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Alle gehören dazu

Kinder mit Behinderung in der Jungschar?

Menschen mit Behinderung gehören zu unserer Gesellschaft. Die Kirche und die Jungschar als kirchliche Organisation sollten ihnen als erste den Platz geben, der ihnen zusteht.

Die Statistik sagt, dass unter 100 Kindern mindestens fünf eine Beeinträchtigung haben. Dies kann eine Sinnesbeeinträchtigung sein wie bei sehbehinderten, blinden, schwerhörenden oder gehörlosen Kindern oder eine körperlich Behinderung wie bei jenen, die einen Rollstuhl haben, oder Kinder mit Lernschwierigkeiten.
Wichtig ist, dass wir zuerst das Kind sehen und es mit seiner Behinderung wahrnehmen, annehmen und unterstützen.

Die Sprache
Sprache ist verräterisch. „Ich bin keine Behinderte, ich bin ein Mensch mit Behinderung“, sagt eine Rollstuhlfahrerin, „an erster Stelle bin ich Mensch.“ – Es geht nicht um Schönreden von Problemen, sondern um den Blick, um die Wahrnehmung des Menschen. Wenn der Arzt zur Krankenschwester sagt: „Der Blinddarm auf Zimmer 215...“, so ist seine Fokus auf das gerichtet, was ein Problem macht, und der Mensch mit seinen Empfindungen wird leicht übersehen. Schauen wir dagegen auf die Begabungen eines Menschen, dann verändert sich auch unsere Sprache. Wir können unsere Wahrnehmung und die der Kinder in diese Richtung schärfen, wenn wir von Kindern, die einen Rollstuhl haben, oder Kinder mit Lernschwierigkeiten sprechen. Hier steht das Kind im Mittelpunkt!
Früher verwendete man den Begriff „geistig Behinderte“, heute spricht man von Menschen mit einer intellektuellen Behinderung oder Menschen mit Lernschwierigkeiten. Geistig und emotional sind diese Kinder oft sehr wach und sensibel.

Willkommen?
In der Öffentlichkeit und dazu gehört auch die Jungschar sind meist deutlich weniger als 5 % der Gemeinschaft Menschen mit Behinderung. Das mag verschiedenste Gründe haben, die auch in der Familie liegen können. Wir in der Kirche müssen uns aber fragen: Wie offen sind wir für Familien mit behinderten Kindern? Zeigen wir diesen Familien, dass sie willkommen sind und dazu gehören? Laden wir die Kinder ein und sind wir bereit eventuell unser Programm zu verändern? Versuchen wir gemeinsam mit den Betroffenen einen Weg zu finden? Sind unsere Bedenken im Vorfeld so groß, dass wir uns scheuen,  Angehörige und deren Kinder mit Behinderung anzusprechen?

„Ruft ihn her!“ (Mk 10,49) - Alle gehören dazu

Jesus hat sich allen Menschen zugewendet und ist besonders auf die Menschen zugegangen, die zu dieser Zeit als Blinde, Lahme, Krüppel und Aussätzige an den Rand gedrängt wurden.  Für Jesus waren diese Menschen besonders wichtig, er hat sie immer wieder zu sich gerufen und in die Mitte gestellt(z.B. die Heilung des blinden Bartimäus, Mk 10, 46-52)
Was bedeutet das Verhalten Jesu für eine Jungschargruppe? Ganz einfach: Es sollte normal sein, dass Kinder mit Behinderung  dabei sind. Die Atmosphäre wird sich verändern, nicht auf magische Weise oder weil sie Engel wären. Im Gegenteil, sie sind wie andere Kinder auch und brauchen Freiheiten und Grenzen wie andere Kinder auch.
In der Vorbereitung müssen die JS-BegleiterInnen überlegen: Was braucht dieses Kind? Wo ist es überfordert? Wie kann ich hilfreich unterstützen? Was macht es besonders gerne?  
Es kann notwendig sein, die Spielregeln etwas abzuändern oder Spiele zu vereinfachen. Wichtig ist bei der Auswahl der Spiele und anderer Aktivitäten, dass alle Kinder dabei Freude finden. Kinder lernen spielerisch voneinander und so lernen auch Kinder mit und ohne Behinderung voneinander. Es geht nicht darum, in der Theorie zu wissen, dass wir Christen und Christinnen uns an Jesus orientieren und niemanden ausschließen. Sondern es geht darum im Alltag die unterschiedlichen Fähigkeiten und Schwächen zu sehen und einander zu helfen.
Kinder tun sich hier oft leichter als Erwachsene, weil sie im Tun und Probieren voneinander lernen.

