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"Sanitation & dignity"

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Die Geschichte der Erfindung des heutigen Wasserklosetts geht bis ins Jahr 1589 zurück. Der Engländer Sir John Harrington baute den Vorläufer der heute weit verbreiteten Wasserspültoilette. Schon Leonardo da Vinci beschäftige sich mit der Erfindung eines technischen Apparates zur geruchsfreien Beseitigung von Fäkalien. Doch bis heute gehört diese wichtige Erfindung noch längst nicht überall zum Alltag: Fast die Hälfte aller Menschen - rund 2,6 Milliarden Menschen, das sind 42 Prozent der Weltbevölkerung - müssen ohne sanitäre Einrichtungen auskommen. Die negativen Auswirkungen auf Hygiene, Trinkwasserqualität und damit auf Wohlbefinden und Gesundheit sind groß.

Um die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu bringen, hat die UNO das Jahr 2008 zum "International Year of Sanitation" (internationales Jahr der sanitären Grundversorgung) ausgerufen. In Wien hat es im vergangenen Herbst dazu im Alten AKH die Ausstellung "sanitation is dignity" (Toilette bedeutet Würde) gegeben, die auch von der Dreikönigsaktion unterstützt wurde. Die Ausstellung behandelt ein wichtiges und oft verschwiegenes Grundbedürfniss des Menschen - den Zugang zu einer Toilette. So soll das Thema enttabuisiert werden und mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen.

Bei der Ausstellung im Alten AKH waren 33 lebensgroße Figuren zu sehen, die sich halb hinter schützenden Objekten wie Blumenkübeln, Taschen oder Schirmen verstecken, um ihr "Geschäft" zu verrichten. Die Aufschrift auf den Figuren "Where would you hide?" ("Wo würden Sie sich verstecken?") soll zum Nachdenken anregen.

Sanitäre Grundversorgung weltweit
Mit dem Mangel an sanitären Einrichtungen gehen Gesundheitsauswirkungen wie die Verbreitung von "water-related diseases" einher. Durch Fäkalien verschmutztes Trinkwasser, keine oder unzureichende Behandlung der Abwässer und die Übertragung von Krankheitserregern über unterschiedliche Kontaminationspfade (z.B. ungewaschene Hände, Lebensmittel, Fliegen,...) sind oftmals Auslöser kritischer Lebenssituationen. Vor allem Frauen (und Kinder) haben unter den negativen Auswirkungen einer unzureichenden sanitären Versorgung zu leiden, da sie oft die Verantwortung für die Wasserversorgung und für Hygiene im Haushalt tragen.

Und wie sieht es bei uns aus?
Was es bedeutet, keinen Zugang zu einer sauberen Toilette zu haben, wird den Menschen bei uns erst bewusst, wenn der Drang im öffentlichen Raum groß ist, aber keine Klomöglichkeit vorhanden ist. Das ist bei Großveranstaltungen wie der Fußball EM oder bei Festivals besonders arg. Außerdem sind öffentliche Toiletten oftmals stinkende, schlecht beleuchtete, zu kleine Orte - Örtchen eben, die mangelhaft betrieben werden. Zudem müssen Frauen durch ungenügende Planung von öffentlichen Klos (die Grundflächen sind für beide Geschlechter meist gleich groß angelegt, eine Toilette und drei Pissoirs sollten aber eigentlich 4 Toiletten gegenüberstehen) längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch Menschen mit Behinderungen haben es oft schwer, eine für ihre Bedürfnisse geeignete Toilette zu finden.

In Österreich wird eine funktionierende Abwasserentsorgung in Form von Wassertoiletten als eine Selbstverständlichkeit angesehen. Was dies eigentlich im Konkreten bedeutet, wird selten mitbedacht: In Österreich werden im Durchschnitt 12.800 Liter Trinkwasser pro Person pro Jahr förmlich die Toilette hinuntergespült. Wie lange werden wir uns das noch leisten können? Und was geschieht eigentlich mit dem, was aus der Toilette abfließt? Pro Jahr wird auf der Welt viel Geld und Energie verbraucht, um künstliche Düngemittel herzustellen. Dabei produzieren wir Menschen rund ein Drittel dieses Weltdüngerbedarfs selber auf der Toilette. Statt ihn zu nutzen, spülen wir ihn lieber mit Trinkwasser in die Klärwerke, um ihn dann (unter erneutem Geld- und Energieeinsatz) zu entsorgen. Macht das Sinn? Dabei gibt es bereits erprobte alternative Lösungen und Technologien: Behandeltes Toilettenabwasser kann optimal für Bewässerung und andere landwirtschaft- und gartenbauliche Zwecke wiederverwertet werden. Außerdem könnte das daraus gewonnene Biogas als erneuerbare Energiequelle genutzt werden.

