihre Lebensqualität zu erhöhen und ein Leben in Würde zu führen.

Wie andere afrikanische Länder auch, hat Kenia eine sehr junge Bevölkerung. Mehr als 40% der Kenianer/innen sind unter 15 Jahre alt. Gerade Kinder leiden besonders unter der verbreiteten Armut.

Innerhalb der Slumbevölkerung sind Kinder und Jugendliche eine besonders gefährdete Gruppe. Häufig können sie weder auf die Unterstützung ihrer Familien, noch auf jene der im Slum fehlenden öffentlichen Strukturen hoffen. Aufgrund ihrer Armut und oft auch durch mangelndes Bewusstsein für die Relevanz einer schulischen Bildung, ist für viele Kinder ein Schulbesuch oder der Besuch anderer Ausbildungseinrichtungen nicht möglich. Außerdem ist (formale Schul-)Bildung für die Kinder und Jugendlichen oftmals keine wirkliche Priorität, denn oft gilt es erst die Überlebensfrage zu klären. Es fehlt an adäquaten Unterkünften und ausreichender Ernährung. Aufgrund von Drogenmissbrauch oder Gewalt in ihren Familien laufen auch viele Kinder von zu Hause weg und sind in der Folge auf sich alleine gestellt. In Nairobi leben so ca. 60.000 Kinder auf der Straße, ohne ausreichend zu essen, ohne Schutz und ohne Unterstützung durch ihre Familien. Viele überleben nur, indem sie betteln, Schuhe putzen oder Müll sammeln.

Hervorgegangen aus einem Zusammenschluss mehrerer Projekte erreicht MSDP eine große Anzahl von Bewohner/innen im Mukuru Slum und bietet gerade jungen Menschen eine Perspektive. Einerseits gibt es Trainings zu Unternehmensgründungen, das ganze Familien und insbesondere Frauen unterstützt, ihre ökonomische Situation zu verbessern sowie ihre Lebens- und Wohnqualität zu erhöhen.  Das soll die Familien stärken, dadurch auch die Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen verbessern. Neben wirtschaftlichen Kursen, gibt es bei MSDP auch ein handwerkliches Ausbildungszentrum, in welchem zertifizierte Kurse für Jugendliche in Kosmetik, Gastronomie, Textilien und Design, EDV- und Installationstechnik angeboten und die ausgebildeten Jugendlichen anschließend an ansässige Unternehmen vermittelt werden. So erhalten sie mehr Chancen und Möglichkeiten und werden in mehr Eigenständigkeit gestärkt.

Eine weitere Projektkomponente ist die "Mukuru Sports Association" – MUSA. Über die Teilnahme an Fußball-, Volleyball- und Akrobatikunterricht, sowie über Musik, Tanz und Theater werden Freizeit- und Austauschmöglichkeiten geschaffen und gleichzeitig relevante Themen wie Gesundheit, Hygiene oder HIV/Aids behandelt. Hier geht es darum, dass Kinder ihre Fähigkeiten und Talente entdecken können und damit einhergehend auch ihr Selbstvertrauen stärken. MUSA kooperiert dabei auch mit Sportclubs, die mitunter das Schulgeld für die Kinder und Jugendlichen bezahlen.

 Letztlich erhalten auf der Straße lebende Kinder und Jugendliche im sogenannten „Halfway House" psychosoziale Unterstützung und sollen durch die Arbeit von Sozialarbeiter/innen und Lehrer/innen wieder den Weg zurück in ihre Familien, Pflegefamilien oder Betreuungsstätten sowie auch in schulische oder handwerkliche Ausbildungen finden.

Florian Bischof

kumquat "sternsingen" 2/2019

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