Bereicherung
Kinder mit Down Syndrom haben oft ein sehr gutes Rhythmusgefühl. Mit ihrem Perkussionsinstrument wie Triangel oder Trommel können sie für den Chor eine Bereicherung sein. Die einen singen, die anderen spielen ein Instrument, gemeinsam bilden sie den Chor, durch  den der Gottesdienst festlich und schön wird.
Die emotionale Reife von Kindern mit Behinderung ist oft sehr hoch entwickelt. Sie können ihre Gefühle manchmal gut ausdrücken und tragen so zu einem ehrlichen  Umgang miteinander bei. Kinder mit Behinderung haben vielleicht für manches eine bessere Wahrnehmung, können Stimmungen schneller ausdrücken. In unserem inklusiven Chor RhythMix in Retz singen und musizieren Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam.  Unstimmigkeiten, nicht nur jene auf musikalischer Ebene, spüren manche behinderte Menschen sehr schnell und sprechen dies auch direkt an, sie wollen keine Streitigkeiten und fordern deshalb zur Versöhnung auf.
Kinder können es auch verstehen, wenn das Kind mit Behinderung eine besondere Rolle einnimmt und z.B.: im Chor neben der Gitarristin sitzen darf und nicht stehen muss wie sie.
Kinder haben in der Regel nicht so viele Berührungsängste, auf Kinder mit Behinderung zuzugehen und mit ihnen zu spielen. Hier sind die Erwachsenen oft ängstlicher.
Alle Kinder lernen dabei Vieles von und miteinander, sie sammeln wertvolle Erfahrungen für ihr Leben. Menschen mit Behinderung haben großartige Gaben. Neben verschiedenen persönlichen Gaben halten wir jene für ganz besonders wichtig: Sie erinnern uns, dass Leistung nicht alles ist und immer der Mensch im Mittelpunkt steht.
Ist das nicht sowieso unser christlicher Auftrag – gerade in unserer Zeit?

Mag. Georg Haab, Behindertenseelsorge der Diözese Gurk-Klagenfurt
Mag. Renate Trauner, Behindertenseelsorge der Erzdiözese Wien

[aus dem kumquat "Abenteuer" 2011]

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Behindertenseelsorge in der ED Wien

behindertenseelsorge@edw.or.at oder renate.trauner@edw.or.at
Wenn Ihr in Bezug auf ein behindertes Kind in eurer Jungschargruppe eine konkrete Frage habt, so können wir im Gespräch oder Mailkontakt gemeinsam versuchen einen Lösungsansatz oder eine konkrete Antwort zu finden.
Wenn Ihr Literatur sucht z.B. zu Erstkommunionunterricht mit behinderten Kindern, leichte Sprache, Trauer, gibt es eine kleine Bibliothek.

www.behindertenseelsorge.at

Auf der Homepage findet Ihr die katholischen Kirchen in Wien Stadt, die einen barrierefreien Zugang haben und eine Induktionsschleife (für Menschen mit einem Hörgerät) besitzen. Weiters findet Ihr Veranstaltungen mit und für Menschen mit Behinderungen, wie z.B.: Heilige Messe am 3,12, dem internationalen Tag der Menschen mit Behinderung im Stephansdom;  Heilige Messe um den internationalen Down Syndrom Tag am 21.3 ebenfalls im Stephansdom;  ökumenischer Gottesdienst am 28.4.2011 in der Wiener Pfarre Namen Jesu.