Und was macht die Dreikönigsaktion?
In den Entwicklungsländern, v.a. dort wo es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und schlechte Abwasserreinigung gibt, sind alternative Lösungen besonders relevant. Die Dreikönigsaktion arbeitet in diesem Bereich v.a. in Ostafrika. Dort werden z.B. in Spitälern ökologische sanitäre Einrichtungen gebaut.

Quelle und weitere Infos: http://www.sanitation-is-dignity.org

Material

Aufbau

Ing. Toiletto bittet die Kinder um ihre Mithilfe beim Bau einer idealen Toilette. Dazu sammelt ihr beim Spiel "rotes Klosett" erste Ideen, lasst euch dann von Bildern von Toiletten weltweit inspirieren und überlegt zum Abschluss wie euer ideales Örtchen ausschauen würde.

 

Einstieg: Rotes Klosett


Herr Ingenieur Toiletto bittet die Kinder um ihre Mithilfe. Er wurde beim Bau einer neuen Stadt hinzugezogen, um dort Toiletten zu bauen. Er möchte ganz besonders tolle Klos bauen und hat gehört, dass es da viele verschiedene Möglichkeiten gibt, und bittet daher die Kinder um ihre Mithilfe. In einem ersten Schritt sollen die Kinder überlegen, was es denn bei Klos so alles zu bedenken gibt, und er bittet sie, einfach drauf los zu assoziieren.
Ihr spielt das Spiel "Rotes Klosett" (in der Spielemappe findet ihr das Spiel als "rotes Sofa"):

Im Raum stehen drei Sessel nebeneinander (oder eine Sitzbank). Ein/e Spieler/in setzt sich auf den mittleren der drei Sessel und beginnt das Spiel, indem er/sie sagt: "Ich bin ein rotes Klosett." Die anderen Spieler/innen denken sich nun Gegenstände aus, von denen sie glauben, dass sie gut zu dem Gegenstand in der Mitte passen. Zwei andere Spieler/innen können nun die Plätze links und rechts einnehmen und ihren Gegenstand vorstellen, z.B. "Ich bin ein rosa Klobesen", "Ich bin ein Duftspray",... Der/die Spieler/in in der Mitte wählt nun den Gegenstand aus, der seiner/ihrer Meinung nach besser zu ihm/ihr (dem "roten Klosett") passt, und verlässt mit diesem/r Spieler/in die Sessel. Der/die Dritte setzt sich nun auf den mittleren Sessel und stellt sich nochmals vor, womit eine nächste Runde beginnt.

Klos weltweit


Da es so viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, hat Ing. Toiletto Bilder von Klos auf der ganzen Welt mitgebracht und bittet die Kinder, sich die genauer mit ihm anzuschauen.
Du hast Bilder von Toiletten aus verschiedenen Ländern und auch aus Österreich mitgebracht und ihr schaut sie gemeinsam an.

Folgende Themen kannst du dabei ansprechen:
Was fällt euch auf? Was ist anders, was ist gleich?
Welche Spülmechanismen gibt es - kennt ihr noch andere?

Dabei kannst du auf den Wasserverbrauch hinweisen:
Viele Klos v.a. bei uns funktionieren mit Wasser, aber die Wasserverschwendung ist enorm.
Weißt du, wie viel Wasser pro Klogang in Europa und zum Beispiel in Tanzania oder Uganda benötigt wird?

Die Antwort:

  • In Österreich verbraucht ein Mensch bei seinen durchschnittlich drei Klogängen pro Tag rund 30 bis 40 Liter Trinkwasser.
  • In Uganda verbraucht ein Mensch bei seinen durchschnittlich drei Klogängen pro Tag rund 3 bis 5 Liter Wasser (meist Regenwasser).
  • In den modernen Trockenklos wird gar kein Wasser verwendet.


