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Spiel MIT mir!

Warum spielen so wichtig ist – und was das mit der Spielkultur in der Jungschar zu tun hat.

Das Leben ist ein Spiel. Das hört man immer wieder. Für Kinder stimmt das in jedem Fall. Kinder verbringen täglich Stunden damit. Sie spielen alleine, mit Freund/innen oder mit verschiedenen Erwachsenen, sie spielen angeleitet oder frei.

Aber warum wird eigentlich gespielt?

Einerseits natürlich weil es Spaß macht, weil man positive Erlebnisse hat beim Spielen. Diese positiven Erlebnisse setzen Glückshormone frei, sie erzeugen ein gutes Gefühl. Langfristig steigt so nicht nur das Wohlbefinden der Menschen, sondern auch ihre Produktivität in anderen Bereichen. Studien haben gezeigt, dass besonders bei kooperativen Spielen – wie auch bei anderen kooperativen Tätigkeiten – die Ausschüttung von Glückshormonen gesteigert wird. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass bei kooperativen Handlungen die Motivation, diese durchzuführen, von innen kommt. Das heißt, man macht etwas, weil man es gerne macht, weil es Spaß macht, und nicht, weil man dafür eine Belohnung bekommt oder gewinnen kann. Es steht also das Tun an sich, das gemeinsame Tun im Vordergrund. Diese Idee steckt auch hinter kooperativen Spielen und ist einer der Gründe, warum wir finden, dass kooperatives Spielen etwas sehr Wertvolles ist.

Andererseits spielen Kinder, weil es ihre Art und Weise ist, die Welt zu entdecken und zu lernen. Man kann Dinge ausprobieren, in Rollen schlüpfen und verschiedenste Szenarien durchleben. Und ganz nebenbei lernt man, wie manches funktioniert, wie man sich in verschiedenen Situationen verhalten kann und wie die Menschen um einen herum darauf reagieren. Jede/r von uns kennt das sicherlich. Wenn man in Rollen schlüpfen oder etwas Neues ausprobieren soll, fühlt man sich hin und wieder etwas unsicher dabei. Wenn man dann auch noch befürchten muss, dass man am Ende des Spieles danach bewertet wird, wie gut man diese vielleicht völlig neue Aufgabe erfüllt hat, und ein/e Gewinner/in und ein/e Verlierer/in gekürt werden, wird die Unsicherheit beim Spielen möglicherweise so groß, dass der Spaß dabei völlig verschwindet. Neben erhöhter Unsicherheit durch Gewinnen und Verlieren entwickelt sich dabei auch eine Dynamik in der Gruppe, die die Entstehung einer Hierarchie unter den Kindern erleichtert. Eine Dynamik, die wir uns in der Jungschar so nicht wünschen.

Kooperationsfördernde Spiele

Spiele haben oft aber auch ganz konkrete, vordefinierte Ziele. Bei vielen Spielen, die die Kinder bereits kennen, besteht das Ziel darin, eine/n Gewinner/in zu ermitteln, sei dies eine einzelne Person oder eine Mannschaft, die etwas schneller, höher, besser, schöner,... gemacht hat. Und gleichzeitig gibt es deswegen auch immer Verlierer/innen. Dadurch entsteht eben eine Hierarchie in der Gruppe, an deren Spitze die Gewinner/innen stehen, am unteren Ende die Verlierer/innen. Erstere haben dabei eine gute Erfahrung gemacht, letztere eine weniger angenehme. Konkurrenzfördernde Spiele schaffen also unterschiedliche Gefühle unter den Kindern, sie führen die Kinder eher auseinander anstatt die Gruppe einander näherzubringen. Zudem sind sie aggressionsfördernd, da nicht das Tun an sich wichtig ist, sondern das ‚besser Sein als die anderen’, also das Besiegen. Unter kooperationsfördernden Spielen hingegen werden Spiele verstanden, die ähnliche Gefühle unter allen Mitspieler/innen fördern, unabhängig davon, welche Fähigkeiten der oder die Spielende in das Spiel einbringen kann. Solche Spiele ermöglichen, dass Kinder gemeinsam Spaß an einem Spiel haben, gemeinsame gute Erfahrungen machen und fördern somit die Beziehung der Kinder untereinander.