Ihr könnt die verschiedenen Toiletten auch an Hand von Kriterien "bewerten":

  • bequem - unbequem
  • sauber - dreckig
  • genug Platz - zu wenig Platz
  • geruchsintensiv - geruchsfrei
  • braucht viel Wasser - braucht wenig Wasser
  • nützen viele Menschen - nützen wenige Menschen
  • es gibt Klopapier - es wird etwas anderes zur Reinigung verwendet
  • gemütlich - ungemütlich
  • laut - leise
  • ich bin allein - es gibt viele Menschen

Kein Klo - also wo?


Ing. Toiletto berichtet weiter: Für viele Menschen auf der ganzen Welt bedeutet der tägliche Gang zum Klo eine oft große He-rausforderung: Es gibt zu wenige Klos oder sie müssen das Klo mit vielen anderen Menschen benützen, dadurch können sich Krankheiten schnell übertragen. Deswegen werden z.B. auch mit dem Geld, das ihr beim Sternsingen sammelt, Klos und sanitäre Einrichtungen gebaut, z.B. in Uganda. Damit die Wasserverschwendung nicht so groß ist, werden Trockentoiletten gebaut, die funktionieren ohne Wasser und das praktische ist, dass damit auch gleich Düngemittel für die Landwirtschaft erzeugt werden kann.

Stellt euch einmal vor, ihr hättet kein Klo bei euch zu Hause, so wie es für viele Menschen der Fall ist (42% der Weltbevölkerung, das ist fast die Hälfte aller Menschen). Wo würdet ihr hingehen? Wo würdet ihr euch verstecken?

Bei einer Fotoaktion könnt ihr euch (mögliche und unmögliche) Orte überlegen, die ihr benützen würdet. Bei den ausgewählten Orten könnt ihr euch hinhockerln und jeweils ein Foto schießen. Diese könnt ihr euch im Anschluss gemeinsam anschauen.

Im Anschluss an eure eigene Fotoaktion könnt ihr euch die Bilder der Ausstellung "sanitation is dignity" auf http://www.sanitation-is-dignity.org anschauen, hattet ihr ähnliche Ideen?

Das perfekte Örtchen


Zum Abschluss bittet Ing. Toiletto die Kinder noch einmal um ihre Mithilfe. Jetzt habt ihr schon viel über das Klogehen nachgedacht und gehört. Was gehört denn eurer Meinung nach dazu, sich auf dem Klo wohlzufühlen? Was soll Ing. Toiletto bei seinen Toiletten bedenken, damit es "ideale Klos" werden?

Gemeinsam "baut" ihr ein ideales Klo beim Spiel "Toilette Bauen" (in der Spielemappe findet ihr das Spiel als "Maschine bauen"):
Ziel dieses Spiels ist es, gemeinsam ein ideales Klo zu bauen. Ein Kind beginnt und stellt einen Teil der "Maschine" (Toilette) dar. Dabei macht es eine Bewegung und ein Geräusch. Das nächste Kind baut an dieser "Maschine" weiter, indem es sich mit einer eigenen Bewegung und mit einem eigenen Geräusch an das vorige Kind, also den vorigen Maschinenteil, anhängt. Nach und nach bauen die anderen Kinder an der Maschine in gleicher Weise weiter, bis alle mit Bewegungen und Geräuschen eine große Maschine bzw. eben ein großes Klo darstellen. Wichtig ist, dass jedes Kind selbst entscheiden kann, wie es sich an die Maschine anbaut. Wenn ein Kind währenddessen müde wird, kann es natürlich mit seiner Bewegung und seinem Geräusch aussetzen. Wenn alle Kinder in die Maschine eingebaut sind, können sie ihre Bewegungen und Geräusche zuerst immer schneller bzw. lauter und dann immer langsamer bzw. leiser werden lassen, bis die Maschine still steht.

Autor/in: Clara Handler

Publikation: kumquat "und" 3/2008

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Schlagwörter: Welt, Ungerechtigkeit, Umwelt, Gesellschaft