Kooperatives Spielen ermöglicht es Kindern also, in einer sicheren Umgebung positive Erfahrungen zu machen, die dazu beitragen, dass sie sich wohlfühlen. Aber nicht nur das. Denn die psychische Stabilität eines Menschen kann durch seelische Belastungen, wie etwa Leistungsdruck, maßgeblich verschlechtert und umgekehrt, durch das Fehlen solch psychischen Drucks nachhaltig positiv beeinflusst werden – gerade in der Kindheit ist das besonders prägend und daher äußerst wichtig. Das heißt, gute Spielerlebnisse zu machen, hat auch eine langfristig positive Auswirkung auf unser ganzes Leben.

Verlieren lernen?

In der Diskussion um Spielkultur hört man immer wieder, dass Konkurrenzspiele wichtig seien, um Verlieren zu lernen, immerhin ist man ja im täglichen Leben damit konfrontiert, dass man eben nicht immer die oder der Beste ist und auch mal verlieren muss. Das stimmt insofern, als unsere Gesellschaft durchaus stark von Konkurrenz geprägt ist. Zum einen liegt es aber an uns, durch unser Handeln und Tun daran etwas zu ändern, denn jede/r kann die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Genau solche Handlungsalternativen können Kinder – wie so vieles andere auch – durch gemeinsames Spielen lernen, insbesondere natürlich durch kooperatives Spielen. Zum anderen sind es gerade die positiven Spielerlebnisse, die uns und die Kinder stärken und Rückhalt geben, sodass wir auch mit schlechteren Erfahrungen im Leben umgehen können. Denn wenn wir darüber nachdenken, was „verlieren lernen“ eigentlich heißt, kommen wir drauf, dass es nur darum geht, auch mit negativen Situationen gut umgehen zu können. Indem wir mit Kindern kooperativ spielen und ihnen somit viele positive Erfahrungen ermöglichen, stärken wir sie und geben ihnen dadurch genau dafür das nötige Werkzeug mit.

Kooperation in der Gruppenstunde – ja, aber wie?

Als Gruppenleiter/in hast du jedes Mal auf’s Neue die Möglichkeit, zwischen diesen gegenüberliegenden Bereichen zu entscheiden: Kooperationsfördernde oder konkurrenzfördernde Spiele.

Oft scheint es schwierig, kooperationsfördernde Spiele zu etablieren, wenn Kinder diesen Umgang überhaupt nicht kennen (umso wichtiger ist es aber!). Kinder wollen oft trotzdem Fußball spielen und Tore zählen, Abschießen mit Ausscheiden oder andere Gewinn/Verlier-Spiele spielen, auch wenn sie dabei auf der Verlierer/innen-Seite landen. „Meine Kinder wollen das aber so!“ hört man da häufig, wenn man kooperative Alternativen vorschlägt. Das liegt aber nicht daran, dass Kinder sich liebend gerne mit anderen messen, sondern daran, dass Kinder oft Angst haben bloßgestellt zu werden („Du willst das nur nicht spielen, weil du nicht verlieren kannst“), sie lieber spielen wollen, was sie schon kennen (das gibt Sicherheit), und zudem schnell lernen, ihre Gefühle zu verleugnen und (unbewusst) hoffen, beim nächsten Mal vielleicht doch zu gewinnen.

Da bist du in deiner Rolle als Gruppenleiter/in gefragt! Kindern kooperative Spiele zu zeigen, die sowas vielleicht gar nicht kennen, braucht Zeit. Du kannst dabei z.B. bekannte Spiele nach und nach verändern, um sie weniger konkurrenzfördernd zu machen und so deinen Kindern den kooperativen Umgang miteinander Schritt für Schritt näher bringen. Eine gute Hilfe dabei sind auch Spielgeschichten. Hierbei baust du rund um das Spiel eine nette Geschichte auf, erklärst die Rollen, die die Kinder einnehmen können und kannst durch die Art und Weise, wie du diese Geschichte gestaltest schon sehr viel am Umgang der Kinder miteinander beeinflussen und dem Spiel ein – vielleicht neues – Spielziel geben.

Teresa Millesi, Veronika Schippani

kumquat "Spiel MIT mir!" 3/2016

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